Versicherung Leipziger-Hallesche wettert gegen EU-Vorschriften

Der Versicherungskonzern Hallesche-Leipziger wettert gegen die neuen Vorschriften der europäischen Versicherungsaufsicht. Das Unternehmen aus Oberursel kann sich die Kritik erlauben: Es steht finanziell sehr stabil da.
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Die Leipziger-Hallesche ist eine der ältesten Versicherungen Deutschlands. Quelle: imago/STPP
Alte-Leipziger-Hallesche am Wittenbergplatz in Berlin

Die Leipziger-Hallesche ist eine der ältesten Versicherungen Deutschlands.

(Foto: imago/STPP)

FrankfurtWalter Botermann ist ein Manager, den nicht viel aus der Fassung bringt. Seit acht Jahren leitet der Rheinländer mit der markanten schwarzen Brille mit ruhiger Hand den Versicherungskonzern Leipziger-Hallesche. Doch für den jüngsten Vorstoß der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa findet der Vorstandschef deutliche Worte: „Die Fummelei an den Regeln von Solvency II ist keine vertrauensbildende Maßnahme“, warnte Botermann am Donnerstag am Rande der Vorlage der Bilanzzahlen in Oberursel. Er sei sich nicht sicher, ob die geplante Senkung des Langfristzinses überhaupt auf rechtlich sicherem Boden stehe. „Ich würde es begrüßen, wenn der Branchenverband dagegen vorgeht.“

Die Leipziger-Hallesche stellt sich damit hinter die Kritik des deutschen Branchenverbandes GDV, der ebenfalls mit Skepsis auf die am Mittwoch in Aussicht gestellte Verschärfung der Vorschriften zur Berechnung der Kapitalanforderungen reagierte. „Für diese Kurzatmigkeit besteht keinerlei Veranlassung“, erklärte GDV-Geschäftsführer Axel Wehling. Eine Behörde dürfe sich nicht einfach über die Ergebnisse einer politischen Einigung hinwegsetzen.

Versicherer und Rückversicherer in Europa sollen nach Vorstellungen der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa von 2018 an mit einem geringeren Langfrist-Zinssatz kalkulieren müssen, wenn es um die Unterlegung von Garantien und anderen Verpflichtungen mit Kapital geht.

2017 bekommen Sie noch mal weniger
Lebensversicherung
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Die schwierigen Zeiten für Kunden von Lebensversicherungen finden kein Ende. Auch im nächsten Jahr bekommen deutsche Sparer für ihr Lieblingsprodukt in Sachen Altersvorsorge geringere Gutschriften als bisher. Nachdem die drei Schwergewichte Allianz, Axa und Ergo ihre laufende Verzinsung für das nächste Jahr bekannt gegeben haben, gilt es als ausgemachte Sache, dass die Kleineren der Branche nachziehen und bis Jahresende ebenfalls gesunkene Renditen für 2017 präsentieren.

Rendite im Abwärtssog
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Die Gesamtrendite der klassischen Lebensversicherung ergibt sich aus mehreren Komponenten. Zum einen aus dem Garantiezins, dessen Höhe bei Abschluss der Versicherung für die gesamte Laufzeit festgelegt wird. Gerade hier mussten Sparer in der andauernden Niedrigzinsdürre Abschläge hinnehmen. Zum anderen aus dem Überschuss, der aus den angelegten Geldern erwirtschaftet wird. Garantiezins und Überschussbeteiligung bilden zusammen die laufende Verzinsung. Hinzu kommen noch Schlussüberschuss, Sockelbetrag und der Anteil an den Bewertungsreserven.

Allianz
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Die beste Verzinsung bietet derzeit die Allianz mit ihren neuaufgelegten Policen. Mit einer laufenden Verzinsung von 2,9 Prozent und 0,8 Prozent aus Schlussüberschuss und Bewertungsreserven ergibt sich eine Gesamtrendite von 3,7 Prozent. Der Trend geht weg von den klassischen Kapitallebensversicherungen. Die neuartigen Policen sind eine Reaktion der Versicherer auf die schwierigen Niedrigzinsen. Sie zeichnen sich durch einen geringeren Garantiezins aus, weisen aber eine höhere Flexibilität auf, was den Spielraum in der Geldanlage geht. Gesichert sind sie durch eine Bestandsgarantie auf die Einlagen. Um Kunden zu locken, versprechen sie eine höhere laufende Verzinsung. Denn die Konzerne wissen: Ohne gewisse Garantien und Sicherheiten wird man deutsche Sparer nicht überzeugen.

