Versicherer
Kosten der Katastrophe noch nicht abschätzbar

Das Erdbeben hat Japan schwer getroffen - und damit auch die Versicherer. Wie hoch die Kosten sein könnten, lässt sich noch gar nicht abschätzen. Aber die deutschen Versicherern haben zahlreiche Kunden, um die sie sich bald kümmern müssen.
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München/Zürich/TokioDer Jahresstart für die drei weltgrößten Rückversicherer Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück könnte schlechter nicht sein: Gerade verdauen sie noch die Auswirkungen des Erdbebens in Neuseeland und der Überflutungen in Australien, da hat am Freitag ein Erdstoß der Stärke 8,9 Japan erschüttert und einen Tsunami ausgelöst.

Die deutschen Rückversicherer aus Hannover und München haben etliche Kunden in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt gegen Naturkatastrophen versichert, soviel können Unternehmenssprecher bestätigen. Ein besonders heftiges Erdbeben würde den weltgrößten Rückversicherer Munich Re mit maximal zwei Milliarden Euro treffen. Ein Beben, das in Japan nur ein Mal in 200 Jahren vorkomme, könnte zu einer solchen Belastung führen, sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard bei einer Analystenkonferenz in London.

Im vergangenen Jahr verdiente der Dax-Konzern unter dem Strich rund 2,4 Milliarden Euro und peilt dies auch 2011 sowie 2012 an. Ob das schwere Erdbeben vom Freitag ein solch seltenes Großereignis werde, sei noch unklar. Es sei unmöglich, jetzt schon den Schaden zu schätzen. Der Erdstoß im Nordosten Japans mit einer Stärke von 8,9 hat zu einem zehn Meter hohen Tsunami geführt, der an der Küste Autos, Boote und Häuser mitriss.

Heftig fiel die Reaktion am Freitag an den Börsen aus: International wiesen die Versicherungsaktien im Tagesverlauf die höchsten Verluste aus. Inwieweit sie für die Schäden des jüngsten Erdbebens geradestehen müssen, konnten Sprecher der von Munich Re und Hannover Rück am Freitagmorgen noch nicht sagen. Für Schadenschätzungen sei es noch zu früh. Bei großen Naturkatastrophen dauert es oft Wochen, bis Rückversicherer ihre eigene Belastung einschätzen können.

Munich Re ist der größte, Hannover Rück der drittgrößte Rückversicherer der Welt. Die Aktien der Versicherer gerieten an den Börsen kräftig unter Druck. Die Titel der Hannover Rück verloren ebenso wie die der Munich Re und der Swiss Re zeitweilig mehr als 5 Prozent. Allianz-Aktien büßten im Tagesverlauf 1,91 Prozent ein. Die europäischen Börsen starteten mit klaren Verlusten, auch der deutsche Aktienmarkt weitete seine Verluste aus. In Asien brach die Börse in Tokio als Reaktion auf das schwere Erdbeben ein und zog auch andere Märkte der Region ins Minus. Munich Re (früher Münchener Rück) machen schon die anderen beiden Naturkatastrophen zu Beginn des Jahres zu schaffen.

Die Überflutungen in Australien und das Erdbeben in Neuseeland schlugen nach ersten Schätzungen mit rund 1,5 Milliarden australischen Dollar (rund 1,1 Milliarden Euro) zu Buche. Das sind für Munich Re bereits gut zwei Drittel der Summe, die der Rückversicherer 2010 für Naturkatastrophen aufwenden musste, und schon etwas mehr als ursprünglich für 2011 veranschlagt. Das Gewinnziel von 2,4 Milliarden Euro für 2011 sei nur noch erreichbar, wenn im weiteren Jahresverlauf die Großschäden unterhalb der Erwartungen blieben, teilte Munich Re erst am Donnerstag mit.

Unterdessen wird in Japan befürchtet, dass die Flutwelle nach dem Erdbeben weitere Küsten im Pazifik erreicht und verheerende Zerstörungen anrichtet. Der japanische Finanzminister Yoshihiko Noda signalisierte trotz der hohen Verschuldung des Landes seine Handlungsbereitschaft. Die Bank of Japan (BoJ) sicherte ihre Unterstützung zu. Wie die Notenbank in Tokio mitteilte, will sie alles tun, um die Stabilität der Finanzmärkte zu sichern und Liquidität bereitzustellen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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