Vorbei mit der „Muppet Show“
Blackrock will Bogen um die Wall Street machen

Die Banken an der New Yorker Wall Street machen mit Kunden wie Blackrock ein gutes Geschäft. Sie kaufen günstig ein und verkaufen teuer weiter. Doch der Chef des Vermögensverwalters hat die Nase voll vom „Muppet“-Dasein.
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New YorkLarry Fink ist sauer. Schon seit langem. Dem mächtigen Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock geht gegen den Strich, dass die Banken der Wall Street ihre abschätzig „Muppets“ genannten Kunden finanziell ausnehmen, wenn es um den Handel mit Wertpapieren oder die Platzierung von Aktien geht. „Sie vereinnahmen einfach den Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs und machen damit luxuriöse Renditen“, wettert Fink. Nun tut er etwas dagegen. Noch in diesem Jahr startet Blackrock seine seit langem erwartete eigene Handelsplattform für Anleihen und andere Wertpapiere.

Dann können Kunden des Fondsgiganten unter Umgehung der Handelsabteilungen der Banken miteinander Geschäfte machen. Und dabei sparen sie Geld. „Wir wollen damit keinen Gewinn machen“, sagte Rob Kapito, der Blackrock mit Fink gemeinsam gründete, zuletzt im Handelsblatt-Interview. Bitter ist das für die Banken, weil der Handel mit Anleihen zu den profitabelsten Teilen des Kapitalmarktgeschäfts gehört.

Das Geschäftsmodell der Wall Street ist seit ihrer Gründung das gleiche und dem eines Gebrauchtwagenhändlers nicht unähnlich. Mit einem Wissensvorsprung kaufen die Banken Anleihen oder Aktien möglichst günstig vom Kunden und kennen im Idealfall schon jemanden, dem sie die Papiere teurer verkaufen können. Doch die Zeiten ändern sich. Kunden wie Blackrock wissen heute selbst sehr genau, was die Anleihen, die sie handeln wollen, wert sind. Der Aufstieg von Blackrock in den vergangenen 15 Jahren hat in erster Linie damit zu tun, dass das legendäre Anleihebewertungssystem „Aladdin“ sich dem vergleichbaren System der Banken als mindestens ebenbürtig erwiesen hat. In der Finanzkrise funktionierte es sogar deutlich besser, so dass sich selbst die US-Regierung von Blackrock statt wie früher von Goldman Sachs beraten ließ.

Hinzu kommt die technische Revolution. War früher allein die handwerkliche Abwicklung einer Transaktion extrem komplex und daher quasi Herrschaftswissen der Banken, kann man dies heute über das Internet automatisieren. Auf der Blackrock-Plattform zum Beispiel können die Kunden unter sich bleiben und die Banken zumindest teilweise außen vor lassen. Noch fehlt der Plattform allerdings die Genehmigung der US-Börsenaufsicht SEC. Nach einigen Testgeschäften wird mit einem Start des Handels im späteren Jahresverlauf gerechnet. Experten rechnen damit, dass zunächst vor allem einfache Papiere dort gehandelt werden. Für komplexe Transaktionen würden Investoren auch in Zukunft Banken als Vermittler nutzen.

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Kleine Anbieter machen den Großen das Geschäft streitig

Kommentare zu " Vorbei mit der „Muppet Show“: Blackrock will Bogen um die Wall Street machen"

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  • Expertenwissen lässt sich dennoch nicht ersetzen - diese Erkenntnis wird sich früher oder später einmal einstellen.

    "EDV-Systeme verarbeiten, womit sie gefüttert werden. Kommt Mist rein, kommt Mist raus."

  • Wie kann Larry Fink nur - schließlich führen die Banken lt. Lloyd Blankfein, Chef von Goldman Sachs, doch nur "Gottes Werk aus"!

    Aber Geschäft ist eben Geschäft. Und so geht auch bei den Banken der Krug eben nur so lange zum Brunnen, bis er bricht. Merke: Alle Übertreibungen rächen sich einmal...

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