Versicherer Sparkassen starten neuen Fusionsversuch bei Provinzial

Die westfälischen Sparkassen starten den nächsten Versuch, die Provinzial Nordwest und Rheinland zu fusionieren.
Update: 14.02.2018 - 16:48 Uhr Kommentieren
Sparkassen treiben Fusion unter Versicherern voran Quelle: AP
Heißluftballon mit Sparkassen-Logo

Träger der Kreissparkasse Köln sind die Landkreise im Speckgürtel der Domstadt.

(Foto: AP)

MünsterNur nicht zu viel Druck ausüben – zumindest nicht öffentlich. Das versucht Liane Buchholz, Präsidentin des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe, derzeit bei einem Thema: dem erneuten Fusionsversuch der beiden öffentlichen Versicherer, der Provinzial Nordwest und der Provinzial Rheinland.

Und so äußerte sich Buchholz bei der Vorlage der Jahreszahlen des Verbands am Mittwoch auch entsprechend vorsichtig: Sie verglich die Fusionsgespräche mit einem noch „zarten Pflänzchen“, das man nicht zerstören wolle. Sie gab sich jedoch zuversichtlich, dass es im Laufe des Jahres Fortschritte geben werde. „Es wird sich in diesem Jahr etwas tun“, sagte Buchholz, die auch den Aufsichtsrat der Provinzial Nordwest leitet.

Die 53-Jährige steht seit Frühjahr vergangenen Jahres an der Spitze des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe. Sie ist Nachfolgerin des langjährigen Sparkassen-Präsidenten Rolf Gerlach. Seit ihrem Amtsantritt ist ein erneuter Fusionsversuch der beiden öffentlichen Versicherer, der Provinzial Nordwest und der Provinzial Rheinland, auf die Tagesordnung gekommen. Es ist der wohl fünfte Anlauf. Vor vier Jahren ist dies an Streitigkeiten über die Rechtsform der neuen Gesellschaft gescheitert.

Im vergangenen Jahr hat das Wertpapiergeschäft den Sparkassen in Westfalen-Lippe im Kampf gegen die Folgen der Niedrigzinsen geholfen. Die Kunden der Institute hätten vor allem Geld in Investmentfonds gesteckt, sodass der Nettoabsatz im Wertpapiergeschäft im Jahresvergleich von 338 auf 891 Millionen Euro gestiegen sei, wie der Verband Westfalen-Lippe am Mittwoch bekannt gab.

Insgesamt ist die Summe, die Privatkunden neu auf Sparkonten, in Wertpapiere, Bausparverträge und Lebensversicherung anlegt haben, um knapp zehn Prozent auf 3,8 Milliarden Euro gestiegen. Das sei ein neues Allzeithoch, sagte Vizepräsident Jürgen Wannhoff. Der Provisionsüberschuss hat um gut fünf Prozent zugelegt und so geholfen, den Rückgang beim Zinsüberschuss zu kompensieren.

Das Jahresergebnis des Sparkassenverbands lag bei 192 Millionen Euro und damit leicht unter dem Vorjahreswert von 199 Millionen Euro. „Niedrigste Zinsen und Regulatorik stellen für die Sparkassen anspruchsvolle Rahmenbedingungen dar“, sagte Verbandspräsidentin Buchholz. Angesichts dieser Rahmenbedingungen hätten sich die Institute gut geschlagen.

Buchholz treibt zudem ein weiteres Langzeitprojekt voran, das sie im Sommer angestoßen hat: den Aufbau einer zentralen regulatorischen Datenfabrik im Sparkassenlager. Die Datenanforderungen der Aufsichtsbehörden sollten künftig nicht mehr die knapp 400 Sparkassen in Deutschland für sich erfüllen. Die Datenfabrik sollte das übernehmen. Allein die Sparkassen in Westfalen-Lippe könnten so 20 Millionen Euro pro Jahr einsparen, betonte Buchholz.

Beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband fiel die Reaktion auf diese Idee im vergangenen Jahr eher verhalten aus. Buchholz verbreitet am Mittwoch allerdings Optimismus. Es gebe durchaus Unterstützung für den Aufbau einer regulatorischen Datenfabrik. „Meine Kollegen teilen die Auffassung, dass dies ein sinnvoller Weg ist“, sagte sie. Es werde aber wohl noch mindestens fünf Jahre dauern, bis es realisiert werden könne, denn man brauche erst eine Einigung mit den Regulierungsbehörden darüber, welche Daten genau die Datenfabrik sammeln und zur Verfügung stellen sollte.

Buchholz wurden auch Ambitionen auf den obersten Verbandsposten nachgesagt – nach dem Abgang von Georg Fahrenschon als Präsident des Sparkassen- und Giroverbands in Berlin. Die Sparkassen-Finanzgruppe hat sich Ende vergangenen Jahres aber auf Helmut Schleweis verständigt.

Für ihre Amtszeit an der Spitze des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe hat sich Buchholz vor allem eines vorgenommen: „Rahmenbedingungen zu schaffen, dass die Sparkassen trotz der Niedrigzinsen weiterhin wachsen können“, so die Verbandspräsidentin. Dafür müssten die Institute ihr Provisionsgeschäft ausbauen und ihre Kosten weiterhin im Griff behalten.

Im vergangenen Jahr lag der Anteil der Kosten an den Einnahmen der Institute in Westfalen-Lippe bei 62,6 Prozent und hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr nicht geändert.

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