Vorstandsgehälter
Ein dickes Plus für Sparkassen-Chefs

Direktbanken graben öffentlich-rechtlichen Banken das Wasser ab, das Filialgeschäft bröckelt, nur eins scheint sicher: Die Gehälter von Sparkassen-Vorständen klettern Jahr für Jahr – stärker als die der Angestellten.
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DüsseldorfDie Differenz zwischen den Gehältern der Sparkassen-Vorstände und den Angestellten der Geldhäuser wächst weiter. Das zeigt eine Handelsblatt-Auswertung der Gehälter der nordrhein-westfälischen Sparkassen-Spitzenmanager. Während die Tarifgehälter der Angestellten im Jahr 2013 in zwei Schritten um 2,8 Prozent stiegen, wuchs die durchschnittliche Vergütung der Vorstandschefs im Schnitt um 3,44 Prozent auf 343.000 Euro. Auch 2012 waren die Vorstandsgehälter schneller gewachsen als die der Angestellten.

Nordrhein-Westfalen ist bislang das einzige Bundesland, in dem Sparkassen dazu angehalten sind, die Gehälter ihrer Vorstände zu veröffentlichen. Von den 105 Sparkassen legten für 2013 insgesamt 101 Institute die Zahlen offen. Der Transparenz verweigern sich mittlerweile nur noch die Stadtsparkasse Wuppertal, die Sparkasse Gummersbach-Bergneustadt, die Stadtsparkasse Rheine und die Sparkasse Fröndenberg. Eine umfangreiche Auswertung für das Jahr ist erst jetzt möglich, da viele Institute ihre Jahresberichte erste Monate nach der Erstellung im Bundesanzeiger veröffentlichen.

Die vollständige Analyse der Vorstandsgehälter der NRW-Sparkassen kann als Excel-Datei im Kaufhaus der Weltwirtschaft heruntergeladen werden.

Die Analyse zeigt, dass es bei den Vergütungszuwächsen deutliche Ausreißer gibt. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Siegen, Wilfried Groos, etwa steigerte seine Bezüge 2013 von 388.000 auf 467.000 Euro – ein Zuwachs von 20,3 Prozent. Groos wollte auf Nachfrage des Handelsblatts keine Begründung für den Gehaltssprung geben.

Verantwortlich für die Bezahlung des Vorstandes ist der Verwaltungsrat einer Sparkasse. Der Verwaltungsratsvorsitzende der Sparkasse Siegen, Bürgermeister Steffen Mues, rechtfertigte die Vergütung des Vorstands und seines Vorsitzenden mit dem „Einsatz des einzelnen Vorstandsmitglieds am Markt“.  

Grundlage für die Bemessung der Vorstandsvergütung sei „die Summe aus der Bilanzsumme, dem Kreditvolumen, dem Zehnfachen des Eigenkapitals sowie der Vorsorgereserve und dem Depotbestand der Kundenwertpapiere“. Groos‘ Bezüge orientieren sich laut Mues an den Empfehlungen des Sparkassenverbandes.

Kommentare zu " Vorstandsgehälter: Ein dickes Plus für Sparkassen-Chefs"

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  • Uiiii! Da nimmt aber mal einer gewaltig die armen Banken in Schutz. Ich kann ja verstehen, dass man als "Betroffener" negative Meinung vermeidet. Allerdings sollte die Fürstimmung nicht so unüberlegt ausfallen, wie an Ihrem Beispiel. Welche Leistung meinen Sie? Was verstehen Sie unter "hervorragenden Service"? Natürlich kosten auch Dienstleistungen Geld, keine Frage. Wer bringt hier die Leistung? Der Bankdirektor oder der Angestellte am Schalter? Hier wird eigentlich auf die Unverhältnismäßigkeit innerhalb der Branche hingewiesen. Die prozentualen Erhöhungen sprechen jedenfalls Bände. Damit nicht genug: Es ist auch ersichtlich, dass Erfolglosigkeit honoriert wird - ein Beispiel, welches eigentlich nur aus der Politik bekannt ist. Nichts gegen hohe Gehälter, aber alles hat seine natürlichen Grenzen. Die üppigen Erhöhungen müssen erst einmal erwirtschaftet werden. Hier passiert dies offensichtlich zu Lasten der unteren Hierarchie-Stufen. Ist das für Sie in Ordnung?

  • Vorstandsgehälter in Sparkassen bemessen sich meist an den Bilanzsummen des jeweiligen Unternhmens.
    Es ist klar, dass nach diesem Artikel wieder auf die Finanzbranche mit den üblichen Phrasen "hohe Zinsen", "Abzocker", ... etc eingeprügelt wird. Ich selbst bei weit davon entfernt, Vorstand zu sein. Allerdings verdient jeder Geschäftsführer einer vergleichbar großen privaten Firma mehr als ein Sparkassenvorstand.
    Und hier von gierigen Gebühren zu sprechen zeigt nur, wie unwissend der Autor ist. Schauen Sie sich einmal die Leistung und den hervorragenden Service an, die Sie dafür bekommen. Vergleichen Sie das mit anderen Branchen und sagen Sie mir mal bitte, ob das Unternehmen für das Sie arbeiten, keine Gebühren / Preise etc erhebt. Ich denke, Sie arbeiten unentgeltlich - stimmt`s?

  • Laut diesem Bericht haben 4 Sparkassen nicht die Gehälter
    ihrer Vorstände veröffentlicht. Darunter wohl auch die
    Sparkasse in Wuppertal. Das Fernsehmagazin Monitor kann
    nach eigenen Recherchen weiterhelfen - unter monitor.de
    selber nachzulesen. Das angegebene Gehalt kann ich nicht
    überprüfen, aber es würde das Ranking der Vorstandsge-
    hälter kräftig durcheinanderwürfeln. Über die Gehälter-
    findung berichtete das Handelsblatt. So kann es mich nur
    wundern, dass so ein hohes Vorstandsgehalt gezahlt wird,
    wenn doch bekannt ist, dass fast 20% der Wuppertaler
    unterhalb der Armutsgrenze leben, dazu soll die Stadt
    auch noch hoch verschuldet sein.

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