Versicherer auf Gegenseitigkeit Große Kluft beim Thema Lebensversicherung

Laut einer Studie ist die wirtschaftliche Kluft zwischen den deutschen Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit beim Thema Lebensversicherung beträchtlich. Klassenbester ist die Hannoversche.
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„Kapitalanlage in der Lebensversicherung ist Marathon und nicht Sprint“, sagt Hermann Weinmann vom Institut für Finanzwirtschaft Ludwigshafen. Quelle: dpa
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„Kapitalanlage in der Lebensversicherung ist Marathon und nicht Sprint“, sagt Hermann Weinmann vom Institut für Finanzwirtschaft Ludwigshafen.

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FrankfurtEs ist eine akribische Bestandsaufnahme, die es in sich hat. In einem umfangreichen Bilanz- und Unternehmens-Check hat sich der Versicherungsexperte des Instituts für Finanzwirtschaft der Hochschule Ludwigshafen am Rhein, Hermann Weinmann, die Mühe gemacht, die wirtschaftlichen Kennziffern der größten deutschen Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit im Bereich Lebensversicherung miteinander zu vergleichen.

Das Ergebnis dürfte nicht jedem Topmanager in den Unternehmen schmecken. Während der Report, der am Freitag in der Zeitschrift für Versicherungswesen erschien, die betriebswirtschaftliche Leistung der Hannoverschen als „sehr stark“ lobt, müssen sich andere Unternehmen ein deutlich kritischeres Urteil gefallen lassen. „Ein Verein ist nicht von vorneherein ein guter Lebensversicherer, sondern auf die Unternehmensführung kommt es an“, resümiert Betriebswirtschafts-Professor Weinmann.

2017 bekommen Sie noch mal weniger
Lebensversicherung
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Die schwierigen Zeiten für Kunden von Lebensversicherungen finden kein Ende. Auch im nächsten Jahr bekommen deutsche Sparer für ihr Lieblingsprodukt in Sachen Altersvorsorge geringere Gutschriften als bisher. Nachdem die drei Schwergewichte Allianz, Axa und Ergo ihre laufende Verzinsung für das nächste Jahr bekannt gegeben haben, gilt es als ausgemachte Sache, dass die Kleineren der Branche nachziehen und bis Jahresende ebenfalls gesunkene Renditen für 2017 präsentieren.

Rendite im Abwärtssog
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Die Gesamtrendite der klassischen Lebensversicherung ergibt sich aus mehreren Komponenten. Zum einen aus dem Garantiezins, dessen Höhe bei Abschluss der Versicherung für die gesamte Laufzeit festgelegt wird. Gerade hier mussten Sparer in der andauernden Niedrigzinsdürre Abschläge hinnehmen. Zum anderen aus dem Überschuss, der aus den angelegten Geldern erwirtschaftet wird. Garantiezins und Überschussbeteiligung bilden zusammen die laufende Verzinsung. Hinzu kommen noch Schlussüberschuss, Sockelbetrag und der Anteil an den Bewertungsreserven.

Allianz
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Die beste Verzinsung bietet derzeit die Allianz mit ihren neuaufgelegten Policen. Mit einer laufenden Verzinsung von 2,9 Prozent und 0,8 Prozent aus Schlussüberschuss und Bewertungsreserven ergibt sich eine Gesamtrendite von 3,7 Prozent. Der Trend geht weg von den klassischen Kapitallebensversicherungen. Die neuartigen Policen sind eine Reaktion der Versicherer auf die schwierigen Niedrigzinsen. Sie zeichnen sich durch einen geringeren Garantiezins aus, weisen aber eine höhere Flexibilität auf, was den Spielraum in der Geldanlage geht. Gesichert sind sie durch eine Bestandsgarantie auf die Einlagen. Um Kunden zu locken, versprechen sie eine höhere laufende Verzinsung. Denn die Konzerne wissen: Ohne gewisse Garantien und Sicherheiten wird man deutsche Sparer nicht überzeugen.

