„Welt verändert sich“
Spitzenbanker will Großbanken zerschlagen

Er hat die US-Bank Citigroup zu einem der größten Finanzunternehmen der Welt gemacht. Nun plädiert er für die Trennung von Investment- und Privatkunden-Banking. Das brisante Interview des Sandy Weill.
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New YorkDer ehemalige Vorstandsvorsitzende der US-Bank Citigroup hat überraschend eine Zerschlagung großer Kreditinstitute gefordert. Das Privatkundengeschäft und der risikoreiche Investmentbereich sollten getrennt werden, sagte Sandy Weill am Dienstag im US-Fernsehsender CNBC.

Ein solcher Schritt sei nötig, wolle der Bankensektor der USA das Vertrauen der Verbraucher wiedererlangen und seine Position an der Spitze des weltweiten Finanzsystems behaupten. Derzeit sei es um das Image der Branche äußerst schlecht bestellt. „Unsere Welt hasst Banker“, sagte Weill.

In seiner Zeit an der Spitze der Citigroup baute Weill das Unternehmen zu einem der größten Finanzdienstleister der Welt auf.

Nachdem in den vergangenen Jahren hoch verschuldete Banken immer wieder von der öffentlichen Hand gerettet werden mussten, regten Kritiker des Finanzsektors die Trennung von Kunden- und Beteiligungsgeschäft an.

Damit könnten die Risiken des Investmentgeschäfts von den Einlagen der Sparer im Privatkundenbereich getrennt werden. Der Staat wäre in der Lage, reine Investmentbanken pleitegehen zu lassen, da nicht die Sparguthaben der Kunden auf dem Spiel stünden, sagte Weill in dem CNBC-Interview.

Hochrangige Vertreter der Banken lehnten entsprechende Pläne bislang allerdings ab. Sie argumentieren, die beiden Geschäftsbereiche balancierten sich gegenseitig aus und verliehen den Banken Stabilität.

Weill war bis 2003 Vorstandsvorsitzender der Citigroup und stand bis 2006 an der Spitze des Verwaltungsrat.

Auf seinen überraschenden Kurswechsel angesprochen, sagte Weill auf CNBC, er habe in den vergangenen Jahren seine Meinung zur Struktur des Bankensektors geändert. „Die Welt verändert sich“, sagte er. „Die Welt, in der wir heute leben, ist eine andere als vor zehn Jahren.“

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ein Vergleich von Sany Weill zur Feuerwehr hinkt sehr, hat aber sehr menschliche Züge. Manche merke(l)n erst auf dem Sterbebett, daß sie unter Umständen falsch lagen. Das sind die systemrelevanten Säuberer, die den Hauch von Anstand vorzeigen, ihn aber selten in ihrer aktiven Berufslaufbahn vornahmen.

    Citicorp heißt übrigens auch TARGO-Bank. Da werden Sie geholfen.

  • Jahre später haben sich die Medien landsam aber sicher ein wenig des Pudels Kern genähert. Ja. Richtig. Was 1933 eingeführt und 1999 abgeschafft wurde, wird erst ganz langsam kommuniziert. Tipp für die werten Leser: Mal nach Trennbankensystem, Glass-Steagall_Act und Gramm–Leach–Bliley Act googeln.

    Diese Links hier sind auch interessant:
    http://www.handelsblatt.com/politik/international/obamas-vorbild-glass-steagall-act-von-1933/3350574.html

    http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2010/04/bill-clinton-gibt-zu-die-finanzkrise.html

    Und hier bei uns gab es nicht umsonst eine kleine Anfrage zum Trennbankensystem:
    http://www.solidaritaet.com/neuesol/2012/13/trennbanken.htm
    Man findet die original kleine Anfrage (PDF) wenn man nach "Drucksache 17/8631 " googelt oder die Antwort der Bundesregierung wenn man nach "Drucksache 17/8935" googelt.

    Aber psst. Ich verrate noch was: wir müssen nicht nur Investment- und Geschäftsbanken trennen, sondern auch die Politik von den Banken. Island geht hier Beispielhaft voran:
    http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=21935

  • Es ist einfach nicht wahr, dass die Investmentbanken "normale" Geschäftsbanken im Pleitefall nicht mitziehen würden! Der Grund dafür liegt im Interbankenhandel. Solange sich Banken untereinander Geld leihen wird dieses Problem präsent sein. Lehmann Brothers war eine Investmentbank, die HRE war ein Staatsfinanzierer und die spanische Bankia ging aus sieben maroden Sparkassen hervor. Keiner dieser Fälle gleicht dem anderen, und aus keinem kann man ein Trennbankensystem "als
    sichere Bank" ableiten. Doch die einfachste Erklärung kommt beim Volk gut an, deshalb wird sie populär auch von Leuten vertreten, die es besser wissen! Frau Lautenschläger, die Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank spricht sich eindeutig gegen Trennbanken aus.
    Was jedoch immer noch fehlt ist ein höheres Eigenkapital der Banken und eine Aufsicht, die diesen Namen auch verdient.

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