Versicherungs-Start-up Knip wegfusioniert

Ein Hoffnungsträger weniger

Das Start-up Knip galt als eine der aussichtsreichsten Versicherungs-Technologiefirmen. Nun haben die Investoren offenbar das Vertrauen verloren: Der Onlinemakler fusioniert überraschend mit dem Vergleichsportal Komparu.
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Angetreten, die Branche zu vereinfachen, wird Knip nun fusioniert.
Versicherungs-Start-up Knip

Angetreten, die Branche zu vereinfachen, wird Knip nun fusioniert.

Dennis Just gab sich gewohnt angriffslustig: „Wir verzeichnen in allen Geschäftsbereichen seit über zwei Jahren ein hohes dreistelliges Wachstum pro Jahr und wollen diese Entwicklung noch beschleunigen“, erklärte der Gründer des Schweizer Online-Versicherungsmaklers Knip noch im Mai, als er auf vermeintlich schwache Download-Zahlen seiner App in Deutschland angesprochen wurde. Doch wenige Wochen später ist klar, dass wichtige Investoren von Knip diese optimistische Weltsicht nicht mehr teilen. Überraschend kündigte das Startup an, mit dem niederländischen Vergleichsportal Komparu zur sogenannten Digital Insurance Group zu fusionieren. Für den Knip-Gründer ist danach kein Platz mehr im neuen Unternehmen: Just werde im Zuge der Transaktion aus dem Unternehmen ausscheiden, heißt es.

Ein Hoffnungsträger weniger: Das Startup aus der Schweiz, das seit einigen Jahren auch auf dem deutschen Markt aktiv war, galt lange als eine der aussichtsreichsten europäischen Versicherungs-Technologiefirmen, auch Insurtechs genannt. Das Unternehmen, das von seinen Investoren im Herbst 2015 rund 15 Millionen Franken Startkapital erhalten hatte, wollte als Online-Makler auf zeitgemäße Weise den Kontakt zum Kunden herstellen und über Smartphone nicht nur die üblichen Hausrats-, Haftpflicht und Rechtsschutzversicherungen vermitteln, sondern für die Kunden auch alle Policen per App verwalten. Doch die Konkurrenz auf diesem Feld ist massiv und die Knip-Investoren, darunter die Finanzinvestoren Orange Growth Capital, Route66, Red Alpine und QED, verloren offensichtlich den Glauben daran, dass Knip in absehbarer Zeit profitabel arbeiten könne.

Der neue Sitz der Digital Insurance Group wird nun Amsterdam sein. Als Nachfolger von Just rückt Ingo Weber an die Spitze der Firma. Er war bis September 2016 Finanzchef beim Vergleichsportal Verivox, das zur ProSiebenSat.1-Gruppe gehört, und zuvor bei Swiss Re und GE Insurance tätig. Man wolle durch die Fusion eine europäische Plattform für das Versicherungsgeschäft schaffen, heißt es in einer Mitteilung. Berlin bleibe ein zentraler Standort, hieß es. In der Schweiz wird dagegen nur noch ein Bruchteil der bisherigen Belegschaft von etwa 70 Mitarbeitern beheimatet sein. Er sei stolz auf die letzten vier Jahre und all die Arbeit, mit der Knip den Versicherungsmarkt transparenter gemacht habe, twitterte Just lediglich zum Abschied.

Welche Zusatztarife sich für Versicherte lohnen
Versicherungssumme 50 Millionen Euro
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Die Deckungssumme auf 50 Millionen Euro zu erhöhen, kostet Singles im Schnitt nur 31, Familien mit Kindern nur 39 Euro mehr im Jahr. Das Vergleichsportal check24.de analysierte die Preise der Tarifmerkmale in der Privathaftpflichtversicherung. Insgesamt wurden 30 Versicherer miteinander verglichen. Die Preisanalyse wurde für einen Single-Tarif und für einen Familien-Tarif berechnet.

Bestleistungsgarantie
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Eine Haftpflichtversicherung mit Bestleistungsgarantie zahlt auch für Haftpflichtschäden, die nicht ausdrücklich mitversichert sind, wenn eine andere Versicherung auf dem deutschen Markt dafür aufkommen würde. Tarife mit dieser Zusatzleistung kosten im Schnitt aller Versicherungen für einen Single 24 Euro mehr im Jahr, verglichen mit einem Basistarif. Von Familien mit Kindern verlangen Versicherungen durchschnittlich 31 Euro mehr.

