Versicherer Auf den Barrikaden

Das Modell Private Krankenversicherung steht auf der Kippe, wenn die SPD eine Bürgerversicherung durchsetzt. Entsprechend erbittert ist der Widerstand der Assekuranzen - wie sich auch an der Reaktion der Gothaer zeigt.
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Der Vorstandsvorsitzende der Gothaer Versicherung hat ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr hinter sich. Quelle: PR
Karsten Eichmann

Der Vorstandsvorsitzende der Gothaer Versicherung hat ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr hinter sich.

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KölnDer Verdruss sitzt tief. „Ich sehe keinen Anlass, das deutsche Gesundheitssystem grundsätzlich in Frage zu stellen“, klagt Oliver Schoeller, der für die Krankenversicherung zuständige Konzernvorstand der Gothaer Versicherung am Dienstag am Rande des Jahresgesprächs in Köln. Letztlich habe es den Kunden immer genutzt, wenn in einem System Wettbewerb herrsche. Die Pläne der SPD, eine Bürgerversicherung in Deutschland einzuführen, bringen die Branche in Wallung.

Alle Krankenversicherten sollen demnach künftig automatisch Mitglieder in dem neuen Einheitsmodell werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel erteilte einer Bürgerversicherung zwar bereits eine Absage. Doch die Branche ist sich gewahr, dass solche Positionierungen zum üblichen Geplänkel vor Sondierungsgesprächen gehören.

Die SPD will die PKV zwar nicht auf einen Schlag abschaffen. Sie will aber den derzeit rund 8,7 Millionen Privatversicherten in Deutschland die Möglichkeit eröffnen, in die Bürgerversicherung wechseln zu können – und dabei ihre Rückstellungen mitzunehmen.

Jeder Neuversicherte, etwa Berufseinsteiger, solle dagegen automatisch Mitglied in der neuen Einheitsversicherung sein. Die Konsequenz: Auch immer mehr Gutverdiener, Beamte und Selbstständige würden gesetzlich versichert – und würden der Privaten Krankenkasse damit auf Dauer als Kunden fehlen.

Entsprechend groß ist der Widerstand unter den Assekuranzen und bei vielen Fachleuten. Der frühere Wirtschaftsweise Bert Rürup nannte in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt die Bürgerversicherung einen „verständlichen Wunsch, aber keine realpolitische Option”.

Zudem sei es völlig ungewiss, ob die Mehreinnahmen durch die Überführung von Privatversicherten in die GKV die Mehrausgaben ausgleichen würden. Auch auf der Health-Tagung des Handelsblatts plädierten vor wenigen Tagen Experten und Politiker für den Erhalt der PKV.

So sprach sich der Chef der Monopolkomission, Achim Wambach, dafür aus, bevor man über die Fusion von gesetzlicher (GKV) und PKV verhandelt, sich doch erst einmal um die getrennte Optimierung der beiden Systeme zu kümmern. Handlungsbedarf sahen auch die Vertreter von CDU, SPD, FDP und der Linken. Allerdings will die Union Wambachs Vorschlag nicht folgen, Wechslern das Recht zu geben, ihre Rückstellungen mitnehmen zu dürfen.

Die Mitnahme der Altersrückstellungen ist seit vielen Jahren ein umstrittenes Thema in der Branche. Denn bisher verliert ein Kunde in der Privaten Krankenkasse seine angesparten Altersrückstellungen bei einem Wechsel der Krankenkasse. Überlegungen, dieses zu ändern, konnten sich bisher nicht durchsetzen. Offenbar konnten die Privatversicherer glaubhaft machen, dass die volle „Portabilität“ der Rückstellungen aus diversen Gründen nicht möglich sei. Ohne diese angesparten Rückstellungen erscheint vielen Privatversicherten ein Wechsel jedoch bisher unattraktiv – was viele in ihrer Kasse verharren lässt.

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1 Kommentar zu "Versicherer: Auf den Barrikaden"

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  • Hallo,
    ich bin langjähriges Mitglied, 17 Jahre bei der PKV Gothar,
    meine Beitragssteigerrungen waren jedes Jahr im Schnitt 6 %,
    bei einem durchschnittlichen Tarif ,mit 1600 E Selbstbeteiligung, wohlgemerkt ohne krank zu sein,durch Wechsel in einen schlechteren Tarif wurde der Beitrag etwas reduziert, aber direkt dieses Jahr eine 8 % Steigerung angekündigt ,
    die Behauptung von der PKV zur durchschnittliche Beitragserhöhung ist schlicht weg falsch.
    Wer rechnen kann wird sich dann in 20 Jahren bei ca. 1300 E im Monat wieder finden .
    Ich möchte weder eine Vorzugsbehandlung oder sonst was für Sonderbehandlungen, eine Grundversorgung reicht mir aus ,
    selbst dieser Tarif wird dann wahrscheinlich bei 1200 E liegen.
    Für mich sind diese dauernden Beitragssteigerrungen nicht mehr kalkulierbar und bereiten mir langsam schlaflose Nächte .

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