Vorläufiger Rückzug
LBBW bleibt ohne Vizechef

Der Vizechef der Landesbank Baden-Württemberg, Michael Horn, muss sich wegen Bilanzfälschung vor Gericht verantworten und lässt ein Amt ruhen. Einen Nachfolger will das Institut vorerst nicht suchen.
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StuttgartWegen der Bilanzfälschungsaffäre bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) lässt Vize-Vorstandschef Michael Horn sein Amt ruhen. Der Aufsichtsrat habe Horn einvernehmlich bis auf weiteres freigestellt, teilte die LBBW am Dienstagabend mit. Einen Nachfolger für den Posten sucht die Bank nicht. Horns Aufgaben werden bis auf weiteres von seinen Vorstandskollegen übernommen, teilte die LBBW am Mittwoch mit.

Horn habe sich zu diesem Schritt vor dem Hintergrund des anstehenden Verfahrens am Landgericht Stuttgart entschlossen, um Schaden von der LBBW abzuwenden. Ein Schuldeingeständnis soll Horns vorläufiger Rückzug aus dem Vorstand demnach auch nicht sein. Der Manager sei weiter überzeugt, „dass die gegen ihn erhobenen Vorwürfe unter tatsächlichen und rechtlichen Gesichtspunkten unbegründet sind“, erklärte die LBBW.

Horn muss sich voraussichtlich von 2014 an mit mehreren ehemaligen Vorständen wegen Bilanzfälschung vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten. Dem gesamten ehemaligen Vorstand unter Leitung des 2009 ausgeschiedenen Bank-Chefs Siegfried Jaschinski wird vorgeworfen, mit falschen Angaben in Bilanzen und im Geschäftsbericht die wahren Risiken der Landesbank verschleiert zu haben.

Die Manager sollen ein Konstrukt aus Tochterfirmen errichtet haben, das Risiken aus der offiziellen Bilanz heraushält. Die Vorwürfe drehen sich um die Geschäftsabschlüsse der Jahre 2005, 2006 und 2008. Die LBBW musste in der Finanzkrise 2009 durch Milliarden-Hilfen ihrer staatlichen Eigentümer vor der Pleite bewahrt werden. So wie die LBBW hatten auch andere Landesbanken wie die HSH Nordbank und die BayernLB riskante Kapitalmarktgeschäfte verfolgt, die Vorstände vor Gericht brachten.

Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, der drohende Prozess sei für Horn eine schwere Belastung. Er war bis zu seiner vorläufigen Auszeit der einzige noch amtierende Vorstand unter den Betroffenen. Der 58-Jährige, der in der Branche einen guten Ruf hatte, war zuletzt für das Sparkassengeschäft zuständig.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hatte schon im November 2012 Anklage erhoben. Die Anklageschrift sei „überdurchschnittlich lang und vermutlich auch kompliziert“, sagte ein Gerichtssprecher seinerzeit. Sie ist nach dpa-Informationen gut 400 Seiten dick. Die Beschuldigten hatten der Anklagebehörde damals vorgeworfen, alte und neue Gesetze durcheinanderzubringen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Vorläufiger Rückzug: LBBW bleibt ohne Vizechef"

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  • Ein interessanter Vorgang und pfiffig die Idee!

    Wie sind denn die anderen Banken mit dem Thema umgegangen? Wie war/ist das denn mit deren Tochterfirmen?

    Tochterfirmen zu gründen ist weder neu noch verboten. Weshalb werden also Tochterfirmen gegründet?

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