Vormarsch von AWD und MLP soll gestoppt werden: Sparkassen nehmen Finanzvertriebe ernst

Vormarsch von AWD und MLP soll gestoppt werden
Sparkassen nehmen Finanzvertriebe ernst

Mit dem Aufbau eines mobilen Vertriebs wollen die Sparkassen auf die Herausforderung durch die unabhängigen Finanzdienstleister reagieren. „AWD und MLP haben es geschafft, zu einer Gefahr für uns zu werden“, sagte der hessisch-thüringische Sparkassenpräsident Gregor Böhmer gestern in Frankfurt. Die Geschicklichkeit der relativ neuen Wettbewerber müsse man anerkennen, so Böhmer.

pk FRANKFURT/M. Deshalb dürften die Mitarbeiter in den Sparkassen in Zukunft nicht auf den Kunden warten, sondern müssten verstärkt zu ihm nach Hause kommen, auch außerhalb der Öffnungszeiten. Nach den Erfolgen beim Kostenabbau in den vergangenen Jahren seien jetzt vermehrte Anstrengungen auf der Vertriebsseite notwendig, um nachhaltige Ertragszuwächse zu erreichen.

Böhmer ging gestern auch auf den geplanten Kauf der Frankfurter Sparkasse (Fraspa) durch die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) ein. Die Übernahme der Fraspa durch die Helaba soll nach den Vorstellungen des Sparkassenpräsidenten ein Einzelfall bleiben. „Wir wollen keine Ballungsraumsparkasse, die als großes Monster ganz Südhessen umfassen würde“, machte Böhmer deutlich. Überlegungen, neben der Fraspa auch die Nassauische Sparkasse, die Taunus-Sparkasse und die Offenbacher Sparkasse unter die Fittiche der Landesbank zu nehmen, werden vor allem der hessischen Landesregierung nachgesagt. Ministerpräsident Roland Koch (CDU) gilt als Befürworter einer starken Regionalbank im Rhein-Main-Gebiet, wo sich die Geschäftsgebiete der öffentlich-rechtlichen Institute teilweise deutlich überschneiden.

Die Sparkassen aus Hessen und Thüringen halten 85 Prozent der Anteile an der Landesbank. Diese führt zurzeit exklusive Kaufverhandlungen mit den Eigentümern der Fraspa, die durch riskante Immobilienfinanzierungen und großzügige Kreditvergaben in Not geraten war.

Die Ertragsentwicklung der 51 Sparkassen im Verbandsgebiet verlief 2004 positiv. Einer rückläufigen Zinsspanne standen höhere Provisionsüberschüsse, sinkende Verwaltungsaufwendungen und eine Entspannung bei den Wertberichtigungen gegenüber. Das Betriebsergebnis vor Bewertung kletterte um 4,9 Prozent auf 1,07 Mrd. Euro, unter dem Strich verblieb ein Jahresgewinn nach Steuern von 203,6 Mill. Euro (plus 116 Prozent). Gemessen an der Durchschnittsbilanzsumme lag das Betriebsergebnis vor Risikovorsorge mit 1,02 Prozent erstmals seit 1998 wieder über der Ein-Prozent-Hürde.

In Hessen konnte das Verhältnis von Kosten und Erträgen auf 63,1 (64,7) Prozent gedrückt werden. Um einen Euro zu verdienen, mussten die Kassen also 63 Cent einsetzen. Als Zielgröße haben sich die Sparkassen einen Wert von 60 Prozent gesetzt. Die Zahl der Mitarbeiter sank um rund 900 auf 26 300 Beschäftigte, die Zahl der Zweigstellen schrumpfte auf 1 766 (1 830).

Helaba und Sparkassen wollen künftig über ein „Neues Verbundkonzept“ besser zusammenarbeiten. Böhmer kündigte für den Verbund, der bei Fitch mit „A+“ bewertet wird, ein zweites Rating durch Moody’s an. Mit diesem besitze man die „notwendigen Reisepässe für die globalen Kapitalmärkte.“

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