Vermögensberatung
Deutsche Bank will aus eigener Kraft wachsen

Die Deutsche Bank hätte das Zeug zum Branchenführer in der Vermögensverwaltung, glaubt Co-Vorstandschef Anshu Jain. Übernahmen seien aber nicht geplant. Jain setzt eher auf Geduld.
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FrankfurtDie Großbaustelle aufräumen, Wände einreißen, Kosten senken, neue Kunden anlocken - und Finger weg von Zukäufen: So sieht die Aufgabenliste aus, die Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain seinen Kollegen in der ertragsschwachen Vermögensverwaltung ins Stammbuch geschrieben hat. Seit einem Jahr baut Jains Vertrauter Michele Faissola den neu geschaffenen Bereich Asset and Wealth Management (AWM) radikal um.

"Wir haben alles, was es braucht, um ein echter Champion zu werden", gab Jain am Dienstag in Frankfurt das Ziel vor, wo die Deutsche Bank den zweiten Tag in Folge detaillierten Einblick in ihren Problembereich gab. "Aber wir haben das Potential der Sparte noch nicht gehoben." Wegen hoher Sanierungskosten lugt AWM gerade über die Nulllinie, bis 2015 soll die Sparte einen Vorsteuergewinn von 1,7 Milliarden Euro abwerfen.

AWM verwaltet weltweit ein Vermögen von knapp einer Billion Euro. In Zeiten strengerer Regulierung ist das ein großes Pfund. Jetzt muss die Deutsche Bank damit nur noch Geld verdienen. Faissola war in den vergangenen Monaten damit beschäftigt, aus vielen Einzelbereichen eine Plattform zu zimmern: Die Vermögensverwaltung umfasst künftig die gesamte Produktpalette von aktiv gemanagten Fonds bis passiven Index-Produkten und bedient den einfachen Kleinsparer gleichermaßen wie die reichen Privatkunden und Profi-Anleger wie Versicherer und Pensionskassen.

Seit dem vergangenen Frühjahr wurden von den damals rund 7300 Vollzeit-Jobs in AWM rund 900 gestrichen. Weitere 330 Stellen werden bis Ende 2014 bei der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim wegfallen, einem der größten Sorgenkinder. Das Traditionshaus wird nach eigener Einschätzung erst 2015 wieder Gewinne schreiben.

Mittelfristig will Faissola in AWM mit rund 6000 Mitarbeitern auskommen. Den größten Teil der harten Sparmaßnahmen sieht er als abgeschlossen an - jetzt geht es darum, Wachstum zu generieren. Die Vermögensverwaltung in den westlichen Industriestaaten ist zwar ein sehr umkämpfter und weitgehend gesättigter Markt. Doch nach den Worten von Jain sind die anhaltenden Niedrigzinsen in den USA und Europa eine große Bürde für den Sparer. Hier seien individuelle Lösungen gefragt, die die Deutsche Bank mit ihrer Kapitalmarkt-Expertise liefern könne.

Besonders große Chancen sieht Jain aber in den Schwellenländern mit rasanten Wachstumsraten bei Bruttoinlandsprodukt und Bevölkerungszahl. "Die Ausgangsbedingungen sind hervorragend. Es liegt eine spannende Wegstrecke vor uns", betonte der gebürtige Inder. Nicht zuletzt will Jain rund um den Globus mit der bekannten Marke "Deutsche" die superreichen Privatkunden (UHNW) ködern - und sie von den Schweizer und angelsächsischen Konkurrenten weglocken. Credit Suisse, UBS, JP Morgan und inzwischen auch Goldman Sachs sind hier tonangebend.

Das Wachstum der AWM-Sparte soll allerdings aus eigener Kraft kommen, wie Jain betonte, zumindest bis 2015. "Wir müssen uns auf organisches Wachstum fokussieren." Der Umbau koste viel Geld und binde Ressourcen, da sei an Zukäufe bis auf weiteres nicht zu denken, sagte Jain. Erstmal gelte es, auf der eigenen Plattform aufzuräumen. "Wir müssen Michele und seinem Team eine möglichst lange Startbahn geben. Bitte seien Sie geduldig. Ich bin es auch."

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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