Volks- und Raiffeisenbanken
Das neue Selbstbewusstsein der Genossen

Die Volks- und Raiffeisenbanken galten einst als Relikte der alten Bundesrepublik. Doch die Kundennähe und die soliden Geschäfte der Institute haben sich in Zeiten der Krise ausgezahlt. Nun aber drohen Gefahren.
  • 4

DüsseldorfBraucht in Zeiten von Online-Banking noch jemand Bankfilialen? Natürlich, meint Ingo Stockhausen. Als sich immer mehr Konkurrenten aus den Gemeinden und Kleinstädten seines Geschäftsgebiets zurückzogen, baute der Vorstandvorsitzende der Volksbank Oberberg das Filialnetz sogar noch aus. Zwischen Radevormwald und Morsbach betreibt sein Institut mittlerweile 29 Filialen. Drei Filialen sind in den vergangenen fünf Jahren dazu gekommen. Die Zahl der Mitarbeiter in den Filialen hat er von 168 auf 205 erhöht.

„Gerade als Genossenschaftsbank ist uns die räumliche Nähe zum Kunden wichtig“, sagt Stockhausen. Eine Nähe, die sich auch finanziell auszahlt: Mit den neuen Filialen und dem Ausbau der bestehenden Filialen hat seine Bank die Kundenzahl um rund zehn Prozent auf 93.000 gesteigert, die verwalteten Kundenvermögen legten sogar um ein Viertel auf 4,5 Milliarden Euro zu. Das Verhältnis der Kosten zu jeden verdienten Euro ist bei seiner Bank besser als im Branchenschnitt. „Unser Angebot wird von den Kunden honoriert“, sagt er.

Nicht nur im Oberbergischen floriert das Geschäft der Genossenschaftsbanken. Bundesweit können die 1.078 Institute, die im Gegensatz zur privaten Konkurrenz in Mitgliederhand sind, starke Zahlen vorlegen. Nach Steuern erwirtschafteten die Genossen im Jahr 2013 einen Überschuss von 2,6 Milliarden Euro – 15,1 Prozent mehr als im Vorjahr. „Die konsequente Form des Wachstumskurses wollen wir fortsetzen“, sagt Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Addiert man die Bilanzsummen kommen die Genossenschaftsbanken auf sagenhafte 763 Milliarden Euro.

„Das Geschäftsmodell der Volks- und Raiffeisenbanken ist vor allem die Solidität“, sagt Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management. In der Krise haben die Genossen von ihrem wichtigsten Kapital profitiert – dem Vertrauen ihrer Mitglieder. Mit 17,7 Millionen ist die Zahl der Mitglieder im abgelaufenen Geschäftsjahr um 364.000 Menschen gestiegen. Während Landesbanken und viele private Konkurrenten ohne Staatshilfe untergegangen wären, haben es die Genossen alleine geschafft.

Besonders im Geschäft mit Privatkunden machen die Genossen Geschäfte, vor allem in der Baufinanzierung. Die Kreditbestände im Privatkundengeschäft sind auf 242 Milliarden Euro angewachsen und damit 4,4 Prozent höher als im Vorjahr. 22,8 Prozent aller privaten Krediten werden damit von den Volks- und Raiffeisenbanken vergeben. Dem gegenüber stehen Kundeneinlagen von 561 Milliarden Euro. Obwohl anhaltende Niedrigzinsen die Marge drücken, erwirtschaften die Volksbanken einen Zinsüberschuss von 16,7 Milliarden Euro, das sind gut zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Man würden auch keine existenzielle Probleme bekommen, wenn die Zinsen noch mehrere Jahre so niedrig blieben, sagt fröhlich. Die Bausparverträge, Versicherungspolice und Investmentfonds der Tochterfirmen Schwäbisch Hall, R+V-Versicherung und Union Investment verkaufen sich blendend.

Auch im Firmengeschäft sind die Genossen führend. Während die private Konkurrenz bei der Kreditvergabe immer vorsichtiger geworden sind, haben sie ihre Marktanteile sogar ausgebaut. Im vergangenen Jahr vergaben die Volks- und Raiffeisenbanken rund vier Prozent mehr Kredite Kredite an Unternehmen und Selbstständige – und das in einem schrumpfenden Markt. Der Marktanteil der Genossenschaftsbanken beträgt mittlerweile 17,2 Prozent. Damit vergeben sie sogar mehr Kredite an Unternehmen als die Großbanken.

Kommentare zu " Volks- und Raiffeisenbanken: Das neue Selbstbewusstsein der Genossen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Richtig, aber die Genossenschaftsbankengruppe hat keinen einzigen Cent Steuergeld erhalten!!! Eben aufgrund des soliden Wirtschaftens und nicht auf Teufel komm raus Gewinnmaximierung betreiben!

  • Den sogenannten "Wohlstand" - denn ja zunehmend nur einige Wenige haben - haben "wir" wohl eher trotz der Banken. Darf ich kurz an 2008 und 100te Mrd. Steuergelder, die für die Bankenrettungen draufgegangen sind, erinnern?

  • Wenn alle Banken so gewirtschaftet hätten, hätten wir nicht den jetzigen Wohlstand den wir haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%