R+V
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Wie andere große Lebensversicherer zahlt auch die R+V zahlt ihren Kunden im kommenden Jahr eine geringere Überschussbeteiligung. Die Gesamtverzinsung sinkt 2017 um 0,4 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent. Die laufende Verzinsung liegt dann noch bei 2,7 Prozent und damit wohl immerhin über dem Marktdurchschnitt.

Allianz Klassik
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Auch wenn die Versicherer angesichts der niedrigen Zinsaussichten nicht mehr zu den klassischen Kapitallebensversicherungen raten, sind sie immer noch die beliebteste Vorsorgeklasse. Hier verwaltet Marktführer Allianz ganze zehn Millionen Verträge, was den Münchenern eine Kapitalstärke verschafft, mit der sie die Konkurrenz überbieten können. Von 3,1 Prozent fällt die laufende Verzinsung für 2017 auf 2,8 Prozent. Mit Schlussüberschuss und Sockelbetrag ergibt sich eine Gesamtrendite von 3,4 Prozent für das kommende Jahr.

Axa Leben
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Der weltgrößte Erstversicherer Axa aus Frankreich bietet für seine deutsche Lebensversicherungstochter 3,4 Prozent an Gesamtrendite an. Sie setzt sich aus aus 2,9 Prozent laufender Verzinsung und 0,5 Prozent an Sockelbetrag zusammen. Experten der Ratingagentur Assekurata rechnen nach den neuen Zahlen der großen Versicherer, dass sich das Niveau der laufenden Verzinsung 2017 im Schnitt bei rund 2,6 Prozent einpendeln wird.

Alte Leipziger
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Die Lebensmittelsparte des Versicherungskonzerns Alte Leipziger-Hallesche bietet ihren Besitzern 2017 ein Rendite von insgesamt 3,15 Prozent, von denen 2,65 Prozent die laufende Verzinsung ausmachen. Sparer müssen branchenweit vor allem beim Garantiezins Abstriche hinnehmen. Betrug dieser vor einigen Jahren noch vier Prozent, kommt er aktuell auf 1,25 Prozent und 2017 lediglich 0,9 Prozent.

Etwas Licht und viel Schatten: Die Kluft zwischen den acht untersuchten größten deutschen Versicherungsvereinen im Bereich Lebensversicherung ist laut Untersuchung beträchtlich. Laut dem Report - der die Ertragskraft, die Beteiligung der Verbraucher an den Ergebnissen sowie die finanzielle Stärke der Unternehmen nach einem Punktesystem bemisst - nimmt die Hannoversche eine Spitzenposition ein. Mit einer Verbrauchernote von 1,3 erhält der Versicherer laut Studie das beste Prädikat unter den verglichenen Assekuranzen.

Bei der Verbrauchernote wird neben der finanziellen Stabilität auch die Beteiligung der Kunden am Rohüberschuss berücksichtigt. Am unteren Ende der Tabelle finden sich dagegen dieses Jahr die WWK Leben sowie die Gothaer Leben, die nur ein „ausreichend plus“ beziehungsweise sogar ein „nicht ausreichend“ erhalten. Im Fünf-Jahresvergleich schaffen es beide Anbieter allerdings noch immer zu einem „befriedigend“, wenngleich die Tendenz deutlich nach unten weist.

Versicherungen, die als Verein auf Gegenseitigkeit organisiert sind, haben in Deutschland eine jahrhundertlange Tradition und konnten in den vergangenen Jahren in Deutschland ihre Marktanteile gegenüber den als Aktiengesellschaften strukturierten Assekuranzen ausbauen. So sank der Anteil der gebuchten Bruttobeiträge bei den Aktiengesellschaften von 2007 bis 2016 von 55,3 auf 51,9 Prozent, während die Vereine auf Gegenseitigkeit ihren Anteil in diesem Zeitraum von 33,2 Prozent auf 36,1 Prozent ausbauen konnten, wie aus Zahlen hervorgeht, die die Gothaer Versicherung jüngst vorlegte.

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