Wells Fargo
Scheinkonten-Skandal rückt Banken ins Zwielicht

Der US-Senat verlangt Untersuchungen, auch die Notenbank Fed wird nervös: Der Skandal um Millionen fingierte Bankkonten bei Wells Fargo zieht immer weitere Kreise. Die große Frage ist: Wer machte den Betrug möglich?

San FranciscoNeun Jahre lang hatte Carrie Tolstedt bei Wells Fargo die Kontrolle über das Geschäft mit privaten Girokonten. Die Bank wusste ihre Arbeit zu schätzen: Vergangenes Jahr bekam die Top-Managerin ein Vergütungspaket von neun Millionen Dollar, weil ihre Vertriebstruppen unermüdlich dafür gesorgt hatten, dass Kunden der Bank immer mehr Konten und Kreditkarten eröffnen. Das Dumme daran: Viele dieser Bankkunden wussten davon gar nichts.

Die Scheinkonten waren über Jahre hinweg im Namen bestehender Kunden eröffnet worden, um die Provisionen von Bankangestellten in die Höhe zu treiben und interne Vertriebsziele zu erreichen. Diese Praxis machte Manager und Managerinnen wie Carrie Tolstedt zu reichen Menschen. Nach Berechnungen von CNN-Money wird sich die 56-jährige Ende des Jahres mit einem Gesamtpaket von 124 Millionen Dollar aus Aktien, Optionen und anderen Wertpapieren von der Bank verabschieden, die jetzt auf einer Rechnung von 185 Millionen Dollar sitzen bleibt.

So hoch ist die Strafe, die die Aufsichtsbehörden für den Skandal ansetzen. Dazu kommen noch 2,6 Millionen Dollar, die Wells Fargo geprellten Kunden zurückzahlen muss. Sie haben schließlich Gebühren, Strafzinsen und Ähnliches für die insgesamt über zwei Millionen Luftkonten bezahlt.

Am Wochenende schaltete die Bank mit Sitz in San Francisco ganzseitige Anzeigen, um ihre Kunden um Vergebung zu bitten – und um ihr Vertrauen. Das wird nicht einfach. Denn noch immer erinnern sich viele Amerikaner an die Jahre nach dem Crash 2008, als die Finanzinstitute mit Abermilliarden an Steuergeldern gerettet werden mussten. Gleichzeitig wurden Familien in den Ruin getrieben, als ihnen einfach Kreditkarten gesperrt wurden und Hypotheken ohne Rücksicht auf Verluste gekündigt wurden, teilweise illegal.

Für diese Praktiken mussten die Banken Milliarden an Strafen zahlen. Viele hofften, das sei ihnen eine Lehre gewesen. Und jetzt kommt erneut eine seltsame und illegale Bankenpraxis an den Tag, die über mehrere Jahre gelaufen sein soll. Über 5000 Mitarbeiter hatte Wells Fargo im Laufe der Jahre bereits entlassen. Doch offenbar war die Versuchung einfach immer wieder zu groß. Das ruft US-Politiker auf den Plan. Unter Führung von Robert Mendenez fordern nun fünf demokratische Senatoren eine umfassende Untersuchung der Vorgänge.

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