Versicherer und Solvency II
Auf dem Weg in eine neue Welt

Ab 2016 gelten für Versicherer neue Regeln. Sie müssen ihre Investments mit mehr Kapital unterlegen als bisher. In Zeiten niedriger Zinsen heißt das: Sie müssen stärker in alternative Anlagen und Aktien investieren.

FrankfurtFür Versicherer wird sich die Welt vom kommenden Jahr an ein wenig anders drehen. Doch sind die Unternehmen auf die immensen Herausforderungen, auf die sie sich einstellen müssen, nicht gut vorbereitet. Den höheren Kapitalanforderungen nach neuen EU-Vorgaben und Kosten für die Umstellung sehen sich viele bisher nicht gewachsen. Das ergibt eine Umfrage unter 200 Versicherern aus neun Ländern des französischen Vermögensverwalters Natixis Global Asset Management (NGAM).

Im Spannungsfeld strengerer Auflagen und niedriger Kapitalmarktzinsen suchen die Versicherer angestrengt nach akzeptablen Renditen für ihr Vorsorgekapital, ohne ihr Verlustrisiko zu stark erhöhen zu müssen. Das treibt die Geldmanager vor allem in alternative Anlagen, aber auch in Aktien.

Die neuen Kapitalregeln für Versicherer der EU nach der sogenannten Solvency II-Richtlinie sind eine „dynamische Reform“, nicht einfach ein neuer Blick auf die Bilanz, erklärt Fabrice Chemouny, Vertriebschef für institutionelle Kunden bei NGAM. Daher müsse das Risikoprofil der Versicherer neu bemessen werden: Wenn etwa die Kapitalmarktzinsen innerhalb eines Jahres abrupt steigen würden, hätte das massive Folgen für deren Bilanzen und deren Kapital, wie er sagt. Versicherer müssten im Prinzip die Entwicklung der Risiken abschätzen können, meint Chemouny.

Von 2016 an müssen Versicherer ihre Kapitaldecke stärker an den Risiken in ihrer Bilanz ausrichten und damit tendenziell höhere Kapitalrücklagen bilden. Formal gilt allerdings eine Übergangsfrist von 16 Jahren.

Zwei Drittel der befragten Versicherer aus Europa und den USA meinen, nicht genügend darauf vorbereitet zu sein. In den USA und Großbritannien halten sich sogar drei Viertel der pro Land befragten 40 Assekuranzen für nicht gut präpariert, in Deutschland 60 Prozent. Das betrifft die härteren Kapitalauflagen sowie Kosten für strengeres Risikomanagement oder Berichtswesen.

Angesichts der neuen Auflagen und der anhaltend niedrigen Zinsen findet eine große Mehrheit der Befragten es immer schwieriger, ausreichend Rendite zur Finanzierung ihrer Verpflichtungen gegenüber den Versicherten zu erzielen. Als Ausweg wollen die Versicherer deutlich mehr Kapital in sogenannte alternative Anlagen investieren.

Gefragt sind nach Aussage von Natixis-Mann Chemouny vor allem Private Equity, Infrastrukturanlagen und Hedgefonds. Innerhalb der Anlageklasse Anleihen versuchten sie, höhere Renditen mit Hochzinspapieren, Schwellenländerbonds oder Firmen-, Infrastruktur- oder Immobilienkrediten zu erreichen, sagt er. Das gelinge aber nicht, ohne ihr Risikobudget zu erhöhen, mahnt er.

58 Prozent der Versicherer wollen in den kommenden zwölf Monaten alternative Anlagen ausbauen, in Deutschland sogar zwei Drittel. Und knapp die Hälfte plant, mehr Aktien zu kaufen. Den der Anlageklasse der globalen Aktien trauen die Versicherer im kommenden Jahr die höchsten Renditen zu.

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