WGZ Bank
Nächste Bank wagt sich mit Strafzins aus der Deckung

Mit der Düsseldorfer WGZ Bank kündigt eine weiteres deutsches Insititut negative Zinsen für einige Kundengruppen an. Vor allem Profi-Anleger sind betroffen. Deutsche-Bank-Vorstand Krause wirbt um Verständnis, der Bankenverband spricht von „Abwehrkonditionen“.
  • 5

Wie die Skatbank und bald auch die Commerzbank gibt auch die WGZ Bank in Düsseldorf die Strafzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) an einen Teil ihrer Kunden weiter. Die WGZ Bank berechne ausschließlich institutionellen Kunden - und davon nur in einem geringen Teil - negative Zinsen, teilte ein Sprecher der Bank am Freitag in Düsseldorf mit.

Andere Kundengruppen würden derzeit nicht belastet, erklärte die Bank. Pauschale Aussagen zu den genauen Konditionen der Negativzinsen seien nicht möglich.

Die Gebühren der Europäischen Zentralbank (EZB) für Einlagen der Banken setzen die Geldhäuser immer stärker unter Druck. Deutsche-Bank -Finanzvorstand Stefan Krause sagte am Freitag auf einem Bankenkongress in Frankfurt, die Institute müssten die Kosten notfalls an ihre Kunden weiterreichen. Sonst führten sie zu Gewinneinbußen. „Ich weiß nicht, wie lange Banken sich dem entgegenstemmen können.“

Die Institute selbst zahlen seit September 0,2 Prozent Zinsen an die EZB, wenn sie bei ihr über Nacht überschüssiges Geld parken. „Je länger das dauert, desto schwieriger wird es für die Banken, die Rechnung dafür zu bezahlen“, sagte Krause.

Die ersten Institute in Deutschland verlangen in bestimmten Fällen bereits Gebühren für große Summen kurzfristiger Einlagen. Der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes BdB, Michael Kemmer, sprach am Freitag von „Abwehrkonditionen“ einiger Häuser, die Unternehmen davon abhalten wollen, noch mehr Geld auf ihre Konten zu legen. Das hatten auch Mittelständler bestätigt: „Was wir erleben, ist, dass die Banken die Beträge, die wir bei ihnen kurzfristig parken, deckeln“, erzählte der Finanzvorstand des Industriezulieferers Norma, Othmar Belker.

Die Commerzbank hatte als erste Großbank am Donnerstag solche Pläne bestätigt. Die Deutsche Bank hatte erklärt, sie versuche Großkunden zur Umschichtung in andere, längerfristige Anlagen zu bewegen, um einen Strafzins zu vermeiden. Für Privatkunden gelten Negativzinsen bisher als Tabu.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin befürchtet, dass die Strafzinsen der EZB Banken in riskante Geschäfte treiben könnte, um die Einlagen ohne Verluste anlegen zu können. „Überschüssige Liquidität könnte sogar das Bankensystem in Gefahr bringen, wenn es schlecht angelegt wird“, warnte die Präsidentin der Behörde, Elke König, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. König verwies auf die hohen Verluste deutscher Banken mit dem "Kreditersatzgeschäft". Sie hatten das Geld ihrer Kunden in strukturierte Produkte investiert, die die Finanzkrise befeuert hatten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " WGZ Bank: Nächste Bank wagt sich mit Strafzins aus der Deckung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das ist wohl der einheitliche Aufruf zur Kapitalflucht.

    Schweizer Banken dürfen sich auf deutsche Kunden schon freuen. Ob sie sich auch rächen, werden wir sehen.

  • Selbstverständlich Kommunismus. Was hat ein planwirtschaftliches Zwangsgeldsystem, wie es schon von Marx gefordert wurde mit Marktwirtschaft zu tun?

  • "...Rückkehr des Kommunismus..."

    Das vergessen wir mal ganz schnell. Warum sollte ein Kapitalist seine Macht, das Kapital, aus der Hand geben? Macht keinen Sinn. Im Gegenteil. Er will es weiter vermehren, ohne Sinn und Verstand. Neofeudalismus ist das wahrscheinlichere Ziel.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%