Volks- und Raiffeisenbanken Auf der Suche nach der Strategie

Harte Zeiten für die rund 1 300 deutschen Volks- und Raiffeisenbanken: sinkende Marktanteile, hohe Kosten, eine geringe Eigenkapitalrendite, ein zum Teil defizitäres Privatkundengeschäft und die Konkurrenz aus dem Ausland machen den Instituten zu schaffen. An einer Strategie mit Aussicht auf Erfolg fehlt es den Genossenschaftsbanken bisher.
Bislang fehlt es den Volks- und Raiffeisenbanken nach Meinung von Experten an einer Strategie.

Bislang fehlt es den Volks- und Raiffeisenbanken nach Meinung von Experten an einer Strategie.

sos FRANKFURT. Während ausländische Geldinstitute auf den ohnehin schon hart umkämpften deutschen Markt drängen, fehlt es den Volks- und Raiffeisenbanken bisher an einer Strategie. Visionen, woher künftige Erträge kommen sollen, gebe es kaum, kritisieren Experten.

Zwar bietet eine interne Studie des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) erste Marktorientierung, doch konkrete Konzepte fehlen. „Im Prinzip haben die Volks-und Raiffeisenbanken viele Vorteile wie Marktnähe und die Möglichkeit, über die Auslagerung von Standard-Produkten an Verbundunternehmen Mengenvorteile zu erreichen“, sagt Eric Meyer, Geschäftsführer des Instituts für Genossenschaftswesen der Universität Münster. „Leider nutzen sie sie noch nicht konsequent genug.“ Ähnlich sieht es Arndt Bercher, Genossenschaftsexperte bei der Unternehmensberatung Context Management Consulting: „Es fehlt mitunter an Managementmethoden, Marktpotentiale werden nicht ausgeschöpft, Skaleneffekte nicht genutzt.“

Rund 490 der etwa 1 300 genossenschaftlichen Kreditinstitute müssen sich laut BVR vor allem in den Städten auf einem „von Konkurrenzbanken stark dominierten Markt“ behaupten. Stark sind die Genossen dagegen in mittleren Städten und auf dem Land, vor allem in Süddeutschland. Hier sind die fast 590 vertretenen Institute Marktführer. Sorgenkinder sind die rund 170 Banken in Ostdeutschland.

Die Gegensätze bei Größe und Ertrag bereiten den Genossen zunehmend Probleme: „Der Sektor ist sowohl im deutschen als auch im europäischen Vergleich relativ heterogen, das macht es schwierig, eine gemeinsame Strategie zu finden“, sagt IFG-Mann Meyer. Während sich die Genossen im europäischen Ausland klar positionieren, kämpfen in Deutschland große Banken mit kleinen und alle gemeinsam gegen die Verbundunternehmen oder die Zentralinstitute. „In Holland oder der Schweiz ist die Struktur viel homogener“, sagt Meyer. So richteten sich beispielsweise die Schweizer Genossenschaftsbanken klar als regionale Retail- und Hypothekenanbieter aus, während die österreichischen und niederländischen Institute ihr Heil in der Internationalisierung suchten.

Die holländische Rabobank etwa setzt auf ihr Kerngeschäft als Agrarbank und expandiert damit in die USA, nach China, Indonesien und Tansania. Die österreichischen Raiffeisenbankengruppe erwirtschaftet fast ein Viertel ihrer Gewinne über ihre Tochter Raiffeisen International in Osteuropa.

Nur in Deutschland fehlt der Blick über den Tellerrand. „Es mangelt an Klarheit, wie die deutschen Genossen internationale Ambitionen umsetzen wollen“, sagt Thomas von Lüpke, Analyst der Ratingagentur Fitch. Dennoch sieht er die Kreditgenossen relativ gut positioniert: „Wir haben die Gruppe als stark bewertet, weil sie seit Jahren stabile Ergebnisse erwirtschaftet hat. Wir rechnen damit, dass das so bleibt.“

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