Warten auf den Regen Deutsche Versicherer leiden unter der Dürre

Für viele Menschen in den USA ist die Trockenheit ein Desaster. Doch die Folgen der Dürre reichen auch bis nach Deutschland: Für Versicherer wie die Munich Re werden solche Ernteausfälle richtig teuer.
9 Kommentare
Vertrockneter Mais in Illinois: Agrarversicherungen sind ein interessantes Wachstumsfeld. Quelle: dpa

Vertrockneter Mais in Illinois: Agrarversicherungen sind ein interessantes Wachstumsfeld.

(Foto: dpa)

MünchenSehnsüchtig warten derzeit nicht nur die Farmer in der Kornkammer Nordamerikas auf ein Ende der Trockenheit. Aber auch die Versicherungskonzerne beobachten die Wettervorhersagen gebannt. Die Agroversicherungs-Sparte der Munich Re musste wegen der ungewöhnlich langen Dürre-Periode für Ernteausfälle in den USA bereits 160 Millionen Euro zurücklegen. Das ist der bislang mit Abstand größte Schaden in dem Geschäft. Und doch setzt der Versicherer große Hoffnungen auf die Nische: "Das Potenzial ist noch riesig", sagte Karl Murr, Leiter der Agro-Sparte, dem Handelsblatt.

Denn das Marktpotenzial ist groß. "Wir glauben, dass die Agrarversicherung eine deutliche Steigerung erleben wird", sagt auch Joachim Crönlein, Chef der Allianz-Tochter Münchener und Magdeburger Agrarversicherung. Das Segment, das lange ein Nischendasein fristete, gewinne an Bedeutung. Crönlein verweist vor allem auf die zuletzt zum Teil rasant gestiegenen Nahrungsmittelpreise. Mit den Versicherungswerten steigen die Prämien - und damit der Markt.

Hinzu kommt als Treiber der Klimawandel. Nach Einschätzung der Experten von der Munich Re werden sich Wetterextreme in der Zukunft häufen. Damit ist auch verstärkt die Ernte der Landwirte in Gefahr. Ob nun die ungewöhnlich lange Dürre in den USA schon Folge des Klimawandels ist oder nur ein Wetterphänomen, ist offen. In jedem Fall wird das Bewusstsein für die Ernteausfallgefahr geschärft.

Nach Schätzungen in der Branche sind bislang nur etwa 20 bis 25 Prozent der Agrarproduktion weltweit gegen Naturkatastrophen versichert. Als vorbildlich gilt das Ernteversicherungssystem in den USA, das staatlich gestützt ist. Hier sind 105 Millionen Hektar versichert, gut 80 Prozent der genutzten Gesamtfläche. Die Netto-Beitragszahlungen lagen in der Erstversicherung bei knapp zwölf Milliarden Dollar, davon etwa 60 Prozent staatlich subventioniert.

Die Munich Re als Rückversicherer im Hintergrund erzielt denn auch 70 Prozent ihrer Prämien in der Agrarversicherung in den USA. Weltweit kommen die Münchener auf Einnahmen von etwa einer Milliarde Dollar und in der Rückversicherung auf einen Marktanteil von 25 Prozent.

Nach Einschätzung der Munich Re sind staatlich gestützte Systeme wie in den USA sinnvoll. "Das können wir als Versicherungswirtschaft nicht allein stemmen", sagte Murr. Wenn der Staat einen Teil des Risikos und der Prämien trage, blieben die Prämien bezahlbar für die Landwirte. Zudem werde so allen Bauern eines Landes der Zugang zum Versicherungsschutz ermöglicht - der ansonsten in besonders gefährdeten Regionen unbezahlbar wäre.

Dürre könnte auch in Deutschland zum Thema werden

Die Ernteausfälle in den USA könnten nun die Entwicklung in anderen Ländern beschleunigen. "Die Dürre zeigt ja gerade, dass man ein solches Versicherungssystem benötigt", sagte Murr. Im Blick hat der weltgrößte Rückversicherer die großen Agrarstaaten in Südamerika und Länder wie Russland und die Ukraine.

