Versicherer Belegschaft rebelliert gegen Ergo-Pläne

Der Versicherungsriese überlegt, sich von seiner wenig lukrativen Geschäft mit Lebensversicherungen zu trennen. Doch dabei hat er die Rechnung ohne die Belegschaft gemacht. Die Gewerkschaft kündigt Widerstand an.
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Ergo: Belegschaft rebelliert gegen Pläne des Versicherers Quelle: dpa
Ärger für Ergo

Die Gewerkschaften protestieren schon im Vorfeld gegen den Verkauf der Lebensversicherer.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Munich-Re-Tochter Ergo steuert auf einen massiven Konflikt mit den Arbeitnehmern im Konzern zu. Nach Informationen des Handelsblatts hat am Freitag der Betriebsrat des Ergo Standortes Hamburg im Rahmen einer außerordentlichen Betriebsversammlung Widerstand gegen die Pläne des Vorstandes angekündigt, einen Verkauf der Sparten Ergo Leben und Victoria zu prüfen. 

Jahrzehntelange Finanzbeziehungen mit den Kunden der Ergo dürften nicht „wie ein klappriger Gebrauchtwagen an Hedgefonds oder chinesische Investoren verramscht werden“, kritisierte NAG-Vorstandsvize Tobias Münster vor den Beschäftigten. Das Vorgehen des Managements wurde auf dem internen Treffen wörtlich als „hinterlistig“ bezeichnet, wie Teilnehmer berichteten.

Für Ergo-Boss Markus Riess könnte die erwogene Veräußerung von bis zu sechs Millionen Policen damit zur Kraftprobe werden. Rieß hatte sich vor gut einem Jahr eigentlich entschieden, die Bestände selbst abzuwickeln. Ende September kündigte das Unternehmen jedoch an, mit einem Verkauf der  beiden Töchter Ergo Leben, der früheren Hamburg-Mannheimer, und der Victoria zu liebäugeln. Rund sechs Millionen Policen mit teils hohen Zinsgarantien haben die beiden Anbieter, für die sie offenbar nicht mehr länger geradestehen wollen. Inzwischen habe der Run-off-Markt aber an Fahrt gewonnen, hatte Riess damals als Begründung dem Handelsblatt gesagt. Es gebe aber noch keine Entscheidung, ob der Konzern sich tatsächlich von den Lebensversicherungen trennen wolle.

2017 bekommen Sie noch mal weniger
Lebensversicherung
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Die schwierigen Zeiten für Kunden von Lebensversicherungen finden kein Ende. Auch im nächsten Jahr bekommen deutsche Sparer für ihr Lieblingsprodukt in Sachen Altersvorsorge geringere Gutschriften als bisher. Nachdem die drei Schwergewichte Allianz, Axa und Ergo ihre laufende Verzinsung für das nächste Jahr bekannt gegeben haben, gilt es als ausgemachte Sache, dass die Kleineren der Branche nachziehen und bis Jahresende ebenfalls gesunkene Renditen für 2017 präsentieren.

Rendite im Abwärtssog
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Die Gesamtrendite der klassischen Lebensversicherung ergibt sich aus mehreren Komponenten. Zum einen aus dem Garantiezins, dessen Höhe bei Abschluss der Versicherung für die gesamte Laufzeit festgelegt wird. Gerade hier mussten Sparer in der andauernden Niedrigzinsdürre Abschläge hinnehmen. Zum anderen aus dem Überschuss, der aus den angelegten Geldern erwirtschaftet wird. Garantiezins und Überschussbeteiligung bilden zusammen die laufende Verzinsung. Hinzu kommen noch Schlussüberschuss, Sockelbetrag und der Anteil an den Bewertungsreserven.

Allianz
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Die beste Verzinsung bietet derzeit die Allianz mit ihren neuaufgelegten Policen. Mit einer laufenden Verzinsung von 2,9 Prozent und 0,8 Prozent aus Schlussüberschuss und Bewertungsreserven ergibt sich eine Gesamtrendite von 3,7 Prozent. Der Trend geht weg von den klassischen Kapitallebensversicherungen. Die neuartigen Policen sind eine Reaktion der Versicherer auf die schwierigen Niedrigzinsen. Sie zeichnen sich durch einen geringeren Garantiezins aus, weisen aber eine höhere Flexibilität auf, was den Spielraum in der Geldanlage geht. Gesichert sind sie durch eine Bestandsgarantie auf die Einlagen. Um Kunden zu locken, versprechen sie eine höhere laufende Verzinsung. Denn die Konzerne wissen: Ohne gewisse Garantien und Sicherheiten wird man deutsche Sparer nicht überzeugen.

