Vermögensverwalter
Julius Bär kooperiert mit Bank of China

Der Schweizer Vermögensverwalter geht eine strategische Partnerschaft mit der chinesischen Großbank Bank of China (BOC) ein. Bisher war Bär im Wachstumsmarkt China lediglich mit einer Repräsentanz aktiv.
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ZürichDer Schweizer Vermögensverwalter Julius Bär geht eine strategische Partnerschaft mit der chinesischen Großbank Bank of China (BOC) ein. Laut dem am Montag veröffentlichten Abkommen wird BOC Kunden mit Vermögensverwaltungs-Bedürfnissen außerhalb des chinesischen Festlandes an Bär verweisen. Im Gegenzug könnten Bär-Kunden Bank-Dienstleistungen von BOC in Anspruch nehmen. Die beiden Partner planten auch Kooperationen in der Produkt-Distribution und in der Finanzmarkt-Analyse. Zudem werde die Schweizer BOC-Niederlassung in Bär integriert. Bisher war Bär im Wachstumsmarkt China mit einer Repräsentanz aktiv. 

Die Schweizer Privatbank zieht zudem immer mehr Geld von Vermögenden an. Im ersten Halbjahr 2012 profitierte der größte börsennotierte reine Vermögensverwalter des Landes von Problemen bei Konkurrenten. Bär gelang es, 5,5 Milliarden Franken an neuen Geldern einzusammeln. Auf das Jahr hochgerechnet entspricht dies 6,4 Prozent des Bestandes und liegt damit über dem mittelfristigen Zielband von vier bis sechs Prozent. Insgesamt steigerte Bär die verwalteten Vermögen zur Jahresmitte auf den Rekordstand von 179 Milliarden Franken.

Gut lief es bei dem Zürcher Geldhaus im deutschen Lokal-Geschäft sowie in Schwellenmärkten wie Asien. Gegenwärtig stammt mehr als ein Drittel der verwalteten Vermögen aus diesen Regionen, bis 2015 dürfte es über die Hälfte sein. Während die Vermögen in den westlichen Märkten stagnieren, wachsen sie in Asien und Lateinamerika jährlich prozentual zweistellig. Weitere Impulse erhofft sich Bär von der angekündigten Zusammenarbeit mit der Bank of China.

Neben der richtigen geografischen Positionierung helfen Bär auch Verwerfungen bei Konkurrenten. So meldete die Großbank Credit Suisse in der Vorwoche Milliarden-Abflüsse in Zusammenhang mit der Integration der Tochtergesellschaft Clariden Leu. Insgesamt sammelte das Private Banking der CS, das rund fünf Mal größer ist als Bär, im Halbjahr lediglich 11,3 Milliarden Franken neues Geld ein.

Auch von der Bank Sarasin dürfte Bär Kunden gewonnen haben. Anfang Jahr hatte Bär Sarasin vier Kundenberaterinnen abgeworben, die Branchenkreisen zufolge vier Milliarden Dollar verwalten. Medienberichten zufolge reagiert auch der eine oder andere Sarasin-Kunde verunsichert auf die Übernahme der Basler Bank durch die brasilianische Safra.

Dem negativen Ertragstrend in der Branche kann sich allerdings auch Bär nicht entziehen. Der Handelsstreik der Kunden führte im Halbjahr zu einem Rückgang der Erträge um vier Prozent. Die Kosten konnte das Institut lediglich um ein Prozent drücken. Trotzdem stieg der Gewinn um 13 Prozent auf 221 Millionen Franken. In der Vorjahresperiode hatte eine Bußgeldzahlung von 51 Millionen Franken zu Buche geschlagen, mit der Bär in Deutschland ein Verfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung abwenden konnte.

"Auch das zweite Halbjahr wird schwierig, volatil und unsicher bleiben", erklärte Konzernchef Boris Collardi. "Wenn der Umbau Europas Fortschritte macht, bin ich hoffnungsvoll, dass wir ein gutes mittelfristiges Szenario haben. Wenn nicht, werden die Transaktionsvolumen gedämpft bleiben."

An der Börse sanken die Bär-Aktien um ein halbes Prozent auf 34,52 Franken. Sie verloren damit deutlich weniger als die europäischen Bankaktien insgesamt, die aus Angst vor einer Eskalation der Euro-Schuldenkrise um fast drei Prozent einbrachen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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