Vontobel und der Steuerskandal Die Bank für die Hoeneß-Deals

Für die Schweizer Bank Vontobel war Uli Hoeneß ein Top-Kunde mit großer Bedeutung für die Devisenabteilung. Der FC-Bayern-Präsident handelte am liebsten per Telefon. Sein Betreuer bei der Bank tritt jetzt kürzer.
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FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß bei einem Golfturnier: Die meisten Bankgeschäfte führte der FC-Bayern-Präsident per Telefon. Quelle: dpa - picture-alliance

FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß bei einem Golfturnier: Die meisten Bankgeschäfte führte der FC-Bayern-Präsident per Telefon.

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ZürichDer Fall Hoeneß wird auch am Finanzplatz Schweiz mit Interesse verfolgt. Dabei gerät die Hoeneß Bank Vontobel in den Fokus. Die riesigen Summen, mit denen Hoeneß mit Devisen herumzockte, waren sogar im Vergleich mit der Größe des Devisengeschäfts der Privatbank beachtlich. Auch die Schweizer Finanzaufsicht Finma hat sich den Fall Hoeneß offenbar angeschaut.

Von der Bank Vontobel selbst heißt es zur Causa Hoeneß offiziell nur: Kein Kommentar. Das Schweizer Bankkundengeheimnis lässt Vontobel keine andere Wahl. Im Umfeld des Instituts wird allerdings gegen Hoeneß' Anwälte gewettert. Die erweckten den Eindruck, die Bank habe Zehntausende Dokumente zu Transaktionen erst im Februar dieses Jahres zur Verfügung gestellt. Die Bank habe aber die Unterlagen zeitnah im vergangenen Jahr zur Verfügung gestellt.

Vontobel-Filiale in der Schweiz. Quelle: Imago

Vontobel-Filiale in der Schweiz.

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Hoeneß-Anwälte hatten während des Prozesses gegen Hoeneß in München betont, die Datei zu neuen Steuersünden sei nach und nach vervollständigt und erst kurz vor Prozessbeginn fertiggestellt worden. Noch sei auch nicht geklärt, wie Gewinne im Einzelnen zu besteuern seien. Er lege Wert auf die Feststellung, sagt Anwalt Bernd Groß, dass „Herr Hoeneß nichts dafür kann“, dass nicht alle Angaben steuerrechtlich korrekt gewesen seien. Der Anwalt sagt auch, dass die Schweizer Bank und Hoeneß „wenig Wert auf die Dokumentation“ der Geschäfte gelegt hätten, weil sie ja eben nicht für deutsche Steuerbehörden bestimmt gewesen seien. Am Mittwoch erkannten die Anwälte die Höhe der Steuerschuld von 27,2 Millionen Euro an.

Hinter vorgehaltener Hand können einige Vontobel-Manager dem Trubel sogar etwas Positives abgewinnen. „Wir konnten durch das Konto von Uli Hoeneß unseren Bekanntheitsgrad in Deutschland steigern“, sagte vor einigen Wochen ein Investmentbanker der Bank Vontobel, der namentlich nicht genannt werden möchte. Dies sei praktisch kostenlose Werbung gewesen. „Wer kannte schon vorher den Namen Vontobel in Deutschland?“ Finanzanalysten bezweiflen das: Der Fall sei eine PR, die sich keine Bank wünsche.

Mittlerweile sind viele Details zum Kundenverhältnis Hoeneß-Vontobel bekannt geworden: Hoeneß wurde über Jahre vom ehemaligen Leiter des Devisenhandels Vontobels, Jürg H., betreut. Der Bayern-Boss war damit kein Kunde der Privatkundenbank, sondern des Investmentbankings. Angesichts der riesigen Summen, mit denen Hoeneß spekulierte, genoss er den Status des „semi-professionellen Anlegers“. Sprich, die Bank führte Hoeneß Orders nur aus, eine Beratung erteilte die Bank nicht. In zehn Jahren wickelte er so rund 50.000 Transaktionen ab – am liebsten per Telefon.

„Der Jürg“, wie Hoeneß den Vontobel-Manager nennt, wurde zu einem Freund der Familie. Mittlerweile leitet H. nicht mehr das Devisen-Geschäft bei Vontobel. Dies sei aber keine Strafaktion gewesen, heißt es in Vontobel-Kreisen. H. ist 61 Jahre und wollte einfach kürzer treten. Er habe sich nichts zu schulden kommen lassen.

Hoeneß' Kreditlinien waren „ausreichend besichert“
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  • schade dass der hoenes betreuer zuruecksteckt,man sollte dem das bundesverdienstkreutz anhaengen damit er noch mehr solche dreckigen hochkriminellen steuerratten auffliegen laesst.

  • Tolbiac
    Hoenseß muss froh sein, wenn der das Geld für die Steuernachzahlung, die Hinterziehungszinsen und die Strafe zusammenbringt. Ich rechne grob mit ca. 50 - 60 Mio. Zahlllast. Da er auch heftige Verluste erlitten hat, wird man das so zusammengerechnet haben, dass er alles abgeben muss, was in der Schweiz so herumliegt. Wahrscheinlich ist der ursprüngliche investierte Betrag auch weg.