R+V
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Wie andere große Lebensversicherer zahlt auch die R+V zahlt ihren Kunden im kommenden Jahr eine geringere Überschussbeteiligung. Die Gesamtverzinsung sinkt 2017 um 0,4 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent. Die laufende Verzinsung liegt dann noch bei 2,7 Prozent und damit wohl immerhin über dem Marktdurchschnitt.

Allianz Klassik
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Auch wenn die Versicherer angesichts der niedrigen Zinsaussichten nicht mehr zu den klassischen Kapitallebensversicherungen raten, sind sie immer noch die beliebteste Vorsorgeklasse. Hier verwaltet Marktführer Allianz ganze zehn Millionen Verträge, was den Münchenern eine Kapitalstärke verschafft, mit der sie die Konkurrenz überbieten können. Von 3,1 Prozent fällt die laufende Verzinsung für 2017 auf 2,8 Prozent. Mit Schlussüberschuss und Sockelbetrag ergibt sich eine Gesamtrendite von 3,4 Prozent für das kommende Jahr.

Axa Leben
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Der weltgrößte Erstversicherer Axa aus Frankreich bietet für seine deutsche Lebensversicherungstochter 3,4 Prozent an Gesamtrendite an. Sie setzt sich aus aus 2,9 Prozent laufender Verzinsung und 0,5 Prozent an Sockelbetrag zusammen. Experten der Ratingagentur Assekurata rechnen nach den neuen Zahlen der großen Versicherer, dass sich das Niveau der laufenden Verzinsung 2017 im Schnitt bei rund 2,6 Prozent einpendeln wird.

Alte Leipziger
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Die Lebensmittelsparte des Versicherungskonzerns Alte Leipziger-Hallesche bietet ihren Besitzern 2017 ein Rendite von insgesamt 3,15 Prozent, von denen 2,65 Prozent die laufende Verzinsung ausmachen. Sparer müssen branchenweit vor allem beim Garantiezins Abstriche hinnehmen. Betrug dieser vor einigen Jahren noch vier Prozent, kommt er aktuell auf 1,25 Prozent und 2017 lediglich 0,9 Prozent.

Eine Absenkung des Langfrist-Zinssatzes würde bedeuten, dass die Versicherer etwa für lang laufende Leben- und Rentenversicherungen tendenziell mehr Eigenmittel vorhalten müssen. Das stößt in der Branche auf Widerspruch. Die deutschen Versicherer halten den aktuell vorgeschriebenen Langfrist-Zinssatz für ausreichend. Sie sehen keinen Bedarf für eine Absenkung, da das Solvency-II-Regelwerk bereits heute mit den niedrigsten Zinsen für die Bewertung langfristiger Verbindlichkeiten rechne.

Der Chef der EU-Aufsichtsbehörde Eiopa, Gabriel Bernardino, verteidigt dagegen den Plan. Die Neuregelung schaffe eine „Balance“, die allzu abrupte Änderungen vermeide und es den Unternehmen erlaube, sich an ein verändertes Zinsumfeld anzupassen, ohne den Schutz der Versicherten zu vernachlässigen. Zwar hatte die EU im Jahr 2015 den langfristig risikofreien Zinssatz von „Solvency II“ bereits auf 4,2 Prozent festgelegt, – doch seither hätten sich die Zinserwartungen eben massiv geändert, glaubt die Eiopa, und plädiert deshalb für eine Änderung.

Deren Auswirkungen halten die Aufseher sowieso für gering: Bei einem Praxistest unter 133 Versicherern habe sich gezeigt, dass die sogenannte Solvenzquote – die die finanzielle Widerstandskraft der Unternehmen misst – durch die Änderungen kaum sinke. Auch für die Leipziger-Hallesche würde sich die Solvenzquote durch die Änderung kaum verändern, räumte Versicherungschef Botermann ein.

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