Versicherungen
Die Schutzengel am Filmset

Bei ZDF-Dreharbeiten schoss der Schauspieler Edgar Selge versehentlich einen Kollegen an. Die Produktion musste gestoppt werden. Das wirft den Drehplan durcheinander und kostet. Filmversicherungen übernehmen den Schaden.
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DüsseldorfHotels werden gebucht, Kameras ausgeliehen, Schauspieler unter Vertrag genommen. Schon lange vor Drehbeginn wird das umfangreiche Budget für Filmproduktionen verplant. Wenn etwas schiefgeht, wie jetzt der Unfall bei den Dreharbeiten für einen ZDF-Krimi am Chiemsee, folgt oft ein ganzer Rattenschwanz an Mehrkosten.

Damit die Produzenten und Finanziers der Fernseh- oder Kinofilme nicht auf den Kosten sitzen bleiben, schließen sie eine Filmversicherung ab. Diese gibt es von speziellen Anbietern, wie der Deutschen Filmversicherungsgemeinschaft (DFG). Sie stellt als Assekuradeur, oder Versicherungsvertreter, nach eigenen Angaben rund 40 Prozent aller deutschen Filmpolicen aus. Dahinter stehen die großen Versicherungsunternehmen wie die Allianz zur Schadensdeckung. Die ist auch in den USA Marktführer mit ihrer Tochter Fireman's Fund.

Kommt es zu einem Unfall, müssen Sachverständige wie Bernd Scherer den Hergang prüfen und die Fortsetzung der Dreharbeiten planen. Scherer ist seit mehr als 25 Jahren in der Filmbranche tätig. Er prüft auch den Unfall am ZDF-Set. Nach dpa-Informationen schoss Edgar Selge mit einer Gaspistole aus unmittelbarer Nähe auf seinen Schauspielkollegen, wie im Drehbuch geplant. Dass die Pistole mit einer Platzpatrone geladen war, wohl nicht.

Nach kurzer Behandlung im Krankenhaus konnte der verletzte Schauspieler Max Schmidt aber wieder entlassen werden. Versicherungstechnisch sei das kein großes Problem, sagt der Sachverständige Scherer. „Es wird lediglich ein Nachholpensum von knapp einem Drehtag anfallen.“

Ein verlorener Drehtag kann in Deutschland zusätzliche Kosten von 25.000 Euro bis zu 80.000 Euro bedeuten, je nach Aufwand. In so einem Fall setzt sich der Sachverständige mit dem Produktionsteam zusammen und versucht den Drehplan neu zu organisieren, um den Schaden möglichst gering zu halten. Auch die Produzenten haben in Deutschland eine Schadenminderungspflicht. Die Beine hochlegen und abkassieren, wenn ein Regisseur oder Darsteller erkrankt, können sie nicht.

Wollen sie aber auch nicht. Beide Seiten, Versicherer und Produzenten betonen die gute Zusammenarbeit im Schadensfall. Christian Becker, der mit seiner Produktionsfirma Rat Pack unter anderem Filme wie „Der Wixxer“ ins Kino gebracht hat, bestätigt: „Bei Schadensfällen, der Vermeidung, Behebung und Abwicklung läuft erstaunlicherweise alles Hand in Hand. In der privaten Haftpflicht ist das viel schwieriger.“ Auch von den sehr erfahrenen Sachverständigen könne er als Produzent oft noch dazulernen. Dennoch: nicht alle Risiken lassen sich versichern.

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