Volks- und Raiffeisenbanken
Aufstand der Genossen

Die Genossenschaftsbanken stöhnen über zu viel Regulierung. Von ihrem Verband fühlen sie sich im Stich gelassen. Nun kommt es zum offenen Streit.

Mehr als 1000 Genossenschaftsbanken gibt es in Deutschland. Viele von ihnen sind sehr klein und stöhnen über die hohe Last der Regulierung. Ständig, so ihre Klage, müssten sie neue Richtlinien erfüllen, neue Kontrollen einführen oder der Aufsicht neue Daten schicken – das treibe die Kosten in die Höhe und treffe kleine Institute über die Maßen.

Der Unmut ist inzwischen so groß, dass innerhalb der Bankengruppe offen über den richtigen Umgang mit dem Thema gestritten wird. Auf der einen Seite steht dabei die Basis, die von ihren obersten Lobbyisten in Berlin mehr Taten fordert – und auf der anderen Seite der Dachverband, der davon wenig hält. Es ist ein interner Streit, der sich gerade öffentlich verschärft hat.

Erst kürzlich hatten 406 Volks- und Raiffeisenbanken in gemeinsamen Briefen an den Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) öffentliche Proteste und sogar den Schulterschluss mit den traditionell härtesten Wettbewerbern, den Sparkassen, gefordert. Die Belastung aus der Regulierung, verstärkt um das Problem niedriger Zinsen, habe – so hieß es da – „mitunter existenzbedrohende Dimensionen erreicht“.

Existenzbedrohend? So schlimm wollte der Verband die Lage nicht sehen. Der BVR winkte ab: Die Sorgen der kleinen Häuser seien berechtigt, öffentliche Aktionen mit den Sparkassen halte man „zum jetzigen Zeitpunkt“ aber „nicht für zielführend“.

Ihre abwehrende Haltung hat der Verbandsführung nun neue Kritik in Form eines weiteren Briefs eingebracht. Wenn mehr als 400 der gut 1000 Genossenschaftsbanken von ihrem Bundesverband Aktivitäten auf politischer und öffentlicher Ebene einforderten, „kann dieser Wunsch nicht mehr ignoriert werden“, heißt es in dem Schreiben von Anfang dieser Woche, das Zeit Online vorliegt.

Die europäische Regulierung stelle das klassische Geschäftsmodell einer Genossenschaftsbank grundsätzlich in Frage, die Interessensvertreter in Berlin seien aufgefordert, sich mit den „existenziellen Fragestellungen grundlegend auseinanderzusetzen“ und verbandsintern „eine demokratische Willensbildung über die erhobenen Forderungen“ herbeizuführen. Erst dann könne die Bankengruppe der Kontrollbürokratie „geschlossen und wirksam begegnen“.

Seite 1:

Aufstand der Genossen

Seite 2:

Demo vor der Verbandszentrale

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%