Webers Wechsel
Schweizer Großbank UBS in der Hand der Deutschen

Die Deutschen übernehmen die Macht bei der UBS: Erst Vorstandschef Grübel, ab 2013 zudem mit Präsident Axel Weber. Der Großbank tut gut daran, mehr auf das Können als auf den Pass zu achten. Ein Kommentar von TORSTEN RIECKE.
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Ob es ein Glücksfall ist, muss sich erst noch herausstellen. Auf jeden Fall hat die Schweizer Großbank UBS mit der Verpflichtung von Axel Weber einen Coup gelandet. Viele hatten gemutmaßt, Weber würde dem Schweizer Josef Ackermann an die Spitze der Deutschen Bank folgen und Ackermann könnte dann in seine Heimat als Präsident der UBS zurückkehren. Jetzt ist es ganz anders gekommen. Weber geht in die Schweiz und Ackermann sitzt in Frankfurt immer noch ohne Nachfolger.

Geht alles nach Plan, soll Weber bei der UBS spätestens 2013 Präsident des Verwaltungsrates werden. Er löst dann den meist unglücklich agierenden Kaspar Villiger ab, der die nach der Finanzkrise stark angeschlagene Bank wieder aufpolieren sollte. Villiger ist aber als ehemaliger Bundesrat kein Banker, sondern ein Politiker.

Seine Aufgabe war es, im schwer durchschaubaren Interessengeflecht der Schweizer Politik die richtigen Strippen zu ziehen. Dass er diese Erwartungen nicht immer erfüllen konnte, zeigte sich zuletzt bei der Debatte um eine schärfere Regulierung der Großbanken. Villiger schwieg und Vorstandschef Oswald Grübel drohte mit der Auswanderung von Teilen des Investment-Bankings, falls die Aufsichtsbehörden die Fesseln zu eng schnüren sollten.

Dieses Beispiel zeigt, was in der Schweiz alle wissen: Grübel ist bei der UBS die Nummer eins. Wer unter ihm als Verwaltungsratspräsident agiert, ist dem knorrigen Deutschen ziemlich gleichgültig.

Der Wechsel von Weber zur UBS hat deshalb gleich mehrere interessante Facetten. Die Bank leistet sich zwei Deutsche in Spitzenpositionen. Dass dürfte vielen Eidgenossen, die die UBS immer noch als Ikone der Schweiz betrachten, bitter aufstoßen. In den Züricher Bankenkreisen ist man allerdings längst so professionell, dass man mehr auf die Qualität und weniger auf den Pass der Spitzenmanager schaut. Und da hat man mit dem kompetenten, international sehr gut vernetzten Weber sicher einen guten Fang gemacht.

Bleibt die Frage: Wie kommen Weber und Grübel miteinander aus? Beide sind starke Persönlichkeiten und sind es gewohnt, ihren Kopf durchzusetzen. Die Antwort könnte einfach sein. Grübel hat bereits angekündigt, dass er nicht mehr ewig bei der UBS bleiben will. Wenn die Bank wieder auf sicheren Füßen steht, will er sich wieder in den aktiven Ruhestand zurückziehen. Es könnte also sein, dass Weber es 2013 bereits mit einem anderen UBS-Chef zu tun hat.

Das ist gut und schlecht für den Deutschen. Einerseits stärkt das seine Position, andererseits könnte damit auch seine Verantwortung für das operative Geschäft wachsen. Weber ist aber kein gelernter Banker, sondern als Ökonom ein Mann der Wissenschaft und Geldpolitik. Erst dann wir sich zeigen, ob Weber für die UBS wirklich ein Glücksfall ist.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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