Zahl des Tages
Not-OP der Krankenkassen

Die Vereinigte IKK schwächelt - und wird durch die IKK Klassik gerettet. Die Spätfolgen dieser Not-OP werden die 3,5 Millionen Versicherten spüren.
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Über 3,5 Millionen Versicherte betreuen die IKK Klassik und die Vereinigte IKK gemeinsam, wenn die geplante Fusion gelingt. Das klingt nicht nur groß, die ungleichen Kassen-Schwestern wachsen tatsächlich zur sechstgrößten deutschen Krankenkasse zusammen. 1,9 Millionen Kunden stammen aus der wirtschaftlich stärkeren IKK Klassik, 1,7 Millionen Versicherte aus der schwächelnden Vereinigten IKK. Die Klassik-Fraktion beäugt die Not-Fusion allerdings skeptisch. Müssen nun die die Gesunden einen Soli zahlen, um Zipperlein der angeschlagenen Schwesterkasse zu kurieren? Nun wäre das immerhin für einen guten Zweck: Denn bei einer Pleite der klammen Vereinigten stünden deren Kunden auf der Straße - damit wären zehn Mal so viele Patienten schutzlos wie bei der jüngsten Pleite der City BKK. Statt wie diese von Kasse zu Kasse zu rennen und um Aufnahme zu betteln, können sich die IKK-Versicherten entspannen.

Noch aus einem weiteren Grund gehören die Versicherten der Vereinigten zu den Gewinnern der Notfusion. Ihre Kasse hatte nämlich zuletzt noch versucht, sich mit Hilfe eines monatlichen Zusatzbeitrages von acht Euro zu sanieren - offenbar erfolglos. Kommt die Fusion nun zustande, wird die neue Kassengemeinschaft darauf wohl erst einmal verzichten. 13,6 Millionen Euro sparen die Versicherten des kleineren Partners so jeden Monat, das entspricht dem Betrag, den US-Rocker Steven Tyler in seinem Leben für Drogen ausgegeben hat.

Aber was heißt das schon? Die IKK-Kunden sollten das gesparte Geld jedenfalls besser nicht verqualmen, sondern sinnvoller ausgeben als Tyler. Wenn sie die Zusatzbeiträge beispielsweise ein Jahr lang auf einem Gemeinschaftskonto parken, könnten sie für die angesparten 160 Millionen Euro jedem Versicherten bei ihrer Schwesterkasse als Dank für die Rettung eine Zahnzusatzversicherung spendieren. Oder jedem dritten Klassik-Versicherten eine Erholungskur. Auch 5.000 zusätzliche Herz-Operationen wären aus Solidarität drin.

Vielleicht sollten sie das Geld aber besser für schlechte Zeiten sparen. Denn der Zentralverband der Krankenkassen droht für die Zukunft schon mit Zusatzbeiträgen von bis zu 70 Euro monatlich. Davor werden auch weitere Rettungsfusionen kaum schützen können.

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