Versicherer: Europäische Aufsicht nimmt Formen an

Versicherer
Europäische Aufsicht nimmt Formen an

Die europäische Versicherungsaufsicht formiert sich. Die neue Behörde namens Eiopa mit Sitz in Frankfurt soll rund 100 Mitarbeiter haben und in den nächsten beiden Jahren auf diese Größe anwachsen. Das sagte der scheidende deutsche Versicherungsaufseher Thomas Steffen heute auf einem Industrieversicherungskongress in München.
  • 0

MÜNCHEN. Thomas Steffen, der beste Aussichten auf den Chefposten der europäischen Versicherungsaufsicht hatte, wechselt allerdings vor dem Start der neuen Behörde ins Bundesfinanzministerium, wo er die Europaabteilung leiten soll. Er hoffe, dass es in den nächsten Wochen die richtigen Personalentscheidungen für die Besetzung des Eiopa-Spitzenamtes geben werde.

Es sei ein transparentes Verfahren geplant. Und man werde rechtzeitig vor dem Jahresende wissen, wer an der Spitze der künftigen europäischen Aufsichtsbehörden stehen werde. „Ich bin überzeugt, dass es sehr gute Kandidaten gibt“. Ob und wieweit Deutschland mit Personalvorschlägen vertreten sein werde, könne er nicht sagen. „Das wird auf der politischen Ebene entschieden.“ Der Vorläuferorganisation Ceiops, hatte Steffen von 2007 bis 2009 vorgestanden. Während Ceiops ein Ausschuss der europäischen Versicherungsaufseher ist, wird Eiopa eine Behörde sein, die Durchgriffsrechte auf international tätige Versicher hat.

Seinen eigenen Jobwechsel ins Bundesfinanzministerium wollte Steffen nicht direkt kommentieren. Er sagte lediglich: : „Industriemanager und Beamte haben mehr gemeinsam als man glaubt. Dort, wo man uns hinstellt, da machen wir unsere Arbeit und verrichten unseren Dienst.“ Und vor allem für Bundesbeamte gelte: Das Bundesgebiet ende nicht an den Grenzen der Bundesstadt Bonn.“ Dort hat die BaFin ihren Hauptsitz, dort ist die Leitung der Finanzaufsicht sowie die Banken- und Versicherungsaufsicht angesiedelt, die Wertpapieraufsicht dagegen in Frankfurt.

Das Bundesfinanzministerium als übergeordnete Behörde der BaFin sucht nun einen neuen nationalen Versicherungsaufseher. Der Job dürfte allerdings nicht mehr so machtvoll sein wie bisher, denn einerseits hat die neue europäische Behörde künftig ein größeres Wörtchen mitzureden, und andererseits will die schwarz-gelbe Bundesregierung die Finanzaufsicht neu organisieren und der Bundes-bank mehr Kompetenzen geben. Das Rennen um die Spitzenämter von BaFin und Eiopa gilt in der Branche noch als offen.

Den Vertretern der Versicherungswirtschaft sowie den Versicherungseinkäufern der Industrie gab Steffen auf dem Münchener Kongress mit auf den Weg: Die neuen Aufsichts- und Eigenkapitalregeln (Solvency II) würden ab Januar 2013 greifen und die Branche verändern. Er sagte zu, auf die Sorgen kleinerer Versicherer einzugehen und der Branche genug Zeit zur Umstellung zu geben. Durch Solvency II soll die Kapitalausstattung der Versicherer besser den Risiken angepasst und deren Steuerung verbessert werden. Der Zeitplan hat sich durch die Finanzmarktkrise verzögert.

Der Deutsche Versicherungsschutzverband (DVS), der die Interessen der Industrieunternehmen vertritt, machte sich auf seinem Kongress Gedanken, ob die Versicherer für neue Risiken ausreichend Schutz bieten. Ein Beispiel war die Vulkanaschewolke über Europa im April, die zu einem Flugverbot über Europa führte. Dadurch wurden Lieferketten unterbrochen. Da aber kein Sachschaden vorlag, war die Assekuranz weitgehend außen vor. Munich-Re-Vorstand Torsten Jeworrek räumte dies ein, stellte aber neue Deckungskonzepte in Aussicht.

Kommentare zu " Versicherer: Europäische Aufsicht nimmt Formen an"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%