Wall Street
Wäre das „Fearless Girl“ unterbezahlt?

Die Investmentfirma hinter der Statue „Fearless Girl“ muss fünf Millionen Dollar zahlen, weil sie Frauen schlechter bezahlt hat als Männer. Dabei sollte das kleine Mädchen ein Zeichen für starke Frauen sein.
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New YorkErst provozierte das kleine furchtlose Mädchen den großen Stier. Dann brachte die kleine Statue in der Nähe der Wall Street gleich mehrere Künstler gegen sich auf, weil es sich um eine Werbeaktion der Investmentgesellschaft State Street handelt. Und jetzt kommt heraus, dass eben jene Gesellschaft fünf Millionen Dollar zahlen muss, weil es seine Mitarbeiterinnen schlechter bezahlt hat als ihre männlichen Kollegen. Wäre das Fearless Girls als Erwachsene also unterbezahlt?

Seit März steht „Fearless Girl“ am Broadway und schaut dem „Charging Bull“ direkt in die Augen. Innerhalb weniger Wochen wurde das gerade einmal 1,30 Meter große Bronze-Mädchen eine der größten Touristenattraktionen. Was die wenigstens wissen: „Fearless Girl“ ist eine Idee der Werbeagentur McCann im Auftrag von State Street Global Advisors. Die Investmentfirma aus Boston ist der drittgrößte Vermögensverwalter der Welt und hat einen Index-Fonds (ETF) unter dem Namen SHE aufgelegt, der auf Unternehmen mit hohem Frauenanteil setzt.

Doch im eigenen Hause erging es den Frauen bei State Street offensichtlich nicht so gut, wie es die Statue nahe legt: Am Donnerstag einigte sich State Street auf die Strafzahlung.

Wie eine Sprecherin mitteilte, stimmt die Investmentgesellschaft nicht mit der Analyse des Ministeriums überein, will aber die bereits sechs Jahre alten Vorwürfe nun endlich vom Tisch haben. Die Firma fühle sich der gleichen Bezahlung verpflichtet und versuche diese sicherzustellen, heißt es in einer Mitteilung. Die fünf Millionen Dollar sollten in einen Fonds für 305 weibliche Führungskräfte bezahlt werden. Von dem Fonds profitierten zudem 15 Mitarbeiter, die laut den Ermittlungen des Ministeriums wegen ihrer Hautfarbe weniger Geld bekamen.

Ursprünglich sollte das mutige Mädchen als Überraschungsaktion nur am Internationalen Frauentag am 8. März dem Bullen trotzen. Da aber die Figur rasant zu einer neuen Berühmtheit für die Stadt wurde, beschloss der New Yorker Bürgermeister Bill De Blasio, dass sie noch bis zum 8. März 2018 bleiben darf.

Das verärgerte nicht nur den Künstler Arturo Modica, der einst den Bullen – ebenfalls in einer Überraschungsaktion – direkt vor der Wall Street platziert hatte. Es rief auch einen anderen Künstler auf den Plan, der im Juni einen pinkelnden Hund direkt neben das Mädchen gestellt hat. Der wurde allerdings gleich wieder entfernt.

Eins ist klar: Das Mädchen wird noch lange Stadtgespräch bleiben.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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