Geliehene Sachen
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Nur wenige Anbieter übernehmen auch Verlust oder Schaden, die an fremden, zu privaten Zwecken geliehenen Sachen, verursacht wurden. Doch falls der geliehene Fotoapparat im Urlaub geklaut oder die Ski-Ausrüstung kaputt gehen sollte, ist diese Deckungserweiterung eventuell sinnvoll. Für die Zusatzleistung bezahlen Singles jährlich 14 Euro, Familien 19 Euro mehr.

Hobbydrohnen
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Ob im privaten oder gewerblichen Bereich: Drohnen werden immer beliebter. Seit dem Jahr 2005 besteht in Deutschland eine Versicherungspflicht für die unbemannten Flugobjekte. Für Singles kostet die Absicherung sieben Euro zusätzlich – für Familien 14 Euro.

Schlüsselverlust
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Wenn die Schlüssel zum Haus, der Wohnung oder dem Büro verloren gehen, entstehen schnell hohe Kosten. Ein häufiges Missgeschick, gegen das sich Singles für nur sieben Euro mehr im Jahr versichern können. Familien zahlen für den Tarif elf bzw. sieben Euro.

Versicherungssumme 10 Millionen Euro
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Die Absicherung von 10 Millionen Euro kostet nur wenige Euro mehr im Jahr – acht (Single) bzw. neun Euro (Familie). Verbraucherschützer raten dazu, dass für sämtliche Personen,- Sach,- und Vermögensschäden eine Versicherungssumme von mindestens fünf Millionen Euro besteht.

Unbezahlte Hilfeleistung
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Eine unbezahlte Hilfeleistung, der sogenannter Gefälligkeitsdienst, ist zum Beispiel die Mithilfe beim Umzug von Bekannten oder Freunden. Geht versehentlich etwas zu Bruch, besteht rechtlich gesehen keine Pflicht zum Schadensersatz. Um solche Unfälle versichern zu lassen, gibt es einen Zusatztarif für sieben Euro (Single) und neun Euro (Familie).

Schon in den vergangenen Monaten war über Probleme bei Knip spekuliert worden. Das Insurtech-Unternehmen, das im vergangenen Jahr mit einer sogenannten Pokemon-Versicherung einen Marketing-Coup landete, hatte zuletzt mit dem Abgang zahlreicher Führungskräfte sowie stark sinkender Downloadzahlen zu kämpfen. Auch wird der Wettbewerb unter den digitalen Maklern zusehens härter. Neben Knip ist auch das Insurtech Clark auf diesem Feld unterwegs und auch Simplesurance, das von Allianz unterstützt wird, drängte zuletzt in dieses Segment. Zudem will das mächtige Vergleichsportal Check24 angeblich künftig die Insurtechs direkt angreifen.

Knip hatte zuletzt bereits die Beschäftigtenzahl fast halbiert. Nach drei Jahren in der Schweiz und in Deutschland soll Knip etwa 20.000 Kunden gehabt haben – ungefähr das Vierfache wäre nötig gewesen, um die Gewinnschwelle zu überschreiten, heißt es. In der Schweiz wurde die Fusion als „Paukenschlag“ bewertet.

Der beginnende Ausleseprozess unter den Insurtechs hat damit ein erstes, in der Branche prominentes Opfer gefunden. Eine Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman hatte bereits jüngst vorgesagt, dass viele Träume von Insurtech-Gründern in nächster Zeit zerplatzen würden. Denn die Euphorie in der Branche weicht allmählich einem etwas nüchternen Blick. „Auf einige Insurtechs kommen schwierige Zeiten zu“, sagte Dietmar Kottmann, Versicherungsexperte der Unternehmensberatung Oliver Wyman, vor einigen Wochen im Handelsblatt voraus. Es werde sicher zu einem Aufmischen in der Branche kommen. „Einige Insurtechs werden vom Markt verschwinden, andere werden aufgekauft oder gehen mit Konkurrenten zusammen“, lautete bereits Mitte Mai seine Vorhersage – die sich nun bewahrheitet.

Dennoch sollten die alteingesessenen Anbieter nicht frohlocken. „Es wäre grundlegend falsch, wenn die großen Versicherer glaubten, sie könnten sich jetzt zurücklehnen“, warnte Kottmann. Denn die Experten sagen der Branche schon bald eine zweite Welle deutlich besser aufgestellter Start-ups voraus, die mit mehr Expertise an der Führungsrolle der Branchengrößen rütteln würden. Für Schadenfreue in den Top-Etagen der großen Assekuranzen ist deshalb kein Platz: Der Druck auf die traditionellen Versicherer wird durch die Knip-Fusion auch in Zukunft nicht geringer werden.

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