Vorstand Christian Sewing Deutsche Bank will Filialabbau bis 2017 durchziehen

Die Deutsche Bank will sich bis Mai mit den Arbeitnehmern auf den Abbau tausender Stellen einigen. Die Zahl der Filialen soll auf 500 sinken. Den zuständigen Vorstand schmerzt der Schritt.
Der Deutsche-Bank-Vorstand leitet das Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden. Seit 2015 ist er Vorstandsmitglied. Quelle: Reuters
Christian Sewing

Der Deutsche-Bank-Vorstand leitet das Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden. Seit 2015 ist er Vorstandsmitglied.

(Foto: Reuters)

Die Deutsche Bank hofft auf einen baldigen Abschluss der Gespräche über den Abbau von tausenden Stellen. Sie will zudem bis zu 220 Filialen in Deutschland schließen. „Ich hoffe, dass wir uns bis Mai mit den Arbeitnehmervertretern einigen“, sagte Christian Sewing, im Vorstand zuständig für Privat- und Firmenkunden, der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Gelingt uns das, wollen wir im dritten Quartal 2016 damit beginnen, Filialen zu schließen.“

Derzeit hat die Deutsche Bank seinen Angaben zufolge 723 Filialen in Deutschland und will die Zahl bis Ende des kommenden Jahres auf „rund 500“ senken. „Wenn mir Stellenabbau nicht mehr wehtut, dann bin ich kein guter Mensch“, sagte Sewing. So habe er etwa Kontakt zu Mitarbeitern, die Angst um ihre Jobs hätten. „Das geht mir nahe“, so Sewing.

Sein Vater habe sich für die 30 Mitarbeiter seiner Druckerei stets verantwortlich gefühlt. „Ich werde nie vergessen, wie er einmal nach Hause kam, als er wegen einer Auftragsflaute seinen Mitarbeitern weniger Weihnachtsgeld zahlte“, so Sewing. „Er rief uns zusammen und sagte: Wir müssen auch verzichten. Deshalb fällt der Urlaub aus. So etwas prägt.“

Rund 4.000 Stellen will die Deutsche Bank in Deutschland abbauen, das Gros davon im Privat- und Firmenkundengeschäft. Trotzdem hofft Sewing, die Betreuung der Kunden zu verbessern. So plane die Bank „mit 150 neuen Beratern für Firmenkunden“. Zudem spreche man mit den Arbeitnehmervertretern gerade darüber, in sieben Städten neue Beratungscenter einzurichten, wo Privatkunden Rat bekämen, „auch wenn die Filialen schon geschlossen haben“, per Telefon, Videoschaltung oder Onlinechat.

In einem Interview mit dem Handelsblatt hatte der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, dass die Deutsche Bank „weitestgehend ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen“ werde. Der Konzernbetriebsrat habe einen Sozialplan ausgehandelt, und die Bank habe angedeutet, dass sie Arbeitszeitverkürzungen zur Sicherung von Arbeitsplätzen positiv sehe.

„Ich habe nicht den Eindruck, dass die Bank zu viele Kundenberater hat“, so Bsirske. „Ich habe auch nicht den Eindruck, dass die betroffenen Bereiche weniger einbringen, als sie kosten. Die Infrastruktur zu verbessern, würde sich hingegen lohnen. Wir als Verdi werden alles daransetzen, den Personalabbau und die Filialschließungen so weit wie möglich zu reduzieren und personelle Maßnahmen nur auf freiwilliger Basis zustande kommen zu lassen.“

Die höchsten Verluste der deutschen Geschichte
Platz 13: Infineon (2008)
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Der Verfall der Halbleiterpreise und der Verkauf der angeschlagenen Tochter Qimonda brachten Infineon in der Wirtschaftskrise 2009 an den Rand der Insolvenz. 2008 verbuchte die einstige Siemens-Tochter ein Minus von 3,1 Milliarden Euro. Die Aktie entwickelte sich zum Penny-Stock und fiel bis auf 39 Cents. Wer damals den Mut hatte, an Infineon zu glauben, wurde reichlich belohnt. Halbleiter von Infineon wurden wieder gebraucht, vor allem in der boomenden Autoindustrie.

