Vermögensverwaltung
Credit Suisse bläst zum Rückzug

Die Credit Suisse war durch von Behörden aufgekaufte Daten-CDs unter Druck geraten. Die Schweizer Großbank hat nun die Lust an der Vermögensverwaltung in Deutschland verloren. Doch nicht alle Kunden gibt die Bank weiter.
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ZürichCredit Suisse verkauft ihr Privatkundengeschäft in Deutschland an die Frankfurter Bethmann Bank. Durch die Zusammenführung der beiden Geschäfte entstehe der drittgrößte Private Banking-Anbieter in Deutschland, teilte die Schweizer Großbank am Donnerstag mit. Die Transaktion solle im Laufe des Jahres 2014 abgeschlossen werden. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart. Bethmann ist Teil des niederländischen Bankkonzerns ABN Amro. Credit Suisse will sich in Deutschland aber weiter um sehr vermögende Kunden kümmern.

Kunden der Credit Suisse standen in den vergangenen Jahren im Fokus deutscher Steuerermittler. Drei Steuer-CDs mit Daten der Bank und des Konkurrenten Julius Bär hatten Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gemeinsam mit dem Bund gekauft. Die Zahl der Selbstanzeigen von Steuersündern stellte danach in die Höhe. Die Credit Suisse erreichte die Einstellung eines Verfahrens gegen die Bank in Nordrhein-Westfalen nur gegen eine Geldbuße von 150 Millionen Euro.

Der Verkauf des Privatkundengeschäfts ist Teil der Konzernstrategie, sich auf extrem reiche Kunden zu fokussieren. Die Bethmann Bank übernimmt alle 9000 Privatkunden, die von der Credit Suisse in Deutschland betreut werden und ein Vermögen von insgesamt 10 Milliarden Euro haben. Die Kundenzahl der Bethmann Bank steige auf 20.000 und das verwaltete Vermögen auf 34 Milliarden Euro, hieß es in einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Im Juni war bekannt geworden, dass Credit Suisse den Verkauf von Teilen des Vermögensverwaltungsgeschäfts in Deutschland prüfe. Die Profitabilität des Private Bankings in verschiedenen europäischen Ländern solle verbessert werden, hatte eine mit der Situation vertraute Person erklärt. Eine Option sei der Ausstieg aus gewissen Geschäften. Zudem wolle sich die Bank in der Vermögensverwaltung außerhalb der Schweiz auf die Superreichen konzentrieren. Deutschland ist der größte Vermögensverwaltungsmarkt in Europa. Angesichts des scharfen Preisdrucks arbeitet in Deutschland aber kaum ein Schweizer Anbieter mit Gewinn.

Die Schweizer hatten vor allem wegen eines schwachen Geschäfts mit Anleihen im dritten Quartal operativ weniger verdient. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern fiel um rund ein Fünftel auf 930 Millionen Schweizer Franken (756 Millionen Euro). Auch angesichts dieser Entwicklung treibt das Institut seinen Umbau voran: Vor allem dem schwankungsanfälligen Investmentbanking geht es an den Kragen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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