Versicherer und Startups

Warten auf den Weckruf

Deutsche Versicherer sind zu zögerlich bei Innovationen, sagt eine Studie. Die eigenen Geschäftsmodelle werden kaum auf die neue Konkurrenz durch Startups abgestimmt, warnen Berater. Das könnte sich rächen.
Startup-Unternehmen wie Financefox entwickeln Versicherungs-Apps fürs Smartphone oder Laptop. Quelle: PR
Versicherungsberatung im digitalen Zeitalter

Startup-Unternehmen wie Financefox entwickeln Versicherungs-Apps fürs Smartphone oder Laptop.

(Foto: PR)

FrankfurtSie tragen englisch klingende Namen wie Getsafe oder Financefox, und ihre Gründer haben das Lebensalter von 30 Jahren vielfach noch nicht überschritten: Die jungen Startups der Versicherungsbranche sind angetreten, mit viel Technologie den alteingesessenen Konzernen Konkurrenz zu machen. Deren Marktmacht ist zwar um ein Vielfaches größer als die der Newcomer. Dennoch sollten die Etablierten die Youngster ernster nehmen als bisher, wenn sie nicht den Anschluss verlieren wollen.

Das geht aus einer Studie der Unternehmensberatung ZEB hervor, die dem Handelsblatt exklusiv vorab vorliegt. 

Die deutschen Versicherungsunternehmen fokussieren sich demnach zu stark auf interne Prozesse und zeigen sich zögerlich, wenn es darum geht, Innovationen zu entwickeln, lautet eine der zentralen Erkenntnisse der Studie. „Die Branche muss lernen, wesentlich schneller und konsequenter auf die Bedürfnisse ihrer digital verwöhnten Kunden einzugehen“, warnt Matthias Uebing, verantwortlicher Partner der Beratung für das Versicherungsgeschäft.

Investments, Namen und Kooperationen 2017
ING startet Fintech-Fonds
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Die niederländische Bank ING hat am 25. Oktober bekannt gegeben, dass sie den 300-Millionen-Euro schweren Fonds ING Ventures gestartet hat, um damit in Fintechs zu investieren. Mit Fintechs zu kooperieren und in sie zu investieren gehöre zum Kern ihrer Innovationsstrategie. Weltweit hat die Bank nach eigenen Angaben in den vergangenen drei Jahren bereits 115 strategische Partnerschaften und Investments getätigt.

Deutsche Bank startet Digi-Venture-Fonds
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Die Deutsche Bank beteiligt sich mit knapp 25 Prozent am Fintech Dwins. Es ist das erste Investment des neuen Digi-Venture-Fonds der Privatkundensparte. Der Fonds soll in strategisch interessante Finanztechnologie-Unternehmen investieren und ist aktuell mit einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag ausgestattet. Ab Dezember sollen Deutsche Bank-Kunden den von Dwins entwickelten Finanzplaner „Finanzguru“ exklusiv nutzen können...

N26 will in die USA expandieren
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Die Smartphone-Bank N26 will ab Mitte 2018 in den US-Markt eintreten und Kunden dort ein Girokonto mit Karte, Überweisungen, Barabhebungen sowie einem speziellen Kundenbindungsprogramm anbieten. Nach Angaben des Berliner Finanztechnologie-Start-ups können sich US-amerikanische Kunden ab sofort in eine Warteliste eintragen. „Die USA sind ein spannender Markt für N26, der uns große Möglichkeiten eröffnet“, sagte Gründer und Geschäftsführer Valentin Stalf, der die Pläne am 23. Oktober in Las Vegas vorstellte...

Bux sammelt 10,6 Millionen Euro ein
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Die niederländische Börsen-App Bux hat 10,6 Millionen Euro von einem Investorengremium um den deutschen Fonds Holtzbrinck Ventures eingesammelt. Bux widmet sich einem sehr deutschen Problem: der weit verbreiteten Angst vor Aktien. Gründer Nick Bortot (Foto) will vor allem jungen Leuten die Börse spielerisch näherbringen. Das Amsterdamer Start-up soll bereits 1,2 Millionen Nutzer haben, ein Drittel davon in Deutschland und Österreich...