R+V
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Wie andere große Lebensversicherer zahlt auch die R+V zahlt ihren Kunden im kommenden Jahr eine geringere Überschussbeteiligung. Die Gesamtverzinsung sinkt 2017 um 0,4 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent. Die laufende Verzinsung liegt dann noch bei 2,7 Prozent und damit wohl immerhin über dem Marktdurchschnitt.

Allianz Klassik
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Auch wenn die Versicherer angesichts der niedrigen Zinsaussichten nicht mehr zu den klassischen Kapitallebensversicherungen raten, sind sie immer noch die beliebteste Vorsorgeklasse. Hier verwaltet Marktführer Allianz ganze zehn Millionen Verträge, was den Münchenern eine Kapitalstärke verschafft, mit der sie die Konkurrenz überbieten können. Von 3,1 Prozent fällt die laufende Verzinsung für 2017 auf 2,8 Prozent. Mit Schlussüberschuss und Sockelbetrag ergibt sich eine Gesamtrendite von 3,4 Prozent für das kommende Jahr.

Axa Leben
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Der weltgrößte Erstversicherer Axa aus Frankreich bietet für seine deutsche Lebensversicherungstochter 3,4 Prozent an Gesamtrendite an. Sie setzt sich aus aus 2,9 Prozent laufender Verzinsung und 0,5 Prozent an Sockelbetrag zusammen. Experten der Ratingagentur Assekurata rechnen nach den neuen Zahlen der großen Versicherer, dass sich das Niveau der laufenden Verzinsung 2017 im Schnitt bei rund 2,6 Prozent einpendeln wird.

Alte Leipziger
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Die Lebensmittelsparte des Versicherungskonzerns Alte Leipziger-Hallesche bietet ihren Besitzern 2017 ein Rendite von insgesamt 3,15 Prozent, von denen 2,65 Prozent die laufende Verzinsung ausmachen. Sparer müssen branchenweit vor allem beim Garantiezins Abstriche hinnehmen. Betrug dieser vor einigen Jahren noch vier Prozent, kommt er aktuell auf 1,25 Prozent und 2017 lediglich 0,9 Prozent.

Doch die  Belegschaftsvertreter sind alarmiert. NAG Vorstandsvize Münster kündigte den massiven Widerstand der Belegschaft an. Den Beschäftigten habe man beim erst kürzlich erfolgten Wechsel in die neu gebildeten Organisationseinheiten der Leben Klassik einen Wachstumspfad innerhalb der Ergo versprochen und einen zeitnahen Verkauf ausgeschlossen, mahnte der Gewerkschafter. Nun sei „der Fuchs im Hühnerstall noch vor der Tat ertappt“ worden. Ergo Chef Rieß sehe sich dem massiven Vorwurf fehlender Aufrichtigkeit und gebrochener Versprechen ausgesetzt. „Käme es zum Verkauf, würde das kürzlich geäußerte 'starke Bekenntnis zur Leben Klassik innerhalb der Ergo' den Kapitalinteressen gieriger Finanzjongleure geopfert“, so Münster. Die Belegschaften fühlten sich verraten und verkauft. 

Die beiden Leben-Töchter schreiben bereits heute kein Neugeschäft mehr. Bisher verwaltet die Ergo diese Bestände jedoch selbst. Ergo verkauft neue, meist fondsgebundene Lebensversicherungen nur noch ohne Garantien über eine andere Tochter. Ein kompletter Verkauf galt lange als Tabu. Doch Konkurrenten wie die Arag hatten diesen Schritt zuletzt erfolgreich vorgemacht. Neben Ergo denkt aktuell auch Generali Deutschland über einen solchen Schritt nach.

Die Victoria Leben hatte das Neugeschäft bereits 2010 eingestellt, die aus der Hamburg-Mannheimer hervorgegangene Ergo Leben seit 2016. Sie sitzen aber noch auf großen Altbeständen, für die Ergo zum Teil hohe garantierte Zinsen zahlen muss.

Als potenzielle Interessenten für die Bestände gelten vor allem spezialisierte Abwicklungsplattformen. So ist auf dem deutschen Markt bereits Viridium aktiv, hinter dem der Finanzinvestor Cinven und der Rückversicherer Hannover Rück stecken, sowie die Frankfurter Leben unter der Führung der chinesischen Fosun. Ein weiterer potenzieller Interessent ist der Anbieter Athene aus Wiesbaden. Athene hat mit ihren Investoren wie Apollo kürzlich zwei Milliarden Euro für Übernahmen in Europa eingesammelt.

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