Versicherer stufen Kunden nach Fahrleistung ein Swiss Re lässt Chipkarte für Autos patentieren

Die Swiss Re will Tankkarten für Autofahrer zur Erfassung ihrer Fahrleistungen nutzen. Den Plan stellte gestern der Swiss-Re-Schadenspezialist Roland Vogenauer bei einem Pressegespräch in München vor. Das technische Prinzip ist einfach: Die Versicherten geben an der Tankstelle den neuesten Kilometerstand ein. So wird die Fahrleistung des Kunden ebenso dokumentiert wie sein Nutzungsgebiet.

cd MÜNCHEN. „Durch das Chipkartenverfahren werden die Tarife nicht automatisch günstiger. Aber die Tarife werden gerechter und die Quersubventionierung durch andere Kunden fällt weg“, sagte Vogenauer. Seit acht Wochen liegt das Chip-Verfahren bereits beim Europäischen Patentamt. Ein positiver Bescheid wird für das kommende Jahr erwartet. Dann könnte das Verfahren binnen weniger Monate umgesetzt werden. Die Einführungskosten schätzt der Rückversicherer als „sehr gering“ ein, weil auf vorhandene Infrastruktur zurückgegriffen werden könnte.

Die meisten Autoversicherer fragen ihre Kunden nach zahlreichen individuellen Merkmalen, um ihre Risikosituation richtig einstufen zu können. Ein besonders wichtiger Punkt ist dabei die Kilometerleistung. Dabei sind die Gesellschaften aber auf die Angaben der Kunden angewiesen. Heute müssen die rund 125 Autoversicherer in Deutschland daher mit einer hohen Fehlerquote leben. Denn viele Versicherte geben beabsichtigt oder unbeabsichtigt zu niedrige Fahrleistungen an. So zahlen sie eine geringere Prämie. Abhilfe versuchen Versicherer bisher dadurch zu schaffen, dass sie am Ende des Jahres erneut bei den Kunden nachfragen oder bei Unfällen Falschangaben mit Abschlägen auf die Schadenzahlungen bestrafen. Dadurch kommt es aber regelmäßig zu Konflikten zwischen den Versicherern und den Kunden, aber auch zwischen den Versicherern und ihrem eigenen Vertrieb.

Eine genaue Angabe über die Höhe der Fehlerangaben kann der Schweizer Rückversicherer nicht machen. Das Unternehmen verfügt jedoch über eine gute Marktkenntnis, weil es mit 75 der rund 100 größeren Kfz-Erstversicherer in Deutschland zusammenarbeitet. Marktführer in diesem Bereich ist die Münchener Rück.

Weil die Fahrleistung eines der zentralen Merkmale bei der Tarifkalkulation ist, versuchen die Autoversicherer in anderen Ländern schon seit längerem, die Versicherten genauer zu kontrollieren. So gab es in Frankreich den Versuch, verplombte Kilometerzähler in die Autos einzubauen. Dieses Experiment wurde eingestellt. Erfolgreicher sind Versicherer in den USA und Kanada, die die Fahrleistung mit satellitengestützten Systemen erfassen. Nach einer ersten Testphase Ende der 1990er-Jahre ist das System dort weit verbreitet. Mittlerweile hat es auch den Sprung nach Europa geschafft, in Großbritannien läuft eine Testphase. Gleichwohl sieht die Swiss Re deutliche Hindernisse für eine Übertragung dieses Modells nach Deutschland. Die Einführung sei teuer, zudem sprächen Datenschutzaspekte ebenso dagegen. All diese Schwierigkeiten seien bei dem Chipkartensystem nicht gegeben.

Das Autogeschäft ist für die Versicherungsbranche besonders wichtig, weil sie hierüber viele Kundenkontakte bekommt. Auf der anderen Seite ist der Druck auf die Margen in diesem Bereich sehr hoch. Denn im Kfz-Geschäft ist es für den Kunden einfach, Angebote zu vergleichen.

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