Versicherungsvertrieb
Die Chronik der Debeka-Affäre – und die Belege

Vor einem Monat veröffentlichte das Handelsblatt den ersten Bericht über dubiose Geschäftspraktiken der Debeka Versicherung. Seither beschäftigen sich mehrere Behörden mit der Aufarbeitung der Affäre. Eine Zeitleiste.
  • 10

1. November 2013
Im Handelsblatt erscheint der Artikel „Bestechend erfolgreich“. Er beschreibt detailliert die jahrelange Bestechung von Beamten durch Mitarbeiter der Debeka.

2. November 2013
Edgar Wagner, der Landesdatenschutzbeauftragte Rheinland Pfalz, schaltet sich ein. „Möglicherweise haben wir es mit einem doppelten Skandal zu tun“, sagt Wagner. „Zum einen, dass sich öffentlich Bedienstete über Jahrzehnte hinweg für den Bruch des Personalgeheimnisses haben bezahlen lassen; zum anderen, dass Debeka-Mitarbeiter auf unterschiedlichen Ebenen Kontaktdaten erworben, weiterverkauft und zur Vertragsanbahnung eingesetzt haben. Das eine wie das andere wären Straftaten, deren Verfolgung Aufgabe der zuständigen Staatsanwaltschaft ist. Soweit dabei Datenschutzverletzungen vorliegen, werden wir diese selbst aufklären und gegebenenfalls sanktionieren.“

4. November 2013
Die Staatsanwaltschaft Koblenz nimmt auf Veranlassung des Landesdatenschutzbeauftragten Rheinland Pfalz Vorermittlungen in Sachen Debeka auf (Artikel zum Download).

4. November 2013
Debeka meldet sich bei der Aufsichtsbehörde Bafin und bittet um eine externe Überprüfung ihrer Geschäftsprozesse. Außerdem beauftragt Debeka die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zur Unterstützung einer internen Prüfung. Die Arbeiten beginnen noch am selben Tag.

5. November 2013
Das Handelsblatt zeigt, dass Debeka falsche Angaben über die Ausmaße der Bestechung von Beamten gemacht hat (Artikel zum Download). Vorstandschef Uwe Laue sprach von Fehler aus den 1980er und 1990 Jahren. Das Handelsblatt zitiert ein Urteil des Amtsgerichts Tübingen vom 27. Juli 2010. Danach bestach ein Organisationsleiter einer Debeka-Geschäftsstelle jahrelang einen Mitarbeiter des Tübinger Regierungspräsidiums. Der Beamte erhielt Geld, der Debeka-Mitarbeiter Daten von verbeamteten Lehramtsanwärtern. Der Beamte wurde aus dem Staatsdienst entfernt, Debeka aber behielt den Mitarbeiter. Wie das trotz der vermeintlich strengen Verhaltensregeln sein kann, erklärt Debeka auch auf Nachfrage nicht.

Kommentare zu " Versicherungsvertrieb: Die Chronik der Debeka-Affäre – und die Belege"

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  • "22. November 2013
    Die Nebentätigkeit für die Debeka-Versicherung könnte für Tausende Beamte strafrechtliche Konsequenzen haben."

    Wo kommt diese Formulierung her?
    Es geht m.E. nicht um die Nebentätigkeit sondern um die Weitergabe von Geschäftsgeheimnissen gegen Entgelt. In dem Zusammenhang verstehe ich die Formulierung "könnte" nicht.

    Ohnehin habe ich den Eindruck, dass in der ganzen Affäre schon wieder abgelenkt wird.

    Strafbar ist der, der Geschäftsgeheimnisse gegen Entgelt geliefert hat. Ob er in der Personalabteilung tätig war oder nicht, zählt nicht. Auch die übrigen korrupten Beamten sind straffällig und als Bedienstete des Staates mit besonderer Härte zu bestrafen.

    Staatsanwaltschaften und Richter im Besonderen eingeschlossen.

  • @Südtiroler: Ich kann von meinem OL/GL noch sonst jemanden keine Adressen kaufen. Darüber hinaus ist mir keine andere Geschäftsstelle in meinem Umkreis bekannt, die eine solche Vorgehensweise hat. Vielleicht sollten Sie sich an die neu eingerichtete Neutrale Stelle wenden. Denn Die Abläufe in Ihrer Geschäftsstelle sind vom Unternehmen nicht gewünscht und nicht angewiesen.

    Ansonsten ist es auch kaum verwerflich ein komplettes Paket an Versicherungen zu verkaufen. Und bei den Ihnen aufgezählten Versicherungen kann man auch nicht von "überversichert" reden.

  • Gibt's endlich Ergebniss in der Sache, oder nur Luft ... aus Entenhausen???
    Wo ist der Qualitätsjournalismus nur hingekommen???

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