Versicherungswirtschaft Schadenversicherer auf einem schmalen Grat

Die Ertragssäule der Versicherungswirtschaft wankt. Die Kapitalanlagen vieler Schaden- und Unfallversicherer werfen immer weniger ab, gleichzeitig steigen nach Einschätzung von Analysten und Beratern die Schäden und Kosten infolge der internationalen Wirtschaftskrise tendenziell an.
Undatierter Autounfall. Schadens- und Unfallversicherern fällt es immer schwerer, in der Gewinnzone zu bleiben. Quelle: ap

Undatierter Autounfall. Schadens- und Unfallversicherern fällt es immer schwerer, in der Gewinnzone zu bleiben.

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FRANKFURT. Die Schaden- und Unfallversicherer sind nach den Lebensversicherern die zweitwichtigste Sparte der Versicherungswirtschaft. Sie stehen mit 63 Mrd. Euro für rund ein Drittel der Einnahmen. In diesem Jahr rechnet der Branchenverband GDV zwar mit stabilen Prämien, dennoch steigt der Druck auf die Gewinne, wie der ertragsstarke Marktführer Allianz im ersten Quartal einräumen musste.

Die Ratingagentur Fitch beurteilt die Schadensparte schon länger negativ. Diesen Ausblick bestätigte die Agentur am Mittwoch für die nächsten anderthalb Jahre und begründete dies vor allem mit sinkenden Erträgen aus der Kapitalanlage und dem mageren Geschäft mit Autoversicherungen.

Zwar erzielten die Schaden- und Unfallversicherer im vergangenen Jahr insgesamt satte Gewinne, wenn man Schäden und Kosten ins Verhältnis zu den Prämien setzt. Fitch geht von einer Schaden- und Kostenquote (Combined Ratio) von 94 Prozent aus. Doch die Analysten warnen: „Die Kapitalausstattung einzelner Versicherer könnte deutlich zurückgegangen sein – wesentlich getrieben von einem erheblichen Verlust an Bewertungsreserven.“ Ausfälle erwartet die Agentur zwar nicht. Doch „die für Deutschland zurzeit bescheidene versicherungstechnische Ertragslage“ könne von Belang werden, wenn die Krise 2009 erneut niedrige Kapitalerträge bringt. Dann erwartet Fitch, dass „einige Versicherer 2009 nicht nur ein schlechtes versicherungstechnisches Ergebnis ausweisen, sondern einen Verlust aus der normalen Geschäftstätigkeit erleiden könnten, vor allem Versicherer mit sehr hohem Anteil an Kfz-Geschäft.“

Die Beratungsgesellschaft Steria Mummert Consulting bestätigt den Pessimismus. Aufgrund einer Studie über die Auswirkungen der Krise stellt Mummert-Geschäftsführer Christian Schareck fest: „Gerade Gesellschaften, die mit einer Schaden- und Kostenquote um 100 Prozent agieren, sind stark gefährdet, die Gewinnschwelle zu unterschreiten, wenn die Kapitalerträge wegbrechen.“

Fitch schätzt die Nettoverzinsung der Schadenversicherer für 2008 auf 2,0 bis 2,5 Prozent. Das ist wesentlich schlechter als bei den Lebensversicherern. Diese erwirtschafteten aber nur deshalb einen Nettozins von 3,5 Prozent, weil sie Bilanzhilfen im Zuge des § 341b HGB stark nutzten. Analysten schätzen, dass die Nettoverzinsung der Lebensversicherer 2008 durch diesen Effekt etwa ein Prozent zu hoch ausgefallen ist.

Belastend wirkt die Finanzkrise außerdem im Geschäft selbst. In etlichen Sparten der Schadenversicherung stellen Beobachter steigenden Wettbewerbsdruck fest. Die Wohngebäude- und Autoversicherung ist deshalb für sich betrachtet technisch in der Verlustzone. Doch auch das Geschäft mit Gewerbe und Industrie wird enger. So befürchtet der Berater Frank Sommerfeld, Geschäftsführer von EMB, noch weitere Effekte, die für schlechte Zeiten typisch sind: „Es wird mehr Betrugsfälle geben.“ Das sei insbesondere festzustellen, wenn Kunden in Bedrängnis gerieten, fand EMB für den englischen Markt heraus. Im Industriegeschäft führe die Krise dazu, dass weniger Personen Maschinen bedienen. Die Folge: Mehr Fehler, mehr Stress und mehr Schäden.

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