Versicherungskodex Vorsicht, Vertreter – der Versicherungskodex kommt

Die Versicherer geben sich in einem neuen Kodex zehn Verhaltensregeln. Der Verband der Versicherer will damit zeigen, wie ernsthaft die Branche um eine bessere Beratung für die Kunden bemüht ist. Denn das Verhältnis zu den Kunden ist schlecht.
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Der neue Verhaltenskodex soll das Verhältnis zwischen Kunden und Versicherern wieder verbessern. Quelle: dpa

Der neue Verhaltenskodex soll das Verhältnis zwischen Kunden und Versicherern wieder verbessern.

(Foto: dpa)

FRANKFURT. Morgen trifft Bundeskanzlerin Angela Merkel auf die Spitzenmanager der deutschen Versicherungsbranche. Sie spricht auf der Jahrestagung des Verbandes GDV. Darauf ist die Branche stolz, weil das selten vorkommt. Und die Versicherer haben ein Gastgeschenk vorbereitet: einen „Verhaltenskodex für den Vertrieb von Versicherungsprodukten“. Der Verband will damit zeigen, wie ernsthaft die Branche um eine bessere Beratung für die Kunden bemüht ist. Das Programm enthält zehn Punkte und soll von jedem der mehr als 400 GDV-Mitglieder bis heute unterzeichnet werden.

Angela Merkel wird viele schöne Ziele in dem Kodex entdecken. Doch wenn sie genau liest, erfährt sie auch viel über das wahre Leben. Denn wer braucht schon Verhaltensregeln, wenn alles super läuft? Das Handelsblatt nennt die zehn Kodex-Ziele – und erklärt, was sie wirklich bedeuten:

„Klare und verständliche Produkte“

Das heißt übersetzt: Bisher sind viele Versicherungsverträge für den Kunden völlig unverständlich. Die aktuelle Werbung des Versicherers Ergo bringt es auf den Punkt: „Ich will Klartext, keine Klauseln.“ Viele Kunden fühlen sich überfordert mit Versicherungsprodukten, deren Konstruktion sie nicht verstanden haben. So kündigten 2009 Vorsorgesparer Lebensversicherungen im Wert von 13,85 Mrd. Euro, berechnete der GDV – obwohl das oft mit Verlust verbunden ist.

„Beachtung des Kundeninteresses“

Schon dieser einfache Grundsatz wird oft missachtet. Das Verkaufen steht oft an erster Stelle. „Egal, wie nett dein Chef ist, du wirst nach Zahlen bemessen“, beschreibt ein Makler das System. Viele Vorgesetzte übten psychischen Druck auf schlechte Vermittler aus. Kunden wissen das. Versicherungvertreter gilt daher nach einer Umfrage des Instituts Toluna als einer der unbeliebtesten Berufe.

„Bedarfsgerechte Beratung“

Verkäufer locken häufig mit Einsparungen und drehen dem Kunden dann eine Versicherung an, egal, ob der diese braucht oder nicht. Welche Wünsche der Kunde tatsächlich hat, interessiert solche Produktverkäufer oft wenig – entgegen den gesetzlichen Vorgaben. „Die meisten Finanzberater vermitteln komplett am Bedarf der Verbraucher vorbei“, sagt Verbraucherschützer Nils Nauhauser.

„Ordnungsgemäße Dokumentation“

Seit 2008 muss die Branche viel ausführlicher informieren. Doch schon 2009 stellte der Ombudsmann der Versicherungswirtschaft fest: „Die Dokumentation der Beratung im Zusammenhang mit einem Vertragsschluss ist ein ausgesprochener Schwachpunkt.“ Oft würden Vermittler die gesetzlichen Anforderungen nur mangelhaft kennen: „Ein noch so gutes Protokollformblatt nützt nichts, wenn dem Vermittler beim Ausfüllen jedes Verständnis für den Sinn und Zweck der Protokollierung der Beratung fehlt.“ 2010 bekräftigte er die Kritik.

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3 Kommentare zu "Versicherungskodex: Vorsicht, Vertreter – der Versicherungskodex kommt"

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  • insbesondere ist die Ausbildung der Vertreter miserabel, viele verstehen die Produkte selbst nicht, Versicherungsbedingungen werden jährlich umgestrickt und hinzu kommt noch, dass sich manche Vertreter einen Lebensstandart leisten, der sie nötigt, den Kunden teure unnötige Produkte aufzuschwatzen. Viel Show wenig dahinter!

  • ich lach mich schlapp.... solange die Konzerne am Vergütungssystem nichts ändern, sind diese Richtlinien nur heiße Luft. Und da das bisherige System ja für die Versicherer bestens funktioniert und sie dank langer Stornohaftungszeiten der Vermittler bei Kündigungen keinen Schaden nehmen, haben sie sicher kein interesse, hier etwas nachhaltig zu verändern.

  • Dieser Artikel ist wieder mal vollgestopft mit Meinungsmache und keineswegs neutral - oder auch nur als information anzusehen.
    Da werden den Versicherungsaußendienstlern nur die schlechtesten Absichten, kaum Fachwissen und natürlich Abzocke zu Lasten der Kunden unterstellt. Meist von sogenannten Verbraucherschützern, die solchen Vorbetern nachlaufen , wie dem Herrn Meier aus Hamburg, der ein gescheiterter Generalvertreter der Alianz war, und der dann als Verbraucherschützer der Versicherten seinen Lebensunterhalt verdiente.

    Was kundenorient verkaufen , den Verbraucher aufklären (Dokumentation), bedarf ermitteln usw bedeutet, das zeigen die Aüßemdiensterler jeden Tag bei ihren Kunden. Wenn banken und Sparkassen diese Anforderungen nur halb so gut erfüllen würden, hätte es die Finanzskandale der Vergangenheit wahrscheinlich nicht in diesem Maße gegeben.

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