Wells Fargo, JPMorgan & Co.
Wo Kunden noch in die Bankfilialen drängen

Während in Deutschland sowohl Großbanken als auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken ihre Filialen schließen, werden US-Banken ihre Filialkunden nicht los. Ein Kreditinstitut musste sogar neue Mitarbeiter einstellen.

New YorkVerkehrte Welt: In Europa schließen immer mehr Großbanken Filialen, weil kaum noch Kunden vorbeischauen und der Spardruck im Niedrigzinsumfeld ohnehin groß ist. Nicht wenige Analysten meinen, das Umdenken - etwa bei der Deutschen Bank - hätte viel früher einsetzen müssen. Aber gerade in den USA, wo die Geldhäuser als besonders kostenbewusst und radikal gelten und schnell mal Tausende Mitarbeiter vor die Tür setzen, ist das große Filialsterben kein Thema.

Die Institute würden hier zwar gerne den Rotstift ansetzen, kommen jedoch an ihre Grenzen. Denn die heimischen Kunden nutzen das Online-Banking überraschend zögerlich. Sie schätzen es, persönlich beraten zu werden - am liebsten in der Niederlassung an der nächsten Straßenecke bei einem Becher Kaffee. Lange Wege nimmt niemand in Kauf, schon gar nicht in den Großstädten. Dann geht man lieber zur Konkurrenz.

„Unsere Kunden wollen uns nach wie vor sehen“, sagt Jonathan Velline, der bei der Großbank Wells Fargo für die Filialstrategie zuständig ist. An den Besucherzahlen habe sich in den vergangenen Jahren kaum etwas geändert. Das dürfte maßgeblich daran liegen, dass automatische Überweisungen und Daueraufträge in den USA nicht annähernd so verbreitet sind wie in Europa. Stattdessen werden viele Rechnungen noch mit Schecks beglichen, die eben in die Bank gebracht werden müssen.

Der Chefvolkswirt des Einlagensicherungsfonds FDIC, Richard Brown, hält die These, dass Filialen wegen der fortschreitenden Digitalisierung vom Aussterben bedroht sind, deshalb auch für „absolut übertrieben“. Die größte US-Bank JP Morgan Chase musste unlängst sogar wieder mehr Leute an den Bankschaltern einstellen, weil sich die Kunden über zu lange Wartezeiten beschwert hatten.

Entsprechend moderat sind die branchenweiten Kürzungen bislang ausgefallen: Die US-Banken haben die Zahl ihrer Filialen seit dem Höchststand im Jahr 2009 um sechs Prozent reduziert, wie die FDIC ermittelt hat. Ende 2015 gab es insgesamt noch 93.283 Niederlassungen. Der Internationale Währungsfonds hat die Zahl ins Verhältnis gesetzt zur Bevölkerung - und kommt zu dem Ergebnis, dass die sonst so dynamischen US-Banken mit ihren Filialschließungen im internationalen Vergleich nur im Mittelfeld liegen: vor Deutschland, Frankreich und Kanada, aber weit hinter Griechenland, Irland, Spanien oder Italien.

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Dienstleistungen in den USA sind meist nicht umsonst

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