Platz 12: Eon (2014)
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Abschreibungen auf Kernkraftwerke und die stark gefallenen Großhandelspreise für Strom führten 2014 bei Eon zu einem Nettoverlust von 3,2 Milliarden Euro. Bis zu diesem Zeitpunkt war das der größte Verlust eines börsennotierten Versorgers in der deutschen Geschichte. Doch 2015 und 2016 setzte Eon – im negativen Sinne – noch einen drauf (weiter hinten im Ranking).

Platz 11: Deutsche Telekom (2001)
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Erstmals nach ihrem Börsengang und dem fulminanten Hype zur Jahrtausendwende präsentierte die Telekom ihren Anlegern 2001 rote Zahlen. Grund für den Verlust in Höhe von 3,45 Milliarden Euro waren Abschreibungen auf die teuer ersteigerten UMTS-Lizenzen und auf die teuer erworbene amerikanische Mobilfunktochter Voicestream. Einige Analysten bezeichneten damals den Verlust als „nicht dramatisch“. Gemessen an späteren Verlusten bei der Telekom war das sogar eine weise Prognose.

Platz 10: Deutsche Bank (2008)
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Nicht nur 2015 (später im Ranking) präsentierte die Deutsche Bank ihren Aktionären einen Milliarden-Fehlbetrag, sondern auch zu Beginn der Finanzkrise im Geschäftsjahr 2008. Grund für den Verlust von 3,9 Milliarden Euro waren Wertberichtigungen auf Anlagegeschäfte vor allem im Immobiliensektor, dem Auslöser der damaligen Krise. Die Aktie stürzte nach ihrem Kurshoch von 102,27 im Jahr 2007 in nur zwei Jahren bis auf 14,63 Euro ab – ein Verlust von 86 Prozent.

Platz 9: Commerzbank (2009)
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Die Finanzkrise riss die zweitgrößte deutsche Bank tief in die roten Zahlen. Wertberichtigungen und Abschreibungen auf Wertpapiere und immense Kosten für die Integration der Dresdner Bank führten 2009 zu einem Verlust von 4,5 Milliarden Euro. Der Dax-Konzern musste vom Staat gestützt werden. Bis heute leidet die Commerzbank unter ihren Fehlentscheidungen und der daraus resultierenden Finanzkrise.

Platz 8: Thyssen-Krupp (2012)
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Auf dem Höhepunkt des Stahlbooms entschloss sich Thyssen-Krupp, künftig noch mehr Stahl zu produzieren. In Brasilien und Alabama baute der Konzern für viel Geld neue Stahlhütten – doch diese waren buchstäblich auf Sand und Matsch gebaut und langfristig auch noch überflüssig, weil nur im Boom viel Stahl gebraucht wird. Die Konsequenz: Nach einem Minus von 1,8 Milliarden Euro im Vorjahr bilanzierte Thyssen-Krupp 2012 ein Minus von 4,7 Milliarden Euro. Darin enthalten war eine Abschreibung auf Steel America. Noch heute ächzt der Konzern unter den Lasten der milliardenschweren Fehlinvestition.

Platz 7: Deutsche Telekom (2012)
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Nach 2001 und 2002 musste die Deutsche Telekom im Jahr 2012 noch einmal ihr amerikanisches Abenteuer teuer bezahlen. Im Oktober gab der Konzern bekannt, dass auf T-Mobile USA (früher Voicestream) 7,4 Milliarden Euro abgeschrieben werden. Grund für diese Hiobsbotschaft war, dass der Wert der US-Tochter inzwischen deutlich geringer eingeschätzt wurde als im Jahr 2000, als die Telekom Voicestream für 50,7 Milliarden Dollar gekauft hatte. Daraus resultierte am Ende des Jahres schließlich ein Gesamtnettoverlust von 5,3 Milliarden Euro. Eigentlich hatte Konzernchef René Obermann die lange Zeit kriselnde US-Tochter verkaufen wollen. Doch der Plan platzte.

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