Versicherungen
Ein Katastrophenjahr? Die Schadensbilanz der Versicherer

Versicherer kommen trotz Unwetter-Katastrophen finanziell ohne größere Blessuren davon. Dabei hatten zwei Sturmtiefs innerhalb kurzer Zeit extrem hohe Schäden verursacht. Doch viele Häuser waren nicht versichert.
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FrankfurtSie tragen so liebenswerte Namen wie Elvira oder Friederike. Doch auf die gleichnamigen Sturmtiefs ist die Versicherungsbranche dennoch schlecht zu sprechen – sorgten sie doch für Millionenschäden, die auch Spuren in den Kassen der Assekuranzen hinterließen. Die Folgen von Stürmen, Hagel und Starkregen für Häuser und Industriebetriebe kosteten die deutschen Versicherer im zu Ende gehenden Jahr 2016 insgesamt rund zwei Milliarden Euro, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in seiner Schadenbilanz am Mittwoch mitteilte. Das Jahr 2016 wird in die Katastrophenstatistik damit jedoch als ein für Menschen und Versicherungen vergleichsweise glimpflich verlaufenes Jahr eingehen.

Denn trotz der Überschwemmungs-Katastrophen im Süden und Südwesten Deutschlands fällt die Unwetter-Bilanz hierzulande in diesem Jahr schwächer als befürchtet aus. So waren es 2013 mit rund sechs Milliarden noch deutlich mehr gewesen. Insgesamt mussten die Versicherer in den vergangenen Jahren im Schnitt rund 2,4 Milliarden Euro für Schäden aus Naturgefahren bezahlen. Schäden an Autos sind in den Zahlen allerdings noch nicht enthalten. "Mit der Naturgefahrenbilanz können wir insgesamt zufrieden sein", resümierte GDV-Präsident Alexander Erdland.

Dabei waren die Sturmtiefs „Elvira“ und „Friederike“ im Mai und Juni diesen Jahres die bislang teuersten Starkregen-Fälle in Deutschland. Sie verursachten allein an Häusern, Hausrat und Betrieben rund 800 Millionen Euro Schaden. „Noch nie haben Unwetter mit heftigen Regenfällen innerhalb so kurzer Zeit so hohe Schäden verursacht“, sagte Erdland. Vor allem Simbach in Bayern und Braunsbach in Baden-Württemberg waren stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Allerdings fiel die Bilanz der beiden Unwetter glimpflicher aus als gedacht. Anfangs hatte der Verband mit gut einer Milliarde Euro Schaden gerechnet.

Gerade in Simbach am Inn seien viele Häuser nicht gegen Überschwemmungen versichert gewesen, erklärte der GDV. Bundesweit seien es inzwischen 37 Prozent, doppelt so viele wie 2002. Damit fehle aber noch ein umfassender Versicherungsschutz für 11,5 Millionen der 17 Millionen Wohngebäude in Deutschland. Während die Versicherer beteuern, dass sich inzwischen nahezu jedes Haus „problemlos“ gegen Naturgefahren versichern lasse, berichten Hausbesitzer in Risikogebieten von Ablehnungen, teuren Tarifen oder hohen Auflagen.

Nicht nur Hausbesitzer freuen sich deshalb über das Ausbleiben von größeren Katastrophen – sondern auch die Aktionäre der großen Versicherer. So kam der weltgrößte Rückversicherer Munich Re beispielsweise ohne große Lasten durch die Unwetter-Saison und lässt die Investoren hoffen. Nach einem guten dritten Quartal zeigt sich der weltweit größte Rückversicherer Munich Re wieder optimistischer bei den Gewinnaussichten für das Gesamtjahr. „Wir gehen davon aus, dass wir unser Jahresziel von 2,3 Milliarden Euro deutlich übertreffen werden“, sagte Finanzchef Jörg Schneider vor wenigen Wochen.

Das hohe Gewinnziel hatte Munich Re zwar im Mai kassiert. Doch von den angepeilten 2,3 Milliarden Euro hat Munich Re in den ersten neun Monaten bereits 2,1 Milliarden Euro verdient, davon 684 Millionen Euro im dritten Quartal. Der Rückversicherer profitierte davon, dass es zwischen Juli und September unterdurchschnittlich wenig Großschäden gab.

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