Versicherer

Talanx bekommt nach zwölf Jahren neuen Chef

Der Versicherungskonzern und Mdax-Wert Talanx bekommt nach zwölf Jahren einen neuen Vorstandschef. Torsten Leue beerbt Herbert Haas, der neuer Aufsichtsratschef wird – und zwar ohne Abkühlungsphase.
Update: 10.11.2017 - 14:54 Uhr Kommentieren
Talanx ist der drittgrößte deutsche Versicherungskonzern. Quelle: dpa
Versicherungskonzern Talanx

Talanx ist der drittgrößte deutsche Versicherungskonzern.

(Foto: dpa)

FrankfurtHerbert Haas hatte die Frage immer weggewischt. Er sei noch „gesund und munter“ und er beabsichtige, seinen bis Ende 2019 laufenden Vertrag zu erfüllen, beteuerte der 63-Jährige noch im März auf der Jahrespressekonferenz. Doch acht Monate später stellt sich die Situation nun anders da. Weil der bisherige Aufsichtsratschef, der 74-Jährige Dieter Baumgartl, nicht mehr antreten will, macht Haas den Weg für einen Führungswechsel bei Deutschlands drittgrößter Versicherungsgruppe aus Hannover frei.

Ab Mai 2018 wird die Talanx künftig vom 51-Jährigen Torsten Leue geführt, der bisher das Auslandsgeschäft mit Privat- und Firmenkunden führt. Der Schwabe Haas, der Talanx seit 2006 führt und vor fünf Jahren an die Börse gebracht hatte, wechselt zur Hauptversammlung 2018 in den Aufsichtsrat, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte.

Alles neu macht der Mai: Nach den größeren Konkurrenten Allianz und der französischen Axa bekommt damit auch die Talanx, zu der der Rückversicherer Hannover Rück sowie der Industrieversicherer HDI zählen, ein neues Gesicht an der Spitze. Leue war erst 2010 von der Allianz zu Talanx gewechselt und wird damit erst der neunte Vorstandsvorsitzende in der 114-jährigen Geschichte der Gruppe, deren Großaktionär der Versicherungsverein HDI ist. „Wir haben mit der neuen Führung eine ausgewogene Balance zwischen Kontinuität und Zukunftsfähigkeit gefunden“, betonte der scheidende Aufsichsratschef Baumgartl.

Diese Versicherer sind systemrelevant
Aegon
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Insgesamt stuft der Financial Stability Board weltweit neun Versicherer als systemrelevant ein. Weil sich das FSB nicht dazu durchringen kann, auch Rückversicherer auf die Liste setzen, sucht man die Namen von Branchengiganten wie Warren Buffetts Berkshire Hathaway oder Munich Re vergeblich. Das Board führt die Liste ohne spezielle Reihenfolge, dementsprechend sind die Assekuradeure alphabetisch geordnet. Den Anfang macht die niederländische Aegon. 1983 gegründet, verwaltet der Konzern aus Den Haag 477 Milliarden Dollar an Vermögen. (Quelle: Financial Stability Forum)

Allianz
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Die Allianz mit Hauptsitz in München ist der einzige deutsche Versicherungskonzern, den das Financial Stability Board als systemrelevant einstuft. Und das aus gutem Grund: Mit einem verwalteten Vermögen von 928 Milliarden US-Dollar ist der 1890 gegründete Konzern in mehr als 70 Ländern der Welt vertreten – und ist damit der zweitgrößte Versicherer Europas.

AIG
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Die American International Group (AIG) wurde 1919 gegründet, hat ihren Sitz in New York und beschäftigt weltweit rund 66.000 Mitarbeiter. Aktien der AIG notieren an der NYSE in der Wall Street und in Tokio. Die Amerikaner managen 514 Milliarden Dollar.

Aviva
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Gleich mehrere britische Konzerne gelten laut FSB als systemrelevant: Aviva, die bis 2002 noch CGNU hießen, gehören zu den fünf größten Erstversicherern der Welt. Aviva verfügt über ein Gesamtvermögen von 574 Milliarden Dollar und beschäftigt etwa 30.000 Mitarbeiter weltweit.

Axa
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Die Axa-Gruppe mit Sitz in Paris ist mit 166.000 Mitarbeitern in 64 Ländern der Welt vertreten und knackt mit einem Gesamtvermögen von 1022 Milliarden Dollar die Billionen-Schallmauer. Axa hat mehr als 100 Millionen Kunden und gilt als größter Versicherungskonzern der Welt.

MetLife
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Der US-amerikanische Konzern Metropolitan Life Insurance Company, besser bekannt als MetLife, ist der größte Anbieter von Lebensversicherungen in den USA. Das Unternehmen wurde 1868 gegründet und beschäftigt etwa 70.000 Mitarbeiter. Laut aktuellem Quartalbericht kommen die New Yorker auf 952 Milliarden Dollar unter ihren Fittichen.

Ping An Insurance
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Der chinesische Ping An Insurance ist der einzige als systemrelevant erachtete asiatische Versicherer. Ping An wurde 1988 gegründet und ist Hong Kong und Shanghai gelistet. Zu der Holding gehören verschiedene Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Die Chinesen verzeichnen ein erfolgreiches Jahr mit starkem Wachstum, gemanagt werden knapp 690 Milliarden Dollar.

Leue, den Baumgartl und Haas vor sieben Jahren von der Allianz abwarben, setzte sich dem Vernehmen nach gegen Finanzchef Immo Querner (54) und den für das Privatkundengeschäft verantwortlichen Jan Wicke (49) durch. Mit ausschlaggebend war die gute Performance seines Arbeitsfeldes. So ist das Auslandsgeschäft der Wachstumstreiber des Konzerns, der dort vor allem in Lateinamerika und Osteuropa tätig ist. In ihren lateinamerikanischen Kernmärkten Brasilien, Chile und Mexiko will Talanx künftig zu den fünf größten Versicherern gehören – ein Ziel, das Leue als neuer Chef nicht aus den Augen verlieren wird.

Leues alte Position wird künftig von Sven Fokkema übernommen, der derzeit noch für die Talanx International verantwortlich ist. Mit dem 63-jährigen Haas bekommen die Manager eine Aufseher, der den Konzern wie seine Westentasche kennt. Er hat sein ganzes Berufsleben im Konzern verbracht.

Mit dem direkten Wechsel von Haas in den Aufsichtsrat schägt das Mdax-Unternehmen jedoch einen ungewöhnlichen Weg ein. Das Aktiengesetz sieht für solche Wechsel normalerweise eine Pause von zwei Jahren vor. Talanx nutzt jedoch eine Ausnahmeregelung, die es Großaktionären bei einer Zustimmung von mehr als 25 Prozent ermöglicht, davon abzuweichen.

Es ist eine Mehrheit, die sicher scheint, denn der HDI-Versicherungsverein hält 79 Prozent an der Talanx. Auch BMW-Boss Norbert Reithofer war 2015 auf Grundlage dieser Sonderegelung direkt in das Kontrollgremium des Autobauers eingezogen, als er Harald Krüger Platz auf dem Chefsessel machte. Der Wechsel vom Posten des Vorstandschefs an die Spitze des Aufsichtsrats hat bei Talanx Tradition: Schon Baumgartl war Vorgänger von Haas als Vorstandschef – und wechselte nahtlos in das Kontrollgremium.

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