JP Morgan übernimmt WePay
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JP Morgan hat den Zahlungsdienstleister WePay übernommen. Wie am 18. Oktober bekannt wird, will die größte US-Bank damit wohl rund vier Millionen kleine Unternehmen besser in den hauseigenen Zahlungsverkehr integrieren...

Compeon erhält zwölf Millionen Euro
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Der auf Firmenkunden spezialisierte Kreditvermittler Compeon sammelt zwölf Millionen Euro ein. Wie die Vermittlungsplattform für Unternehmensfinanzierungen am 12. Oktober meldet, stammt das Geld von seinen Altinvestoren. Angeführt wurde die zweite Finanzierungsrunde von Tengelmann Ventures. Beteiligt sind daneben auch btov Partners und Dieter von Holtzbrinck Ventures – letztere gehört zur Verlagsgruppe Handelsblatt. Compeon bezeichnet sich selbst als Marktführer unter den digitalen Plattformen für gewerbliche Finanzierungen und kooperiert mit mehr als 220 Banken, Fördermittelanbietern und Spezialfinanzierern. Gegründet wurde das Fintech von Nico Peters, Frank Wüller und Kai Böringschulte (Foto: von links). Die Plattform ging Mitte 2013 an den Markt.

Element bekommt Bafin-Lizenz
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Das von dem Berliner Company-Builder Finleap gegründete Start-up „Element“ hat für sein Versicherungsgeschäft eine Lizenz von der Finanzaufsichtsbehörde Bafin erhalten. Wie das Fintech am 11. Oktober meldet, gilt die Erlaubnis für Schaden- und Unfallversicherungen, was Sach-, Haftpflicht-, Unfall- und Rechtsschutzversicherungen sowie das Reisegeschäft einschließt. Als möglichen Partner nennt Element neben anderen Start-ups aus der Versicherungsbranche – sogenannten InsurTechs – auch etablierte Marken und Händler sowie klassische Versicherungen und Vermittler. Geschäftsführer Sascha Herwig (links im Bild, mit Wolff Graulich und Henning Groß) war zuletzt Bereichsleiter bei der Nürnberger Versicherung.

Immer mehr junge Finanztechnologie-Startups drängen in das etablierte Geschäft der großen Versicherer – und stoßen zumindest unter einer jüngeren, technikaffinen Kundschaft auf steigendes Interesse. Dieser Trend entgeht den großen Versicherern nicht, doch offensichtlich fällt es der Branche schwerer als gedacht, darauf auch passende Antworten zu finden. „Die deutsche Assekuranz öffnet sich Schritt für Schritt neuen Geschäftsideen und Innovationen“, analysiert Experte Uebing. „Das geschieht aus unserer Sicht jedoch zu langsam.“

So ergab die Studie, dass die deutschen Versicherer mehrheitlich vom Potenzial der Gründer als Innovationstreiber überzeugt sind. 74 Prozent der befragten Unternehmen bewerten den Trend als relevant beziehungsweise sehr relevant. Nur mit den praktischen Konsequenzen tun sich viele Firmen deutlich schwerer. 

So besteht bei der Kenntnis über die neuen Rivalen noch großer Lernbedarf. Fast alle Versicherer kennen laut der Studie die einschlägigen Vergleichsportale und digitalen Makler. Doch was sich sonst an innovativen Geschäftsmodellen auf dem in Bewegung befindlichen Markt so tut, wird in den Firmenzentralen der deutschen Assekuranz bisher nicht systematisch verfolgt. Von zurzeit mehr als 50 Insurtechs in Deutschland – wie sich die jungen Versicherer in Anlehnung an die Fintechs aus der Bankenszene nennen – kennen sie laut der Studie gerade einmal eine Handvoll Unternehmen. 

Solche Ignoranz könnte gefährlich sein. Denn so groß das Interesse der Branche an den neuen Startups ist, so gering fallen bisher die Kenntnisse über die jungen Wilden in der Versicherungsindustrie aus. So gibt nur jeder zweite Versicherer an, den Markt der neuen Finanztechnologiefirmen genauer zu beobachten. 

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