Versicherungsmarkt
Lloyd's büßt Gewinn ein

Der britische Versicherungsmarkt Lloyd's kämpft mit niedrigen Zinsen und schrumpfenden Gewinnen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, versucht Lloyd's auf anderen Märkten Fuß zu fassen.

LondonNiedrige Zinsen und Preisdruck durch zunehmenden Wettbewerb haben Spuren in der Halbjahresbilanz des britischen Versicherungsmarkts Lloyds’s hinterlassen. Der Vorsteuergewinn für die ersten sechs Monate ist gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 28 Prozent auf 1,16 Milliarden Pfund (umgerechnet 1,63 Milliarden Euro) gefallen, wie Lloyd’s am Donnerstag bekannt gab.

Die Kapitalrendite ist um etwa ein Drittel auf 10,7 Prozent zurückgegangen. Die Schaden-Kosten-Quote, die Auswendungen für Schäden und Verwaltung ins Verhältnis zu den Beitragseinnahmen setzt, verbesserte sich leicht. Sie stieg um gut zwei Prozentpunkte auf 89,5 Prozent.

Lloyd’s ist kein klassisches Versicherungsunternehmen, sondern ein Markt, auf dem die Mitglieder Versicherungsrisiken handeln – zuletzt waren es 96 solcher Syndikate unter dem Lloyd’s-Dach. Um Zugang zu dem traditionsreichen Versicherungsmarkt zu bekommen, haben Konkurrenten aus den USA und Asien in den vergangenen Monaten Lloyd’s-Unternehmen übernommen.

So hat diese Woche der japanische Versicherer Mitsui Sumitomo den Kauf von Amlin für 3,5 Milliarden Pfund (umgerechnet 4,8 Milliarden Euro) vereinbart. Die Japaner zahlen einen Aufschlag von 36 Prozent auf den Amlin-Schlusskurs von Montag. Der Preis entspricht dem 2,4-fachen des Buchwerts. Amlin ist damit unter den Lloyd’s-Syndikaten  das am höchsten bewertete Versicherungsunternehmen.

Analysten erwarten, dass die Konsolidierung in der Branche noch eine Weile anhält. Parallel dazu hat Lloyd’s aber jüngst Everest Re und damit ein weiteres Unternehmen unter sein Dach aufgenommen. „Wir sind vorsichtig, wenn es um neue Syndikate geht und akzeptieren nicht alle“, sagt Lloyd’s-Verwaltungsratschef John Nelson dem Handelsblatt, „aber wir heißen Bewerbungen von potenziellen Einsteigern willkommen, die etwas Neues bieten.“ Dazu gehören etwa Versicherer von Cyber-Risiken, wie Lloyds-Chefin Inga Beale in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters andeutete.

Um das Wachstum anzukurbeln, expandiert Lloyd’s zudem in Schwelländer und hat in diesem Jahr ein Büro in China und in Dubai eröffnet. Als nächstes ist voraussichtlich Malaysia dran. „Wir sehen uns auch Indien und die Türkei, haben aber verstärkt den afrikanischen Markt auf dem Radar“, so Nelson.

Von den jüngsten Turbulenzen in Schwellenländern, ausgelöst durch die schwächelnde Konjunktur in China, werde man sich davon nicht abhalten lassen. „Wir haben eine langfristige Sicht auf die Dinge“, betont Nelson. Und langfristig betrachtet gibt es Experten zufolge in diesen Märkten eine zunehmende Nachfrage nach Versicherungen.

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