Wenn Geldabheben kostet
Viele Sparkassen-Kunden müssen aufpassen

Viele Sparkassen und Volksbanken kassieren fürs Geldabheben. Eine Erhebung unter betroffenen Sparkassen zeigt: Jeder dritte Kunde hat ein Konto, bei dem Gebühren fällig werden können. Und das schon seit Jahren.
  • 18

Frankfurt Anfang September gab Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon ein vollmundiges Versprechen an alle Kunden aus: „Abhebungen an unseren Geldautomaten sind für Sparkassenkunden kostenlos – und das wird auch so bleiben.“ Der Haken an Fahrenschons Zusage: In bestimmten Fällen kommen Kunden an Automaten ihrer eigenen Sparkassen nicht gratis an Bares, und das nicht erst seit gestern, sondern schon seit einigen Jahren.

Immerhin gut 40 der bundesweit knapp 400 Sparkassen verlangen bei zumindest einem ihrer Kontomodelle eine Gebühr für Barabhebungen. Ähnliches gilt für die Volks- und Raiffeisenbanken mit einem Kontomodell, bei dem Barabhebungen unter Umständen kosten. Das Internet-Finanzportal biallo.de stellte das bisher für mehr als 150 der Genossenschaftsbanken fest.

Die Gebühren für Bargeld sind pikant, bezahlen doch deutsche Verbraucher am liebsten mit Scheinen und Münzen. Und so reißt die Kritik an den betroffenen Sparkassen und Volksbanken nicht ab. Eine Bank hat die Gebühr inzwischen wieder gestrichen: Die Sparkasse Hanau verzichtet jetzt darauf, Kunden, die das Kontomodell „Grimm Classic“ gewählt haben, unter Umständen 20 Cent pro Abhebung zu berechnen. Die Gebühr griff ursprünglich ab der elften Barabhebung im Quartal.

„Das Volumen war von absolut untergeordneter Größe“, sagt ein Sprecher der Sparkasse. Im vergangenen Jahr kassierte das Geldhaus für Barabhebungen an Sparkassenautomaten insgesamt lediglich einen dreistelligen Eurobetrag. Das liegt auch daran, dass sich nur ein Bruchteil der Kunden für das Kontomodell entschieden hat – lediglich etwa ein Prozent. Insgesamt führt die Sparkasse 93.000 Girokonten. Die Kontovariante kostet zwei Euro im Monat, die Sparkasse verlangt daneben je 20 Cent für Buchungen, Gut- und Lastschriften sowie Onlineüberweisungen.

Ähnlich gehen viele andere der betroffenen Sparkassen im Fall der Barabhebungen vor. Bei etlichen Häusern sind die ersten drei bis fünf Transaktionen im Monat noch gratis, bei anderen kostet schon das erste Abheben an einem der 25.000 Automaten der Bankengruppe.

Doch was bei vielen Sparkassen anders ist als in Hanau: Der Anteil der Kunden mit einem Konto, bei dem sie unter Umständen Gebühren für Bares zahlen müssen, ist höher. Er liegt im Schnitt bei etwa 30 Prozent, wie eine Erhebung des Handelsblatts unter 20 Sparkassen ergab. Eine Sparkasse, die Sparkasse Chemnitz, wollte keine Angaben dazu machen. Bei einem weiteren Haus, der Sparkasse Ansbach, gibt es die Gebühr seit Anfang April, im Zuge einer Fusion, nicht mehr.

Ins Auge fällt dabei, dass die Sparkassen, die aus fast allen Ecken Deutschlands stammen, sehr unterschiedliche Kontopreise verlangen. Und dass unterschiedlich viele Kunden ein Kontomodell mit Preisen für einzelne Buchungsposten wie Barabhebungen wählen. So haben bei der Sparkasse Passau 50 Prozent der Kunden ein entsprechendes Konto, bei der Sparkasse Recklinghausen-Vest sogar 90 Prozent. Bei der Sparkasse Haan aber ist es kein einziger Kunde.

Auch bei der Sparkasse Heidelberg hat sich nur ein Bruchteil für das Konto „Privatgiro Online“, entschieden, nämlich drei Prozent der rund 180.000 Privatkunden. Es kostet zwei Euro im Monat, die Kunden müssen daneben für einzelne Dienstleistungen einen Preis berappen – ab der sechsten Barabhebung im Monat 15 Cent. Diese Gebühr gibt es bereits seit 15 Jahren. Zudem kostet beispielsweise jede Zahlung mit der Girokarte 30 Cent.

Seite 1:

Viele Sparkassen-Kunden müssen aufpassen

Seite 2:

Dauerhaft höhere Bankgebühren erwartet

Kommentare zu " Wenn Geldabheben kostet: Viele Sparkassen-Kunden müssen aufpassen "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Edelgard Kah06.04.2017, 17:49 Uhr

    "Wer sich an den Kosten des Geldabhebens stört, kann nach Eingang seines Gehaltes das Haushaltsgeld des gesamten Monats auf einen Schlag abheben. "

    Falls man eine sichere Möglichkeit daheim zur Aufbewahrung hat: vollkommen richtig


    Eine Alternative ist es (kam von einem Verbrauhemagazin im ÖR-Fernsehen):

    kostenlose Bargeldabhebung bis 200€ im Supermarkt bzw einigen Tankstellen


    https://www.kostenloses-konto24.de/girokonto-informationen/59-geld-abheben-im-supermarkt.html

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • NEIN ich werde keine Gebühren mehr bezahlen, eher kündige ich mein Konto und lasse mir mein Geld zukünftig bar auszahlen oder wechlse zu einer Bank, die keine Gebühren erhebt.
    Ich bin es leid die Glasplaläste, Prämien, Luxusfuhrparke und Luxusgehälter der Bankvorstände mit zu finanzieren.
    Müssen die Banker eben kleinere Brötchenh backen, die kleinen Arbeitnehmer hatten in den letzten Jahren auch überall Spardiktate zu verkraften und wurden mit höheren Abgaben z. Bsp. bei Energuie und Strom belastet.
    Ihr müsst endlich mal begreifen, dass wenn bei uns reformiert und gespart wird, ihr ebenfalls betroffen seid.
    Und die Medien müssen sich mal fragen, warum niemand mehr ihre Druckerzeugnisse kauft, dass liegt nicht nur am Internet, sondern daran, dass es zu teuer geworden ist. Damals kostete ein Magazin 3,50 D-Mark, heute zahle ich dafür 4,00 €, dann wird es eben nicht mehr gekauft, so einfach ist dass.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%