Versicherer Allianz steckt neue Millionen in das Startup Simplesurance

Einige deutsche Insurtechs genießen derzeit einen Geldregen – andere kämpfen ums Überleben. In der jungen Branche trennt sich die Spreu vom Weizen.
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Das Management des Insurtechs kann sich freuen: Es erhält weitere 24 Millionen Dollar von seinen Investoren. Quelle: Pressebild Simplesurance
Management von Simplesurance

Das Management des Insurtechs kann sich freuen: Es erhält weitere 24 Millionen Dollar von seinen Investoren.

(Foto: Pressebild Simplesurance)

FrankfurtNazim Cetin weiß, was er will. Der neue Chef von Allianz X, der Wagniskapitaleinheit des Münchener Dax-Konzerns, hat die Strategie seit seinem Start Ende vergangenen Jahres komplett verändert. Statt junge Unternehmen in einer frühen Entwicklungsphase mitaufzubauen, investiert die Einheit nur noch in Gesellschaften, die bereits ein funktionierendes Geschäftsmodell bewiesen haben.

Das Berliner Startup Simplesurance, an dem Europas größter Versicherer bereits beteiligt ist, fällt ganz offenbar in dieses Beuteschema. Wie Allianz und Simplesurance einen Tag vor der Hauptversammlung des Dax-Konzerns in München mitteilen, erhält das Startup nun weitere 24 Millionen Dollar in einer Series C-Finanzierungsrunde von seinen Investoren, zu denen neben der Allianz auch die Internet-Handelsplattform Rakuten sowie Rheingau Founders zählen.

Innerhalb weniger Tage regnet damit ein Millionensegen auf deutsche Insurtechs, wie die Startups in der Versicherungsbranche genannt werden, herab. Erst wenige Tage zuvor hatte der Versicherungsmakler Clark 29 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt – was nach Darstellung des Unternehmens einen Rekord in einer zweiten Finanzierungsphase (Series B) in Europa darstellt.

Die Finanzspritze für Simplesurance fällt nun kaum kleiner aus. Die neuen 24 Millionen Dollar stellen die bisher größte Kapitaleinnahme in der noch jungen Unternehmensgeschichte dar. Die Gelder sollen Simplesurance bei der Expansion in neue Märkte unterstützen: Der Sprung auf den japanischen Markt sei noch in diesem Jahr geplant, heißt es.

Zudem soll die neue Investition beim Launch neuer Produkte helfen. Noch im laufenden Jahr soll beispielsweise eine eigene Cyber-Versicherung der Berliner auf den Markt kommen. Wie sich die Millionen-Finanzspritze auf die Investoren verteilt, wollten die Firmen nicht sagen.

„Sechs Jahre nach der Gründung befinden wir uns auf einem stetigen Wachstumspfad“, betonte Simplesurance-Chef und -Gründer Robin von Hein nicht ohne Stolz. Das auf die Versicherungsbranche spezialisierte Start-up aus Berlin, das mittlerweile 150 Mitarbeiter beschäftigt und in 28 europäischen Ländern aktiv ist, ist erst 2012 gegründet worden.

Offensichtlich sind Allianz und Rakuten vom Potenzial des Berliner Startups überzeugt: Simplesurance verkauft mit seinem mehr als 140-köpfigen Team Versicherungen direkt übers Internet - etwa für Handys, Laptops, Fahrräder, Autoreifen oder Brillen. Geboten werden auch Garantieverlängerungen bei Kühlschränken oder Espressomaschinen und ein Fahrzeug-Rechtsschutz.

Die Euphorie der Insurtechs weicht einem nüchternen Blick

Simplesurance betätigt sich dabei lediglich als Makler. „Wir sind der Herr Kaiser im Web 2.0“, beschrieb von Hein vor einiger Zeit das Konzept. Eine Idee, die die Allianz so gut findet, dass sie sich 2016 bereits an Simplesurance beteiligte - und nun weiteres Geld zuschießt.

Insgesamt hat das Start-up über drei Finanzierungsrunden nun rund 48 Millionen Dollar eingesammelt. Damit gehört die 2012 gegründete Firma inzwischen zu den kapitalkräftigsten Insurtechs der Welt. Doch die Ambitionen des Mannes, der in Frankfurt Versicherungsbetriebswirtschaft studierte, reichen darüber hinaus. Jüngst erst ist das Start-up in die papierlose Verwaltung von traditionellen Policen eingestiegen - eine Attacke auf Rivalen wie Get Safe.

Unter den jungen Insurtechs trennt sich damit allmählich die Spreu vom Weizen. Denn während Clark und Simplesurance neue Millionensummen einsammeln, müssen andere Gründer inzwischen ums Überleben kämpfen. Eine Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman und von Policen Direkt hatte bereits jüngst vorhergesagt, dass viele Träume von Insurtech-Gründern in nächster Zeit zerplatzen würden.

Denn die Euphorie in der Branche weicht allmählich einem etwas nüchterneren Blick. Es werde sicher zu einem Aufmischen in der Branche kommen. „Einige Insurtechs werden vom Markt verschwinden, andere werden aufgekauft oder gehen mit Konkurrenten zusammen“, lautete die Vorhersage der Experten.

Dass sich die Zeiten ändern, musste jüngst bereits das vergleichsweise prominente Startup Knip erleben: Der Onlinemakler fusionierte vor wenigen Monaten überraschend mit dem Vergleichsportal Komparu zur sogenannten Digital Insurance Group. Das Startup aus der Schweiz, das seit einigen Jahren auch auf dem deutschen Markt aktiv war, galt lange als eine der aussichtsreichsten europäischen Versicherungs-Technologiefirmen.

Für den Knip-Gründer Dennis Just war nach der Fusion kein Platz mehr im neuen Unternehmen: Just schied im Zuge der Transaktion aus dem Unternehmen aus – und wechselte wieder auf die andere Seite der Branche. Heute arbeitet er im Direktvertrieb des Erstversicherers Ergo.

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