Wer den Schaden hat…
Als die HRE das Bernsteinzimmer im Keller fand

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: Über die Hypo Real Estate ergießt sich aufgrund des katastrophalen Rechenfehlers kübelweise Hohn. Sogar das Bernsteinzimmer kommt jetzt ins Spiel.
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Düsseldorf„Legendäres Bernsteinzimmer in Keller von Hypo Real Estate aufgetaucht“ titelt die Satire-Seite „Der Postillon“ am Montag. Dem natürlich bierernsten Bericht nach wurde der Kunstschatz über Jahrzehnte als Besenzimmer (Abkürzung: BZ) genutzt und erst gefunden, als ein Buchprüfer hinter der Tür mit der Aufschrift „BZ“ ein „Bedürfniszimmer vermutete.

Als hätte die HRE nicht schon genug mitgemacht, mag da Mancher sagen. Als prominentestes deutscher Opfer der Finanzkrise musste das einstige Dax-Mitglied per Verstaatlichung vor dem Zusammenbruch gerettet werden. Toxische Wertpapiere mussten über die Bad Bank „FMS Wertmanagement“ ausgelagert werden. Vom Fass ohne Boden war nicht nur einmal die Rede.

Und dann verwechseln Mitarbeiter der Bank offensichtlich „Plus“ und „Minus“. Heraus kam der wohl absurdeste Geldgewinn der jüngeren Geschichte. Irgendwo hat irgendwer im Hause der Bad Bank 55,5 Milliarden Euro verlegt. „Das ist kein Betrag, den die schwäbische Hausfrau in einer Keksdose versteckt und vergisst“, ließ sich SPD-Geschäftsführer Oppermann zu offenkundiger Häme hinreißen. Wer auf so hohem Niveau solche einfachen, aber schwerwiegenden Fehler macht, braucht sich über Häme aus allen Rohren in der Tat nicht wundern. So eben auch mit dem Bernsteinzimmer: „Dass das Bernsteinzimmer in der Bilanz der Hypo Real Estate nie aufgetaucht ist, liegt ganz einfach daran, dass es zwar auf der Haben-Seite korrekt gebucht war, fälschlicherweise jedoch auch auf der Soll-Seite“, modelt „Der Postillon“ eine Aussage des Finanzministeriums sinngemäß um.

Die Seite ist nicht das einzige Satiremagazin, was auf den Fall anspringt. So titelte die Titanic am Montag in ihrer Online-Ausgabe: „Bilanzfehler bei Weltbevölkerung: Uno entdeckt 55,5 Milliarden vergessene Menschen!“ Die seriöse „Frankfurter Rundschau“ bezeichnet die HRE in einem Kommentar als „dümmste Bank Deutschlands“ – ein Titel, den sie der KfW abgeluchst hat, die seinerzeit den untergegangenen Lehman Brothers eine Überweisung in Höhe von 300 Millionen Euro hinterher schoss.

Fehler passieren, keine Frage. Aber natürlich rätseln Anleger und Bankkunden nun schon – und stärker als die Finanzmarktprofis – inwieweit den Rechenmodellen der Institute zu trauen ist. Stimmt die Wertentwicklung meines Portfolios? Ist bei komplizierten Hebelprodukten alles glatt gegangen? Die HRE hat der Branche einen Bärendienst erwiesen, indem sie die eherne Grundlage, die, bei allen Tricks doch vorhandene, Unanfechtbarkeit der Bilanzen, erschüttert hat.

Aber zurück zur Häme: Wenn schon 55,5 Milliarden einfach unbemerkt Verschütt gehen, was lauert dann noch in den Katakomben der Bank – neben dem Bernsteinzimmer? Die Kommentare unter dem Artikel beim „Postillon“ legen den heiligen Gral nahe. Vielleicht hält sich dort unten auch Carmen Sandiego versteckt. Ein Jahr zuvor wäre sicherlich auch Osama Bin Laden unter den obersten Treffern gewesen. Aber warum selbst spekulieren: Verraten Sie uns doch, was Ihnen vorschwebt!

Bei Facebook haben unsere Leser bereits einige Vorschläge gemacht, darunter „den Koffer von Wolfgang Schäuble“, „den Yeti“ oder „das, was man allgemein als Gewissen bezeichnet“. Auch die Weltformel wird zwischen den Unterlagen der Bank vermutet. Diskutieren Sie mit!

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c

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  • Degenerationserscheinungen
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    So mußten doch zu Zeiten der großen Inflation ganz andere
    Beträge, ohne die Hilfe der Computer, bewältigt werden,
    so daß man davon ausgehen kann, daß aufgrund der Überhand-
    nahme von Computern die Vernachlässigung des Kopfrechnens
    zu einer Degeneration in diesem Bereich geführt hat, der
    solche eklatanten Fehler zuläßt.
    So beruhen als weiterhin unsere Hoffnungen für einen aus-
    geglichenen Haushalt auf dem allgegenwärtigen Koffer von
    Wolfgang Schäuble, der neben seiner seltsamen Haushalts-
    führung auch schon andere Dinge wieder ins finanzielle
    Lot gebracht hat.

  • Vielleicht findet sich noch die Bundeslade und der sagenhafte Niebelungenschatz. Vielleicht haben wir keine 2 Billionen Schulden, sondern 20 Billionen Guthaben. Vielleicht trinken wir kein Wasser, sondern über 100 Jahre alten Champagner... vielleich gibt es die Merkel gar nicht, uns auch nicht! Sicher befinden wir uns im Walhall und genießen die Unterhaltung aus Trugbildern.

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