Wirtschaftswachstum schwächt sich ab: Finanzkrise erreicht Osteuropa

Wirtschaftswachstum schwächt sich ab
Finanzkrise erreicht Osteuropa

Die globale Finanzkrise erreicht den Osten Europas. Sinkende Nachfrage aus Westeuropa und den USA ist nur einer der Gründe dafür, dass die Chefs großer Banken in Mittel- und Osteuropa einen kräftigen Rückgang des Wirtschaftswachstums erwarten. „Die heiße Luft entweicht“, so ein Experte.

FRANKFURT/WIEN. Die globale Finanzkrise erreicht den Osten Europas: Nach einer Umfrage des Handelsblatts gehen Chefs großer Banken in Mittel- und Osteuropa von einem Rückgang des Wirtschaftswachstums dort in Höhe von zwei Prozentpunkten auf durchschnittlich 5,5 Prozent aus. Steigende Refinanzierungskosten, eine Verringerung der Aktienquote bei US-Investoren und eben die geringeren Wachstumsaussichten aufgrund sinkender Nachfrage aus Westeuropa und den USA führen zu einer Verschlechterung auf den dortigen Märkten.

Die Entwicklung wird sich nach Einschätzung von Ökonomen auch in den Bilanzen der in Osteuropa engagierten Banken niederschlagen. „Die in Osteuropa aktiven Großbanken haben ihre Strategie auf hohes Wachstum ausgerichtet. Wenn der Markt nun auch nur anfängt, ein Stück weit zu schwächeln, kann das zu Bremsspuren in der Ertragsrechnung führen“, warnt Dirk Schiereck, Professor an der European Business School (EBS).

Die betroffenen Banken geben sich zwar optimistischer und halten an ihren meist konservativen Prognosen fest, sie räumen aber ein, dass die Wachstumsaussichten für die Region gedämpfter ausfallen. „Das kräftige Wachstum wird sich abschwächen“, sagt Herbert Stepic, Chef der österreichischen Raiffeisen International, die gemeinsam mit der Unicredit-Tochter Bank Austria Creditanstalt und der österreichischen Ersten Bank zu den Marktführern in Osteuropa gehört. Im Gespräch mit dem Handelsblatt kann Stepic dem allerdings auch positive Seiten abgewinnen: „Die heiße Luft entweicht.“ Die Kreditvergabe in den zuvor überhitzten Märkten werde nun auf ein gesunderes Maß sinken.

Vorsichtiger als noch vor einigen Wochen äußert sich auch Bank-Austria-Creditanstalt-Chef Erich Hampel. Er betonte zwar am Montag, dass „die Wachstumsaussichten trotz der amerikanischen Subprime-Krise positiv“ bleiben, fügt aber hinzu: „Die Auswirkungen sind spürbar“, und weist insbesondere auf die „Risikokosten“ und eine mögliche „Kreditknappheit“ hin.

Damit spricht er an, was die Analysten seiner italienischen Mutterbank Unicredit so beschreiben: In Osteuropa vergeben die Banken Kredite, deren Höhe die der Einlagen bei weitem übersteigen. Sie müssen sich deswegen in hohem Umfang refinanzieren, was zum Teil über Kredite zwischen den Banken geschieht. In Polen beispielsweise, so heißt es in einer Unicredit-Studie, werden sich diese Kredite wegen der Vertrauenskrise bei den Banken in diesem Jahr voraussichtlich um 80 Basispunkte auf durchschnittlich 5,5 Prozent verteuern.

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