ZDF-Dokumentation zur Deutschen Bank: Eine Art „Elektroschock“ für die Deutsche Bank

ZDF-Dokumentation zur Deutschen Bank
Gigant mit ungewisser Zukunft

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Eine Art „Elektroschock“ für die Deutsche Bank

Die Reportage beleuchtet auch eines der tragischsten Kapitel in den düsteren Jahren des Geldhauses. Der Risikospezialist William Broeksmit hatte sich im Januar 2014 in seiner Londoner Wohnung das Leben genommen und mehrere Abschiedsbriefe hinterlassen, unter anderem an seinen langjährigen Weggefährten, den ehemaligen Vorstandschef Anshu Jain. Um ihn herum lagen interne Unterlagen der Deutschen Bank.

Broeksmit hatte bei einem Arzt wenige Monate vor seinem Freitod darüber geklagt, dass er sich große Sorgen wegen mehrerer Ermittlungen von europäischen und US-amerikanischen Behörden gegen die Bank macht. Er hatte Angst davor, bankrott zu gehen oder ins Gefängnis zu kommen.

Die ZDF-Reporter hatten die Chance, mit Broeksmits Sohn Val zu sprechen, der seit drei Jahren verzweifelt versucht herauszufinden, warum sich sein Vater erhängte, und bis heute keine befriedigende Antwort gefunden hat. Vize-Chef Sewing versichert, dass die Bank alles getan habe, um die Vorgänge rund um den Selbstmord aufzuklären. Zu den Ergebnissen der externen Untersuchung will er sich allerdings nicht äußern.

Sylvie Matherat, im Vorstand der Deutschen Bank heute zuständig für die internen Kontrollen, wählt drastische Worte für die Veränderungen seit der Ära Jain: Die Bank habe eine Art "Elektroschock" gebraucht. Viele Topmanager hätten das Geldhaus verlassen müssen, damit alle Angestellten der Bank begreifen, dass es der neuen Bankführung ernst sei mit dem neuen Kurs. Bleibt die Frage, ob diese Elektroschocks reichen? Am Ende kommt die ZDF-Reportage zu dem Schluss, dass die Zukunft der Deutschen Bank nach wie vor ungewiss sei.

Aber das hat die Zukunft nun einmal so an sich. Vor allem für eine Bank, die nach langen Irrwegen, wieder zurück zu sich selbst finden und dabei auch noch Geld verdienen muss. Den Blick endlich einmal nach vorne richten - nichts wünscht sich die neue Deutsche Bank-Führung mehr. Ob das gelingen kann, wird sich zumindest ein Stück weit schon auf der heutigen Hauptversammlung zeigen.

Das Top-Management hofft auf Versöhnung, aber vielleicht sollten sich Cryan, Sewing, Schenck und Co an das Wort des Dichters T. S. Eliot erinnern: „Wer vor seiner Vergangenheit flieht, hat das Rennen schon verloren.“

Wer Suizidgedanken hat, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits das Sprechen dabei, die Gedanken zumindest vorübergehend auszuräumen. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist oder sich um nahestehende Personen sorgt, kann sich – auch anonym – an die Telefonseelsorge wenden: Sie bietet schnelle Hilfe an und vermittelt Ärzte, Beratungsstellen oder Kliniken unter der Nummer 0800/111 01 11.

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