Versicherungskonzern
Ergo kommen Fehler teuer zu stehen

Die Versicherungsgruppe Ergo hat eine Reihe von Vorwürfen untersucht. Nach neuen Zahlen kosten die Korrekturen bei zwei Versicherungsthemen Ergo Millionen. Auch beim Thema Lustreisen gibt es Neuigkeiten.
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DüsseldorfDie Versicherungsgruppe Ergo kommen fehlerhafte oder falsch eingruppierte Verträge aus früheren Jahren im Nachhinein teuer zu stehen. Allein für die rückwirkende Umstellung von Verträgen zur betrieblichen Altersvorsorge auf günstigere Konditionen muss Ergo bis zu 3,4 Millionen Euro aufwenden, wie aus einer aktualisierten Übersicht der Versicherungsgruppe im Internet am Mittwoch hervorgeht. Die Neuberechnung von rund 12.000 Riesterverträgen aus dem Jahr 2005 werden die Gruppe bis zu knapp einer Million Euro kosten. Unterdessen ist nach weiteren Überprüfungen die Internet-Liste, in der Ergo Fehlverhalten bei Belohnungsreisen auflistet, länger geworden.

Im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge stellt Ergo nach einer Prüfung aller seit 2002 abgeschlossenen Policen 23 Gruppenverträge mit Unternehmen für insgesamt knapp 2.200 Arbeitnehmer auf günstigere Konditionen um. Zudem werden knapp 1.300 Einzelverträge auf günstigere Gruppenverträge rückwirkend umgestellt.

Ergo betonte, dass eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bei ihrer Untersuchung keine systematische Fehlberatung festgestellt habe. Betroffen seien jeweils weniger als 0,1 Prozent aller Verträge. Vor anderthalb Jahren wurde der Vorwurf laut, dass die Gruppe zwar günstige Rahmenverträge für Betriebsrenten mit Unternehmen vereinbart habe, Vertreter aber dann Individualverträge mit hohen Provisionen abgeschlossen haben sollen.

Im Bereich Riesterverträge wurden rund 12.000 Verträge ermittelt, bei denen im Jahr 2005 auf den Antragsformularen ein zu niedriger Kostensatz steht. Inwieweit durch den Druckfehler tatsächlich ein Rechtsanspruch auf höhere Leistung entstanden ist, sei juristisch keineswegs eindeutig. Die Verträge würden aber mit dem niedrigeren Kostensatz neu berechnet.

Gut 8.200 Kunden mit einem laufenden Riestervertrag hätten damit Mehransprüche von zusammen gut 774.000 Euro. Für knapp 3.800 Kunden, die ihren Riestervertrag storniert haben oder zu einem anderen Anbieter gewechselt sind, wird mit Nachzahlungen von knapp 207.000 Euro gerechnet. Ergo war zuvor bereits von einem einstelligen Millionenbetrag zu diesem Problem ausgegangen.

Die Liste von Fehlverhalten bei Belohnungsreisen wird unterdessen immer länger. Die Ergo-Gruppe war vor zwei Jahren zunächst durch eine Sex-Party für Top-Vertreter mit 20 Prostituierten in Budapest unter Druck geraten, die 2007 stattfand. Auf ihrer speziellen Internetseite listet Ergo inzwischen insgesamt 15 andere Fälle von Fehlverhalten bei Belohnungsreisen auf, die von einer „unangemessenen Unterkunft“, über eine sexuelle Belästigung und Prostitutions-Dienstleistungen bis hin zu Besuchen von Nachtclubs reichen.

So vermutet die Revision in einem aktuellen, neu eingestellten Bericht, dass zu einer Reise nach Rio de Janeiro 2004 Hotelgebühren für die Mitnahme von Prostituierten auf das Zimmer bei dem Unternehmen verschleiert abgerechnet wurden.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Was haben die Redakteure nur für ein Problem? Meiner Meinung nach haben wir echt größere Probleme in der deutschen Wirtschaft als die Skandälchen bei der ERGO. Ist wohl entweder ein persönlicher Rachefeldzug eines Redakteurs oder ein billiges Mittel um Auflage zu machen. Wird schon fast peinlich.

  • 3,4 Millionen? Na, die kriegt die ERGO schnell wieder rein. Bei mir hat sie schon anfangen - darf ab 01.04. mal eben 70 Euro monatlich mehr an Beitrag für meine KKV zahlen.... Außerdem warte ich bereits 7 (in Worten: SIEBEN) Wochen auf Antwort von denen. Hatte per Mail und sicherheitshalber auch über "Kontakt" auf der DKV-Seite Angebote über andere (preiswertere) Tarife angefordert. Wahrscheinlich ist man dort so mit dem Aufarbeiten von Budapest & Co. sowie der ganzen anderen Fehler beschäftigt, dass man für andere Dinge der Bestandskunden keine Zeit hat. Aber die BaFin ist darüber mittlerweile unterrichtet.....

  • dass die hmi schon lange mit zweifelhaften Methoden gearbeitet hat , ist doch schon lange kein Geheimnis mehr. Allein die Tatsache des Stuckiwesens ist doch auf Befriedigung kurzfristiger-nicht nur-Geldgier aufgebaut.
    ERGO deswegen zum schlechten Versicherer abzustempeln, ist absurd.
    Die Leistungsfähigkeit einer Versicherungsgesellschaft zeigt sich eben nicht im Versprechen bei Vertragsabschluß, sondern im tatsächlichen Handeln im Schadensfall. Und hier kann ich als Versicherungsmakler mit 30Jahren Schaden-Regulier-Erfahrung nur sagen:

    [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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