"Wir sind raus aus der Betulichkeit": Diekmann erwägt eigene Allianz-Bank

"Wir sind raus aus der Betulichkeit"
Diekmann erwägt eigene Allianz-Bank

Die Debatte über die Zukunft der zum Allianz-Konzern gehörenden Dresdner Bank gewinnt an Fahrt. Die Allianz prüft jetzt, in Deutschland eine Bank unter eigenem Namen zu betreiben. Konzernchef Michael Diekmann sprach mit dem Handelsblatt zudem über den Klimawandel und die Auswirkungen auf das zukünftige Geschäft der Versicherer, sein gespaltenes Verhältnis zur Atomkraft und die schwierige Zeit des Umbaus von Europas größtem Versicherungskonzern. Hier das Interview im Wortlaut:

Herr Diekmann, Sie haben gerade Rekordzahlen vorgelegt. Parallel dazu ging die Meldung um die Welt, dass die Erde noch 13 Jahre hat, um die Klimakatastrophe zu vermeiden. Bedroht der Klimawandel auch die Zukunft der Allianz?

Wir haben das Thema seit mindestens zehn Jahren auf der Agenda. Wir haben eine eigene Klimagruppe gegründet, die viele Initiativen quer durch den Konzern gestartet hat. Wir haben uns dabei gefragt, was Klimawandel nicht nur für die Risikoseite, sondern auch für unser Produktangebot bedeutet. Und da ist eine Geschichte entstanden, die beispielhaft ist: In der Dresdner Bank hat sich aus eigener Initiative eine Gruppe gebildet, die sich mit der Finanzierung erneuerbarer Energien beschäftigt. Das haben unsere Vertreter mitbekommen, und die bringen jetzt permanent Kunden, die ihre Biogasanlagen versichern wollen. Kurz, wir nehmen die Herausforderung an.

Biogas in allen Ehren, aber sind Versicherungen durch den Klimawandel nicht generell bedroht?

Ich bin sicher, dass sich unsere Branche auch auf die Klimarisiken einstellen kann. Denken Sie an die Zeit nach dem 11. September, niemand wollte mehr Luftfahrt versichern. Wir müssen als Industrie zeigen, das wir auch schwere Risiken zeichnen können.

Heißt das nun, Sie erwarten mehr Naturkatastrophen?

Dass es bei zunehmender Erwärmung zu einer höheren Frequenz und Intensität von Ereignissen wie Stürmen und Überschwemmungen kommen wird, ist gewiss.

Und wie reagieren Sie darauf?

Wir haben in einigen Ländern ein kleinmaschiges System von Karten zur Risikobewertung entwickelt. Da können Sie auf Anhieb erkennen, wie groß die Gefahr von Flutschäden etwa für ein Wohngebäude in Passau ist. Unsere Risikoeinschätzung ist also sehr hoch entwickelt, für die Versicherer insgesamt aber ist es ein Problem, dass mit wachsendem Wohlstand ausgerechnet dort vermehrt gebaut wird, wo das Risiko besonders hoch ist. Die Kollegen unserer US-Tochter Fireman's Fund haben sich nun etwas einfallen lassen: Sie organisieren die Umsetzung von Baumaßnahmen gegen Hurrikans, wodurch sich die Prämie des Kunden verringert. Außerdem fördert die Allianz dort den Einsatz umweltfreundlicher Baustoffe. Das sind gewiss nur kleine Ansätze, aber es zeigt, wie wir versuchen, mit dem Risiko umzugehen, etwas daraus zu machen.

Der Klimawandel beschert Ihnen also tolle Geschäfte?

Eine Katastrophe ist immer auch eine Herausforderung. Nehmen Sie die Gesundheitsreform, da sagen viele mit einer gewissen Berechtigung: "Oh Gott, was hat sich die Politik da wieder einfallen lassen." Aber da alle mit den gleichen Bedingungen zu arbeiten haben, müssen sie sich etwas einfallen lassen, wenn sie sich behaupten wollen. Es wäre einfach zu sagen, das versichern wir nicht mehr. Das führt aber nur dazu, dass am Ende ein Wettbewerber auftritt.

Widerspricht dies nicht Ihrer Vorgabe, Risiken nur vorsichtig zu versichern?

Ich sehe da keinerlei Widerspruch. Disziplinierte Zeichnungspolitik heißt ja nicht, dass wir uns aus riskanten Märkten zurückziehen. Es bedeutet: Ich weiß, was ich mache. Da gibt es den 25-jährigen Amerikaner, der in alkoholisiertem Zustand schon zwei Mal einen Unfall gebaut hat. Den versichert normalerweise niemand mehr. Es gibt aber in den USA eine Firma, die sich auf genau solche Risiken spezialisiert hat. Und die ist sehr erfolgreich damit. Das entspricht meiner Vorstellung: flexibler sein, sich auf neue Situationen einstellen. Es gibt Tausende von Beispielen, wie Leute mit einer anderen Philosophie sehr erfolgreich sind.

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