Verkleinerung des Vorstands
Commerzbank mit Millionenforderung konfrontiert

Für die Commerzbank könnte die Verkleinerung des Vorstands teurer werden als erwartet. Einem Bericht zufolge verlangen die potenziell Geschassten insgesamt sieben Millionen Euro. Dem Bund passt die Summe überhaupt nicht.
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FrankfurtDie geplante Verkleinerung des Vorstands der Commerzbank zieht sich wegen schwieriger Verhandlungen über die Abfindungen weiter hin. Die beiden Manager, die das Geldhaus verlassen sollen, fordern insgesamt sieben Millionen Euro, wie die Zeitung „Die Welt“ unter Berufung auf Aufsichtsratskreise berichtete. Vorstand und der Bund als Großaktionär wollten allerdings deutlich weniger zahlen. In Finanzkreisen wurden die Angaben aus der Zeitung bestätigt. Die Bank selbst wollte den Bericht nicht kommentieren. Am heutigen Mittwoch findet eine Strategiesitzung des Instituts statt. Zum Vergleich: Siemens dürfte gegenüber Ex-Vorstandschef Peter Löscher zwei Jahresgehälter plus Bonus als Ausgleichszahlung für die Vertragsauflösung leisten, was sich etwa 6,7 Millionen Euro summiert.

Der Aufsichtsrat der Commerzbank hatte im August auf Drängen von Vorstandschef Martin Blessing beschlossen, den Vorstand von neun auf sieben Mitglieder zu verkleinern. Dies sieht der Konzern als eine Konsequenz aus dem eingeleiteten Sparprogramm. Konkrete Personalentscheidungen, um eine einvernehmliche Lösung mit den betroffenen Vorständen zu finden, gibt es aber noch nicht. Dem Vernehmen nach sollen Ulrich Sieber und Jochen Klösges gehen. Sie verantworten die interne Abwicklungseinheit, in der das Institut Geschäfte gebündelt hat, von denen es sich trennen will.

Laut Dienstvertrag stehen ihnen bei einer Abberufung zwei Jahresgehälter zu. Die beiden Vorstände haben im vergangenen Jahr jeweils gut 1,2 Millionen Euro verdient. Blessing will der Zeitung zufolge etwas mehr als zwei Millionen Euro pro Vorstand ausgeben. Wie das Handelsblatt exklusiv berichtete, drängt die Bundesregierung dagegen auf eine Zahlung von weniger als eine Million Euro. Mehr solle es nicht geben, schon gar nicht mitten in Wahlkampfzeiten, sagten Regierungskreise. Es könne nicht sein, dass Ex-Mitarbeitern von Schlecker nach der Pleite teilweise eine Abfindung von 500 Euro angeboten worden sei, Commerzbank-Vorstände aber Millionen kassierten. „Deshalb wird es auch vor der Bundestagswahl am 22. September keine Einigung geben“, heißt es in Berlin.

Zur Begründung für die Höchstgrenze von einer Million Euro wird auf den Rahmenvertrag zwischen dem Soffin und der Commerzbank aus dem Dezember 2008 verwiesen, als das Institut eine erste Hilfstranche von 8,2 Milliarden Euro überwiesen bekommen hatte. Mit dem Geld konnte die Bank gerettet werden, die in der Spitze mit 18,2 Milliarden Euro vom Staat unterstützt worden war. Im Rahmenvertrag sei von einer Abfindung von maximal zwei Jahresgehältern die Rede, betonen Insider. Damals entsprach das aber nur einer Summe von einer Million Euro, da es für die Vorstände noch eine Gehaltsbegrenzung von 500.000 Euro gab.

Für die beiden Vorstände Sieber und Klösges sei die Summe, die der Bund vorschlägt, nicht akzeptabel, berichteten Finanzkreise. Sie bekommen seit 2012 wieder jeweils ein Festgehalt von 0,75 Millionen Euro jährlich. Hinzu kommen Boni. Allein im vergangenen Jahr lag das Gesamtgehalt von beiden bei 1,2 und 1,3 Millionen Euro. Insgesamt müsse mit rund 2,3 Millionen Euro gerechnet werden, falls die Commerzbank mit ihrer Entlassungsbegründung durchkommt und die Vorstände aus „wichtigem Grund“ vorzeitig abberufen werden können, heißt es aus dem Umfeld der Bank. Wenn der Streit vor Gericht ginge und die Bank verlieren würde, könnte die Summe noch höher ausfallen.

Unterstützung bekommen die Vorstände laut „Welt“ von den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat. Sie teilten die Ansicht, dass kein wichtiger Grund zur Abberufung vorliegt. Der Schritt gilt juristisch als heikel, da den Vorständen keine Pflichtverletzung im Amt vorgeworfen wird.

Hinzu kommt, dass die Arbeitnehmer Sieber, der zusätzlich für Personal verantwortlich ist, schätzen und ihn deshalb nicht gehen lassen wollen. Vor allem sind sie dem Bericht zufolge nicht damit einverstanden, dass künftig Finanzvorstand Stephan Engels auch den Posten des Arbeitsdirektors einnehmen soll.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

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  • ..................................
    ...COBANK-ABFINDUNGEN...
    ..................................
    typische neiddebatte mit unvollständigen
    fakten und unzulässigen vergleichen..!!!
    ..
    die bank ist natürlich nicht pleite und
    hat bereits den bundesanteil reduziert..
    ..
    deshalb gibt es keine gehaltsbeschränkun-
    gen mehr..!!


  • Es ist ungeheuerlich! Diese Bank ist PLEITE und nur mit Steuerzahlergeldern gerettet worden. Und nun sollen auch noch die Steuerzahler Abfindungen in Millionenhöhe zahlen! Das muss richterlich entschieden werden, ich empfinde es als Raub. Außerden brauchen Leute in diesen Gehaltsklassen überhaupt keine Abfindung, da sie reichlich Gelegenheit hatten, ihre Altersvorsorge zu sichern. Im Gegensatz zu denjenigen, die für die gesamte Bank plus Abfindungen aufkommen.

  • Dass Verträge und Vorstandszusagen nicht unbedingt eingehalten werden müssen, hat die Coba inzwischen von den höchsten Instanzen der deutschen Arbeitsgerichtsbarkeit bestätigt bekommen. Insofern sollte der Anteilseigner Bund darauf bestehen, dass dies jetzt auch so erfolgt.
    Dass davon jetzt ein Vorstand betroffen ist,der auf dieser Ebene sowieso nicht gebraucht wurde und weiterhin einer, bei dem viele, die ihn kannten und seinen Werdegang verfolgen mussten, sich ohnehin fragten, wieso er es bis zum Personalvorstand schaffte, zeigt nur, von welcher Qualität in Coba Personal- und andere Entscheidungen sind.

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