Von der Dürre in den USA sind auch die Experten bei der Munich Re überrascht worden. Zwar sahen die Modelle die Möglichkeit vor. Der Zeitpunkt und die Länge der Trockenheit aber kamen unerwartet. Ein Trost: Nach Einschätzung von Munich-Re-Vorstand Torsten Jeworrek handelt es sich um ein Ereignis, wie es statistisch nur etwa alle 50 Jahre vorkommt. "Immer mehr Menschen müssen ernährt werden", sagt Murr - auch deswegen wächst der Agro-Versicherungsmarkt nachhaltig.

In Deutschland sind in Süddeutschland, wo es öfter hagelt, etwa 80 Prozent der Flächen zumindest teilweise versichert, in Norddeutschland dürften es etwa 60 Prozent sein. Solche Ernteausfallversicherungen gegen Hagel sind Standard - die Münchener und Magdeburger bieten zudem eine Mehrgefahrenversicherung an, die zum Beispiel auch bei Sturm und Frost einspringt, und gegen Aufschlag auch bei Dürre.

Die Munich Re könnte sich auch gut staatlich gestützte Systeme in Europa vorstellen, bei denen die Staaten einen Teil der Prämie zahlen. Gespräche mit Brüssel gibt es - allerdings ist das Thema hochpolitisch. Schließlich müsste die Bezuschussung mit anderen Agrarsubventionen verrechnet werden. Beim Erstversicherer Münchener und Magdeburger heißt es, die Mehrgefahrenversicherung laufe schon seit mehr als zehn Jahren ohne staatliche Beteiligung. Chef Crönlein kann sich eine staatliche Beteiligung am ehesten beim Thema Dürre vorstellen - schließlich entsteht der Schaden hier schleichend, und die Höhe ist schwer festzulegen. Bis jetzt ist Dürre in Deutschland nicht das dominierende Thema. Doch Experten der Munich Re beobachten die aktuelle Hitzeperiode genau.

Startseite

Mehr zu: Warten auf den Regen - Deutsche Versicherer leiden unter der Dürre

9 Kommentare zu "Warten auf den Regen: Deutsche Versicherer leiden unter der Dürre"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Was soll diese Leidensgeschichte der Versicherungen?
    Dazu sind ja Versicherungen gedacht und nicht um Vorständen Millionengehälter zu bezahlen.

  • Ja, das Problem mit dem Ticker haben wir natürlich auch erkannt. Die Techniker arbeiten mit Hochdruck dran und haben es hoffentlich bald im Griff.

  • Einfach bei den Versicherten die Zinsen kürzen und die Beiträge erhöhen, dann kommen die Gewinne schon wieder.

  • Nach den mir vorliegenden Informationen öffnet der chinese gerade seine disbezügl. Märkte. Denn iwi kann man an jeder Bewegung gut verdienen.

    Evtl. bald in Mais short gehen.

  • Ich beglückwünsche das HB zum mit Abstand geschmacklosesten Titel seit langem.
    Woanders hungern Menschen, aber die Versicherer greifen gerne auch mal wieder nach eine neuen Ausrede, um das Geld der Versichteren zu verfrühstücken. DAS implizit nebeneinander zu stellen .... da muss einem schon wirklich alles scheißegal sein...

  • Mir kommen die Tränen, bei soviel Verständnis und Sorge für die "armen" Versicherer.

  • Wer Monokultur in der Landwirtschaft betreibt muss sich nach Jahrzehnten nicht wundern, wenn solche Zustände dabei herauskommen. Die Dämlichkeit der amerikanischen Farmer und der US-Politiker ist nicht mehr zu überbieten.

  • Es war doch schon vor Jahren bekannt, dass die Landwirtschaft in den USA die Austrocknung des Landes vorantreibt und die Situation wird nicht unbedingt besser. Da gibt es ein paar Tage weniger Niederschlag und schon hat man seine Dürre. Die USA werden noch massive Probleme bekommen, wenn sie ihre Wasserwirtschaft nicht ändern.

  • liebes Handelsblatt, euer Ticker klemmt seit gestern, ich weiss nicht ob das bekannt ist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%