Warnung vor Verzögerung der Bilanzbereinigung US-Regierung verschiebt Aufkauf fauler Bankkredite

Der US-Einlagensicherungsfonds (FDIC) verschiebt den Rettungsplan zum Ankauf fauler Bank- und Hypothekenkredite auf unbestimmte Zeit. Den Grund dafür liefern die Institute selber: Lieber wollen sie sich frisches Geld über den Kapitalmarkt besorgen, als ihre Kreditschulden an den Staat zu verkaufen. Damit lehnen sie ein zentrales Element aus dem Bankenrettungsplan des US-Finanzministeriums ab.
FDIC-Chefin Sheila Bair will am Rettungsprogramm festhalten. Quelle: ap

FDIC-Chefin Sheila Bair will am Rettungsprogramm festhalten.

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NEW YORK. Das Interesse an dem Programm sei geschwunden, da viele Finanzmarktakteure in den vergangenen Monaten mehr Zuversicht in eine baldige Markterholung gezeigt hätten, sagte Finanzminister Timothy Geithner am Donnerstag in Peking.

Viele Analysten warnen davor, dass die Banken mit dieser Maßnahme ihre notwendigen Bilanzbereinigungen nur nach hinten schieben. Die US-Regierung habe es den Instituten zudem einfacher gemacht, das Ausmaß ihrer faulen Kredite im Hintergrund zu verstecken: "Der Patient fühlt sich besser, aber die wahren Ursachen des Problems sind weiterhin nicht adressiert", warnte Frederick Cannon von Keefe, Bruyette & Woods, einem Institut für Finanzanalysen.

Die USA wollten im Juni einen Probelauf ihres Bad-Bank-Modells ohne den direkten Einsatz von Steuergeld starten. Das Volumen sollte rund eine Mrd. Dollar betragen. Das FDIC wertet die Entscheidung der Banken als positives Zeichen dafür, dass eine Genesung des Bankensektors auch ohne weitere Staatsinterventionen möglich sei. Unabhängig davon werde das Gesamtprogramm zur Entlastung des Finanzsektors aber weiter vorangetrieben, sagte FDIC-Chefin Sheila Bair am Donnerstag.

Branchenexperten sehen einen Grund für die Verzögerungen auch darin, dass die Regierung Kredite nur zu Konditionen übernehmen will, die teils weit unter den bisher von den Banken geforderten Werten liegen - und Institute insofern weitere hohe Bilanzverluste befürchten müssten. Zudem argwöhnen Banken und Investoren, dass die Regierung nachträglich unangenehme Transparenzanforderungen stellen könnte. Damit hält sich im Hintergrund jedoch die Befürchtung, dass die Banken zahlreiche unverkäufliche und damit faktisch wertlos gewordene Anlagen halten. Dieses Misstrauen ist auch ausschlaggebend für die Zurückhaltung zahlreicher Banken bei der Kreditvergabe, was wiederum die Gesamtwirtschaft belastet.

Niemand weiß derzeit seriös einzuschätzen, wie hoch die Verluste aus solchen faulen Krediten wirklich sind, die heute noch größtenteils in den Bilanzen der Banken schlummern. Einige Analysten schätzen die nicht realisierten Verluste auf ein Volumen von mehr als einer Billion Dollar. Die jüngsten Bilanzierungsänderungen ermöglichen es den Banken, die Kreditverluste so lange nicht in ihren Büchern zeigen zu müssen, bis die Assets wirklich verkauft sind.

FDIC-Chefin Bair deutete die Aufschiebung des Schuldenaufkaufprogramms positiv: Dadurch erhielten Kontrolleure und Banken Zeit, um die Initiative in ihrem Umfang und Ausgestaltung zu überarbeiten.

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