Von Commerzbank bis Raiffeisenbank
Deutsche Banken leiden – und kaum Besserung in Sicht

Die deutschen Großbanken schneiden im internationalen Vergleich schwach ab. Niedrigzinsen beuteln alle Finanzhäuser – und treffen in Deutschland Institute, die schon immer hinter dem Ausland hinterher hinkten.

Wirtschaftlich ein Riese, in der Finanzbranche ein Zwerg - so sehen Analysten Deutschland und seine Banken. Die Deutsche Bank und die Commerzbank fallen beim Blick auf Börsenwert und Renditen im internationalen Vergleich immer weiter zurück. Und bei den Landesbanken verhindern regionale Befindlichkeiten größere Schritte zur Konsolidierung. Doch die Berliner Politik lässt das Thema einfach laufen - und könnte von den Problemen bald eingeholt werden, warnen Branchenexperten. Die Rechnung wird womöglich teuer.

„Wenn es keine Industriepolitik gibt, die den Finanzsektor steuert, dann wird die Branche noch viel schneller und dramatischer schrumpfen als ohnehin schon“, sagt Jan Pieter Krahnen, Bankenprofessor an der Universität Frankfurt, im Gespräch mit Reuters.

Analystin Katharina Barten von der Ratingagentur Moody's findet einen anschaulichen Vergleich: „Die Politiker haben den deutschen Bankensektor immer wie einen Versorger betrachtet“, erklärt sie. So lange Privatkunden günstig an Konten, Firmen problemlos an Kredite gekommen seien und die Wirtschaft am Laufen gehalten hätten, sei alles in Ordnung gewesen. Doch nun offenbaren die Niedrigzinsen, die sich tief in die Bilanzen fressen, den jahrzehntelangen Reformstau. Nachhaltige Geschäftsmodelle werden dringend gesucht.

Wechselprämien und Gratiskonten, mit denen der Wettbewerb um Privatkunden angeheizt wurde, können sich die Banken immer weniger leisten. Auch das üppige Filialnetz streichen sie zusammen. Im vergangenen Jahr wurden 1300 Filialen geschlossen, 34.000 sind noch übrig. „Richtig sparen könnten wir nur, wenn wir uns aus der Fläche zurückziehen würden“, sagt Vorstand Josef Paul von der kleinen Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee. Doch das will Paul vermeiden. Er hat Schlagzeilen gemacht, weil er der erste war, der von reichen Kunden Geld dafür verlangt, wenn sie mehr als 100.000 Euro auf dem Konto bunkern.

Denn die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins auf Null gesenkt und verlangt Strafzinsen von Geldhäusern, die über Nacht Geld bei ihr parken. Das alles lässt die Margen erodieren, in Deutschland ganz besonders, sagt Barten. Dass die ersten Banken sich von der Billigkultur verabschieden und wieder Kontogebühren einführen, ändere am Grundproblem nichts: „Ein Bankensystem, das bei den Margen immer schon schwächer war als andere, steht natürlich besonders unter Druck, eine kritische Marke bei der Rendite zu halten.“

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