    Das Gericht kann dann überlegen, ob es sich 1 - 2 Jahre oder länger über die Höhe der Steuer streiten will oder sofort in großzügig geschätzter Höhe abkassiert. Wollen Sie den Spatz in der Hand oder die Taube auf dem Dach? Oben drauf gibt es noch drei Jahre Gefängnis, nach einem Jahr mit offenem Vollzug (Rasenmähen im Grünwalder Stadion) und nach 18 Monaten Freiheit auf Bewährung.

  • Seniorchef Vontobel ist in der Schweiz Kolumnist und bekennender €-Kritiker. Eine mögliche Erklärung.

  • 1- Devisentermingeschäfte - um solche handelt es sich hier offensichtlich - sind gang und gäbe und auch nicht zu beanstanden, sofern konkrete Geschäfte (Forderungen, Warengeschäfte) zugrundeliegen. Sich jedoch abstrakt auf solche Geschäfte einzulassen, noch dazu im hier erwähnten Umfang, trägt alle Merkmale krankhafter Spielsucht. Insoweit sollten die Anwälte auf mildernde Umstände plädieren, und ihren Klienten verpflichten, eine psychiatrische Klinik aufzusuchen. Wie groß muß da der Unverwundbarkeitswahn dank seiner Popularität bereits fortgeschritten sein!

    2- Es gibt kein mathematisches oder empirisches Verfahren, den Trend von Devisenkursen mit einiger Wahrscheinlichkeit vorherzuzsagen. Hier regiert der Zufall, obwohl im Nachhinein meist eine plausible Erklärung zu Verfügung steht.

    3- Soros bezwang seinerzeit die Bank of England mit Devisentermingeschäften. Er hatte jedoch einen Plan, nutzte die Schwäche der BoE, handelte mit dem Markttrend, setzte etwa 1000mal höhere Mittel ein als im vorliegenden Fall, und er hatte Bundesgenossen.

    4- Eine Bank, die ihren Kunden derart gewähren läßt und ausnützt(!), handelt zwar strenggenommen nicht illegal, aber unethisch. Es ist nicht der erste solche Fall im Schweizer Bankbetrieb, der mondahu zur Kenntnis kommt, jedoch der größte bislang. Hier hat das Schweizer Banksystem ein Defizit. Eigentlich sollte die Finma die Banklizenz einschränken oder ganz einziehen, um endlich einmal den Anstoß zu geben zur Selbstreinigung. Anders hat die Schweiz auf diesem Gebiet bald ausgespielt. Die Zeichen stehen ohnehin schon auf Sturm.

  • @SayTheTruth: ich habe nach der bt-wahl aus spass leute befragt. von H4 über beamte bis rentner. Die meisten sagten AFD. Und "alle anderen" schimpften auf die sieger.

    weil man es kurzfristig so brauchte, bekam die fdp mehr als doppelt so viele stimmen in einer wahl. Wo gibts denn sowas. Rein rechnerisch hatten da mehr als alle afd leute die fdp zusätzlich gewählt.

    Noch fragen...

  • €deltaone

    Die Causa Hoeneß zeigt, wie pervers das Welteinkommensprinzip ist. Ich bringe mein in Dtl. versteuertes Geld ins Ausland, spekuliere dort mit Finanzinstrumenten und muss die damit erzielten Gewinne in Dtl. versteuern. Aus meiner Sicht ist das schlicht und einfach abartig. Was ich mit meinem sauer verdienten und in Dtl. versteuerten Geld im Ausland mache ist allein meine Sache und geht die unersättliche Steuerkrake Staat gar nichts an (mir ist bewusst, dass in Dtl. und in einigen anderen Staaten eine andere Position vertreten wird, da man auf eine solch lukrative Steuerquelle nicht verzichten will, mit Gerechtigkeit hat das allerdings wenig zu tun)!

  • Wer kann ein Interesse daran haben Vontobel im Zusamenhang mit den UH-Deals gleich mit abzuwatschen?

    Am besten macht man es so wie jeder Globalplayer: man kauft einen Bankenmantel oder gründet eine selbst eine Bank...

  • Sie haben recht, wenn ich das süffisante Grinsen von "GEZ-WDR Jörg Schönenborn" (Presse-Club) abens am Wahltag schon sehe im GEZ-TV und AfD wie festgenagelt stundenlang bei 4,9 % stagniert und Wahlschein in der Papiertonne oder woanders entsorgt gemeldet werden, dann bin ich sicher in einer Bananen-Republik zu sein.

  • Dieser Beitrag hat genau ein großes Problem: Eine Bank darf (!) bezüglich Steuern aufgrund gesetzlicher Vorgaben keinen Rat im Sinne einer Beratung abgeben, da sie sich hierdurch bei Falschberatung strafbar und schadensersatzpflichtig machen würde. Welche Bank wäre hier denn bitte so blöd und würde sich von einem Kunden trennen und noch haftbar machen?
    Hierzu gibt es immernoch Steuerberater - deshalb haben diese ja wiederrum eine Lizenz.

  • Wenn Hoeneß wirklich der Samariter ist, den er stets vorgibt zu sein, dann sollte er nach Begleichung der Steuerschuld, den gleichen Betrag (besagte € 27 Mio.) nochmals einer wohltätigen Organisation (nicht seiner eigenen Stiftung) zukommen lassen; vielleicht kommt er dann mit einer Gefängnisstrafe von 3 Jahren (ohne Bewährung) davon. Bei guter Führung ist er dann sowieso bald Freigänger.

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