Verlust des Rückversicherers überrascht Analysten: Converium steckt tiefer im Sumpf als erwartet

Verlust des Rückversicherers überrascht Analysten
Converium steckt tiefer im Sumpf als erwartet

Der Schweizer Rückversicherer Converium muss um seine Zukunft bangen: Der Verlust des ehemals achtgrößten Rückversicherers der Welt fiel mit 761 Mill. Dollar im vergangenen Jahr höher aus als von Analysten erwartet. Kunden und Mitarbeiter springen ab.

oli ZÜRICH. Außerdem räumte das Unternehmen bei der Vorstellung der Bilanz in Zürich gestern erstmals ein, die Finanzabteilung nicht im Griff zu haben. Ausschlaggebend für den hohen Verlust im Jahr 2004 waren weniger die Naturkatastrophen, die die ganze Branche in Atem hielten, als vielmehr die Verstärkung der Reserven für das US-Haftpflichtgeschäft, die allein mit 578 Mill. Dollar zu Buche schlugen. Converium hatte Schäden im US-Geschäft aus den Vorjahren falsch eingeschätzt und musste deswegen im vergangenen Sommer seine Reserven verstärken. Die Ankündigung führte zunächst zu einer Herabstufung des Ratings, worauf Kunden von ihrem Recht Gebrauch machten, Verträge zu kündigen. Eine Kapitalerhöhung brachte kaum Entspannung im operativen Geschäft. Der Finanzchef nahm seinen Hut. Vergangene Woche wurde Konzernleiter Dirk Lohmann entlassen.

Mit Terry Clarke führt jetzt ein langjähriges Mitglied des Verwaltungsrats das Unternehmen. „Das Finanzergebnis ist eindeutig unbefriedigend“, sagte Clarke. Dennoch halte er an der Strategie fest, die Gesellschaft als unabhängigen Mehrsparten-Rückversicherer weiterzuführen, allerdings auf kleinerem Niveau. Das Nordamerika-Geschäft wird abgewickelt, das Mexiko-Büro geschlossen. Der Betriebsaufwand soll um 6,5 Prozentpunkte, gemessen an den gebuchten Nettoprämien, sinken. Da die Prämien im vergangenen Jahr um 7,2 Prozent auf 3,55 Mrd. Dollar gesunken sind, müssen die Sparanstrengungen beträchtlich sein – was allerdings angesichts einer Schaden-Kosten-Quote von 118,2 Prozent im Sachgeschäft auch dringend nötig ist (Schäden plus Kosten übersteigen die Prämien um 18,2 Prozent). Von den weltweit rund 700 Beschäftigten muss jeder Dritte gehen. Einige haben bereits von sich aus gekündigt, räumte Konzernleitungsmitglied Benjamin Gentsch gestern ein. Die Fluktuation bei Converium in Europa liege derzeit bei zwölf Prozent jährlich.

Erstmals seit Beginn des Reservedebakels in den USA räumte das Unternehmen ein, dass in der Finanzabteilung Probleme bestehen: Die Konzernleitung und die externe Revisionsgesellschaft seien auf bestimmte Sachverhalte gestoßen, die auf bedeutende Schwächen im internen Kontrollumfeld von Converium hinwiesen. Es sei schwierig für den Verwaltungsrat, ein Unternehmen richtig einzuschätzen, wenn die Informationen von einem Management kämen, das auch nicht immer alles wisse, räumte Clarke ein und beschrieb damit seine eigene Rolle: Der 63-Jährige war vor acht Monaten dem damaligen Konzernchef Lohmann zur Seite gestellt worden – offenbar ohne den gewünschten Erfolg. Vergangene Woche zog der Verwaltungsrat die Notbremse. „Ich selbst habe bis Mittwoch nicht gewusst, dass ich heute hier das Ergebnis präsentieren muss“, gestand Clarke ein. Er wolle so lange im Amt bleiben, wie er gebraucht werde.

Dass die Aktie trotz dieser Vorstellung gestern in Zürich leicht stieg, führen Händler auf Übernahmespekulationen zurück, die auch Clarke nicht von der Hand wies: „Wir können immer das Ziel solcher Übernahmen sein und müssen sie im Interesse der Aktionäre auch prüfen.“

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