Versicherer auf Expansionskurs
Das Auslandsgeschäft als Rettungsanker

Vor allem hierzulande ist das Geschäft für Versicherer schwierig. Viele setzen daher auf die Expansion in Schwellenländer. Doch das Auslandsgeschäft ist kein Selbstläufer. Das musste auch Ergo schon schmerzlich erfahren.
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Düsseldorf/Frankfurt/WienDer Versicherer Ergo hält trotz Rückschlägen an seinen Expansionsplänen im Ausland fest, korrigiert aber seine Zielvorgaben. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Ergo im Ausland gut 4,3 Milliarden Euro - rund 21,4 Prozent der gesamten Prämieneinnahmen. Damit liegt der Anteil noch klar unter dem Anfang 2008 von Ergo-Chef Torsten Oletzky ausgegebenen Ziel, 2013 bereits 30 Prozent der Einnahmen im Ausland zu generieren. "Ich denke, wir können in drei bis fünf Jahren im Bestand einen Anteil von 30 Prozent erreichen", sagt nun Jochen Messemer, der im Vorstand der Ergo das internationale Geschäft verantwortet, dem Handelsblatt. "Wichtiger ist mir aber, dass wir substanziell und profitabel zum Neugeschäft beitragen." Im Neugeschäft mache das Ausland bereits 35 bis 40 Prozent aus.

Das Auslandsgeschäft wird für die Versicherer immer wichtiger. Die derzeit niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt machen das Lebensversicherungsgeschäft vor allem hierzulande schwierig, denn die Versicherer finden kaum noch attraktive Anlagen, um die hohen Renditen, die sie ihren Kunden versprochen haben, zu erwirtschaften. Auch die demografische Entwicklung spielt eine wichtige Rolle: "In den nächsten zehn Jahren wird es hierzulande einen massiven Umbruch geben", sagt Christian Muschick, Analyst bei Silvia Quandt Research. "Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente und werden nicht mehr in Policen einzahlen, sondern sie auszahlen lassen." Um weiterhin wachsen oder das bisherige Beitragsvolumen zumindest halten zu können, müssten die Versicherer in den Schwellenländern expandieren.

Ein Selbstläufer aber ist das Auslandsgeschäft nicht. In den vergangenen drei Jahren hat die Munich-Re-Tochter Ergo dort Verluste gemacht. Das lag vor allem an den verlustreichen Töchtern in Portugal, Südkorea und der Türkei. Die beiden portugiesischen Töchter und die südkoreanische Tochter hat Ergo inzwischen verkauft. Bleibt noch die auf Sachversicherung spezialisierte Tochter in der Türkei, die gerade saniert wird. So hat Ergo etwa 40 Prozent aller Kfz-Bestandsverträge gekündigt, weil die Prämien nicht auskömmlich waren.

Im Türkei-Geschäft, immerhin von den Beitragseinnahmen im vergangenen Jahr mit 300 Millionen Euro nach Polen die weltweit zweitgrößte Tochter im Schadensgeschäft, rechnet Messemer in diesem und im kommenden Jahr noch mit Verlusten, dann soll auch diese Tochter Gewinn erwirtschaften. "Damit haben wir dann all unsere Sanierungsfälle gelöst."

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